Dickes Dings bei Heros

by Cem Basman

1928 ließ Berthold Brecht einen Protagonisten in der Dreigroschenoper sagen: Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank? 2006 heisst es nun: Was ist eine Gründung einer Bank gegen die Gründung einer Geldtransportfirma? Das große Dings bei Brinks ist 'ne Lachpille dagegen. Ein Fliegenschiß. Erdnüsse. Kundengelder in Höhe von insgesamt rund 300 Millionen Euro sollen über Jahre (!) unterschlagen worden sein? Hat das denn keiner gemerkt? Können die nicht rechnen? Oder geht es nach Gewicht etwa? Lehre aus der Geschicht: Man muß die Nummer eben halt nur groß genug anlegen.

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Comments

Ich hab' mich heute beim Schauen der Nachrichten auch etwas gewundert, als da gesagt wurde, dass die bspw. bei einem grossen Kaufhaus (ich meine, es war Karstadt, aber bin mir nicht ganz sicher) die Kassengelder abgeholt und auch gleich das Zählen übernommen haben. Das sei in der Branche so üblich... Ich glaub, das mach ich auch. Ich hol' da einen Sack Geld ab, zähle den selbst und sage dann, wieivel's ist. Kleinere Zählungenauigkeiten von ca. €500 (täglich? pro Kasse?) fallen da offenbar nicht auf. Da braucht man sich gar nicht zu fragen, "who guards the guards". Es gibt nichtmal Guards.

"Kein Privatunternehmen kann in moderne Maschinen für die Bargeldbearbeitung investieren, wenn sich eine Behörde vorbehält, mit politisch gesetzten Preisen Marktanteile nach Belieben hinzuzugewinnen."

So die Bitkom der Geldfahrer. Ökonomische Notwehr gegen Überregulierung. ;-)

Andreas Schmidt, 2006-02-21 23:29

Der Mechanismus, den die da anscheinend angewendet haben, kommt mir wie eine billige Kopie der Enron-Machenschaften vor. Man geht eine Verbindlichkeit ein (Überweisung des eingesammelten Bargelds), lässt sich mit der Bezahlung etwas Zeit (gegen Zinsen), und begleicht die Forderung schließlich mit dem Geld aus dem nächsten Geschäft. Das Ganze kann tatsächlich erstaunlich lange völlig unbemerkt bleiben, da ja jeder Auftraggeber sein Geld bekommt. 300 Millionen Euro sind zwar eine enorme Summe, aber der Fall Enron hat bewiesen, dass man das Spiel noch in ganz anderen Dimensionen jahrelang spielen kann, ohne dass die Sache platzt. Man muss nur die Spielregeln ein bisschen komplexer machen. Und ja, es hilft enorm bei der Vertuschung, wenn man den Schneeball schön groß werden lässt.

Martin Switaiski, 2006-02-21 23:32

Martin, gestern wurde in der Presse gesagt, dass im Durchschnitt täglich bei Heros 600 Mio im Umlauf/Transport gewesen sein sollen. Eine Summe, die zunächst einem schwindelerregend vorkommt. Bei dem hohen Geschäftsanteil der Heros am deutschen Geldtransportmarkt aber durchaus realistisch ist. So gesehen kann man natürlich wohl 300 Mio Schwund rollierend kaschieren. Trotzdem ist das ganze schon irre ...

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