Mit ohne
by Volker Weber
Nochmal Spiegel Online:
In zwei Siemenswerken wird künftig pro Woche bis zu fünf Stunden länger gearbeitet - ohne Lohnausgleich.
Wenn ich mich recht erinnere, hieß die Forderung mal "35 Stunden mit vollem Lohnausgleich". Gemeint war, jeden Tag eine Stunde weniger zu arbeiten, aber den selben Lohn zu kassieren. Und wenn ich das richtig verstanden habe, dann heißt "ohne Lohnausgleich" jetzt, jeden Tag wieder eine Stunde mehr zu arbeiten und genauso viel Lohn zu bekommen. Aber wieso einmal "mit Ausgleich" und einmal "ohne Ausgleich"?
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Zwiebelfischtag bei Vowe, was?
Aber richtig, wenn man die Phrase 'mit Lohnausgleich' mit 'keine Einkommensveränderung' gleichsetzt, dann haben wir dort auch jetzt eine Arbeitszeiterhöhung 'mit Lohnausgleich'.
Na, man kann's drehen und wenden wie man will, letztendlich landet man bei der Denke, daß 'mit' eben gut ist und 'ohne' halt schlecht.
Es war nicht der gleiche Lohn. Es war der gleiche Monatslohn, der Stundenlohn hatte sich damit verändert.
35 Stunden zu 40 Stunden ist ein Gehaltsgefüge von 152 zu 174 Stunden. Eine Änderung von 35 auf 40 Stunden geht normalerweise mit einer Erhöhung der Gesamtsumme einher - halt durch 152 mal 172. Gleicher Lohn, aber in Summe mehr für mehr Stunden.
Ohne Lohnausgleich bedeutet eben: bisheriges Gehalt durch 172 statt 152. Das ist eine gleichbleibende Summe pro Monat - aber weniger pro Stunde.
Von 40 auf 35 wäre ebenfalls eine Reduzierung gewesen - aber weil es mit vollem Lohnausgleich durchgeführt wurde, erhält man weiterhin das gleiche Geld pro Monat wie bei 40 Stunden - und deshalb eben mehr pro Stunde.
Besser?
Eigentlich nicht. Wir brauchen das nicht auf einen Monatslohn hochzurechnen; der Wochenlohn tut's auch.
a) 35-Stundenwoche bei vollem Lohnsausgleich hieß: "Ich will genausoviel Kohle, aber ich arbeite jeden Tag statt acht nur sieben Stunden."
b) 40-Stundenwoche ohne Lohnausgleich soll jetzt heißen: "Ich will genausoviel Kohle, aber ich arbeite jeden Tag statt sieben wieder acht Stunden."
Wenn a) richtig war, dann muss b) jetzt heissen "40-Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich". Natürlich war a) nicht richtig. Das war nur eine euphemistische Sprachverwurstung.
Der volle Ausgleich wäre aber dieses Mal zu Ungunsten des Arbeitnehmers. Vielleicht haben wir einfach ein unterschiedliches Verständnis von Ausgleich in diesem Zusammenhang?
Lohnausgleich ist anders kontextbehaftet für mich als Ausgleich an sich. Ein normaler Ausgleich kann in beide Richtungen gehen - und dann wäre Deine Anmerkung korrekt. Aber in diesem Zusammenhang bedeutet es Kompensation möglicher Ausfälle - und die ist hier nicht gegeben.
Genauso wie es 'offiziell' das Wort Unkosten nicht gibt, aber im betriebswirtschaftlichen eine eigene Bedeutung erlangt hat. Das kann man auch nicht nur mit "das gibt es nicht" abtun. :o)
In der betriebswirtschaflichen Literatur gibt es in der Tat keine Unkosten. Im Sprachgebrauch schon. So wie "gute Butter".
Der volle Ausgleich wäre aber dieses Mal zu Ungunsten des Arbeitnehmers.
Potzdaus, in der Tat. Das ich da nicht gleich drauf gekommen bin. :-)
Aber in diesem Zusammenhang bedeutet es Kompensation möglicher Ausfälle - und die ist hier nicht gegeben.
Welche Ausfälle? Es sollte doch wohl hier und dort einfach genauso viel gezahlt werden. Der Unterschied war doch nur in der Arbeitszeit, oder irre ich?
Menno nun stell Dich doch nicht so an. :o)
Es wird nicht gleich viel gezahlt. Du bekommst pro Stunde weniger und mußt länger arbeiten als vorher. Damals hast Du pro Stunde mehr bekommen und mußtest weniger arbeiten.
Wieder kleine Tricks anwenden, was? Erst den armen vowe mit Gehaltsgefügen und Monatsarbeitsstunden verwirren wollen, und jetzt mir Stundenlöhnen. Der Ausgleich bestand und besteht allein in der Arbeitszeit. Sieben statt acht Stunden und nun acht statt sieben. Selbe Kohle. Und einmal soll das mit Ausgleich heissen und einmal ohne.
Spät, aber passt zum Thema:
http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID3464070_NAVSPM1_REF1,00.html
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