Agendasetting per Pflasterstein
by Volker Weber
Nico trifft den Nagel auf den Kopf:
Ich frage mich, wieviele Pflastersteine noch geworfen werden müssen, bis sog. linke Gruppen endlich realisieren, dass ihre Duldung des schwarzen Blocks und ihre hanebüchenen Erklärungs- und Rechtvertigungsversuche der Daseinsberechtigung eines schwarzen Blocks bei Demos einzig und allein dazu beitragen, dass das eigene Anliegen völlig ins Hintertreffen gerät. Da werden wohl noch etliche Kilometer abgedeckter Bürgersteige ins Land gehen, bis diese Erkenntnis bei den Demo-Veranstaltern durchsickert.
Comments
Traurig aber wie schafft man es sonst in jeder Nachrichtensendung präsent zu sein? Wenn keine Steine fliegen konzentrieren sich doch viele Medien wieder ganz schnell auf das Wesentliche, Knastaufenthalt von Frau Hilton oder Scheidung von Herrn Effenberg. Wenn also keine Steine fliegen stimmt zwar die Nachricht aber die Aufmerksamkeit dürfte in etwa dem der halbjährlichen Bischofskonferenz entsprechen.
Oder wie titelt Attac selber auf Ihrer Homepage: "Attac im Aufwind - sei dabei!" und im Shop sind bereits jetzt viele Artikel ausverkauft (wobei Attac zugegeben nur eine Interessengruppe von vielen ist).
@Henning, ich hoffe Du meinst das nicht als Rechtfertigung - dass diese Art von Präsenz Attac nur schaden kann, sollte doch wohl jedem klar sein?
Nicht, dass es mich juckt, halte ich das doch für eine selten absurde Organisation ...
Augenzeugenberichte belegen, daß die Angriffe der Polizei durch Provokateure vorbereitet wurden
Wer weiss, ob da was dran ist. Allerdings: Cui bono? Wem nützt die Eskalation am meisten? Attac bestimmt nicht.
Nette Verschwärungstheorie. Nach Ockham's Razor habe ich eine einfachere: in unserer Spassgesellschaft tummeln sich überall irgendwelche Gestalten, wenn die Aussicht auf einen guten Kampf besteht, egal ob es sich um linkspolitische Demonstrationen oder das Ligaspiel des Fusballclubs Sowieso handelt.
Welche objektive Berichterstattung seitens der "Linke Zeitung".. ;)
Wer's noch nicht gelesen hat, dem kann ich den Feullieton-Aufmacher der SZ vom Montag empfehlen. Der Autor entlarvt darin den Mythos "Schwarzer Block" als eine bisher so nicht wahrgenommene Protestbewegung des "Neo-Primitivismus". Diese Leute seien bisher fälschlicherweise immer als der harte Kern bei Demonstrationen eingeordnet worden, doch handle es sich in Wirklichkeit bei vielen von ihnen um Gefolgsleute des amerikanischen Anarcho-Primitivisten John Zerzan. Interessant und mal eine fundierte Absage an bequeme, überkommene Deutungsmuster.
@Stefan, nein ich will nichts rechtfertigen. Ich teile nur nicht die Ansicht, daß es bei dieser Art der Auseinandersetzung nur Verlierer gibt.
Mitgliederzahlen rauf, Shopumsätze rauf, Spenden rauf, Heiner Geissler ist auch noch dabei und alle paar Minuten schaut eine Kamera vorbei.
Bevor die Krawalle losgingen lautete die Hauptmeldung doch: 100.000 erwartet, nur 25.000 gekommen.
Es geht ja schon los, daß der G8 Gipfel bereits von der Politik groß inszeniert wird. Man zieht einen Zaun um ein mondänes Anwesen, dann redet man noch ein bißchen über Geruchsproben und rührt auch sonst monatelang die Werbetrommel. Zum Termin karrt man dann 16.000 Polizeikräfte heran (ich glaube, in Afghanisten sind derzeit runde 3000 Soldaten stationiert).
Hinterher haben dann alle die Situation unterschätzt.
Nein, gut finde ich das ganze wirklich nicht allerdings fehlt mir der Glaube, daß das für alle so überraschend kam. Im Vorfeld habe ich zufällig im Radio ein paar O-Töne von Polizisten gehört. Da wurde bereits offen von Angst gesprochen und im Gegensatz zu den Demonstranten hatte ich nicht das Gefühl, daß die freiwillig dort hinfahren.
Als Rostocker verstehe den "schwarzen Block" als Mittel zur Reichweitenerhöhung von MVs 100 Millionen Euro teurer Werbekampagne.
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