Wie wichtig wird schuelerVZ genommen?

by Volker Weber

schuelervz

Ich recherchiere immer noch an einer Geschichte zu Social Networks. Heute nachmittag habe ich mich zu dem Thema mit zwei Nachbarskindern unterhalten, beide in der siebten Schulklasse und etwa 13 Jahre alt. Ich bin bass erstaunt, welchen Stellenwert schuelerVZ bei den beiden Mädchen hat.

Wenn ich mir XING, LinkedIn oder FaceBook anschaue, dann sehe ich dort vor allem eine Experimentierhaltung: mal schauen, was das bringt. Auch bei StudiVZ, das man im besten Fall als von FaceBook inspiriert betrachten kann, scheint der Abstand viel größer als bei schülerVZ.

Da hier wohl mehr Eltern als Schüer mitlesen: Was sind Eure Beobachtungen?

Comments

SchuelerVZ scheint tatsächlich der große Renner bei Schülern zu sein. Im Gegensatz zu StudiVZ oder den anderen Communities wie XING oder Facebook finden sich hier die jüngeren Menschen wieder, die auf vielen anderen Portalen einfach nicht "unter sich" sind. Ich habe mit einigen Schülern aus meinem Bekanntenkreis gesprochen (allesamt so 16-18 Jahre alt). Fast alle haben ein Profil auf der Plattform und auch die Meisten ihrer Mitschüler schauen sich dort täglich um. Ab 18 Jahren häufen sich jedoch wohl diejenigen, die sich zu alt für die Plattform fühlen. Diese wechseln dann wohl direkt zu StudiVZ hinüber. Ein fließender Übergang - bei den Jungs wohl schneller als bei den Mädels. So zumindest mein Eindruck.

Deine Ansicht bzgl. "Experimentierhaltung" sehe ich genauso. Liegt wahrscheinlich daran, dass die Meisten z.B. bei XING eben doch älter sind und nicht mit dem Internet groß geworden sind, wie die heutige junge Generation. Sicher, Computer sind allen bekannt aber es spielt dann doch nicht so eine große Rolle sich zu vernetzen und auszutauschen. Ganz im Gegensatz zu den heutigen Schülern, die kaum noch etwas Anderes kennen: Aufgewachsen mit Handys, Chats, ICQ und Co. - da passt eine Plattform wie SchuelerVZ doch wie die Faust aufs Auge...

Update:

Gerade noch mal die gleiche Einschätzung bei einer Schülerin der 6. Klasse gehört. Und ganz selbstverständlich per Skype-Videochat. Seid nett zu den Mädels. Die machen Euch demnächst die Pillenschachtel auf.

Meine Kinder sind 14 und 11 (Mädchen, Junge). SchuelerVZ ist für beide ein wichtiges Thema, ebenso wichtig wie telefonieren, und wichtiger als IM. Gelegentlich darf ich mir ansehen, was sie dort machen. Ein großes Thema ist die Zugehörigkeit zu Gruppen, d.h. einfach die Mitgliedschaft in einer Gruppe auf der eigenen Seite zeigen zu können. In der Gruppe selbst ist dann quasi keine Aktivität.

Bei den Jugendlichen sind sicherlich die typischen Aspekte in der Pubertät wichtig - die eigen Rolle finden, den eigenen Schwarm beobachten, sich gegenüber anderen (Gruppen) abgrenzen, Grenzen im sicheren Rahmen testen und dabei noch cool sein und Spaß haben. Online-Schwärmen wird übrigens noch dadurch vereinfacht, dass man in den "Steath-Modus" gehen kann, so dass Besuche auf einer anderen Seite nicht verzeichnet werden, und man ungestört schmachten kann...

Das ganze dann noch ohne (das Gefühl der) Überwachung durch die Eltern, da man sich ja als Erwachsener nicht anmelden kann. Da hilft es dann, dass ich mich (zumindest im Moment noch) besser mit Computern auskenne als die lieben Kleinen :-)

Tom Holzapfel, 2007-11-06 19:00

Aus Sicht des Kindervolkes ist das eine eltern- / erzieherfreie Zone. Man kommt nur per Einladung zu einem Account, Eltern / Lehrer sind per Definition (http://www.schuelervz.net/l/parents/) außen vor. [*]

Man ist unter sich, kann ganz ungeniert mal schauen, was denn das scharfe Mädel aus der Parallelklasse als Hobby hat, sucht alte Klassenarbeiten. Das ist IMHO auch OK.

Auch ein Großteil der (öffentlichen) Kommunikation findet dort statt, Photos der letzten Klassenfahrt / Party gibt es nur dort, nicht mehr im Album. Wirklichkeit ist nur, wenn sie auch im Netz ist. Und schuelervz stellt eine einfache Möglichkeit dar, eine eigene "Homepage" zu erstellen. Das geht einfacher als mit 1&1 und Frontpage und man ist trotzdem "drin". Als Einstieg in ein Onlineleben finde ich es in Ordnung, nur leider sind die meisten dieser Leute dann nicht entwicklungswillig.

[*] Ich finde es gut: Der Login ist allerdings nur per http, ein einfaches tcpdump auf dem heimischen Router hat meinen Jüngsten (15) veranlaßt, sich mit Netzwerken / Technik sowie Datenschutz auseinanderzusetzen.

Klaus Stenner, 2007-11-06 19:04

Bei meinen Kindern (15/19) spielt SchülerVZ gar keine Rolle. Das liegt vor allem darin, dass sich die "Schüler-Communities" hier bei uns vor der Existenz von SchülerVZ bei einem lokalen Provider (OS-Community) gebildet haben und offensichtlich bei diesem bleiben. Weil alle Klassen ihrer Penne und auch die Nachbarschulen dort vertreten sind, ist SchülerVZ für sie total uninteressant. Außerdem ist für Referate , Hausaufgaben etc. der Chat viel wichtiger als ne Community. Mein Jüngster sagte eben, er bekommt laufend Einladungen von SchülerVZ, "wie Spam".

Detlef Borchers, 2007-11-06 19:08

Vermutlich fehlt es mir an sittlicher Reife, so etwas wie schuelerVZ zu bewerten. Ich gebe aber zu bedenken, dass viele Dinge wie bei uns Erwachsenen funktionieren.
Also wird es auch bei den Kids so sein, dass die Affinität zu derartigen Netzwerken sich aus einem Mix speist:
- Medienrummel, Neugier, Technophilie, Gruppendruck und der "modische Aspekt" sorgen für das Anlegen des Accounts.
- Einige bilden die aktive Masse, wenige profitieren von dem System, die Mehrheit "läuft mit".
- Alles ist temporär, in (spätestens) zwei Jahren wird die nächste "Sau durchs Dorf getrieben".

Keine Frage, auch für Kinder und Jugendliche kann so ein Netzwerk zum Benefit gereichen. Das setzt aber IMHO eine gesunde Medienkompetenz voraus. Ich kenne schuelerVZ/studiVZ nicht, hoffe aber, dass wenigstens ersteres werbefrei war, ist und bleibt, und nicht alles so sehr vernetzt wird, wie es sich Tim O'Reilly für die Zukunft vorstellt.

Martin,
der froh ist, dass seine Tochter erst 5 ist, und hofft, dass auch ein dezent medienINkompetenter Vater in ein paar Jahren nicht vor einem Scherbenhaufen steht.

:-)

hier in München scheinen die Lokalisten der große Renner in der Altergruppe der 12 - 16 Jährigen zu sein. SchuelerVZ ist mir bei meinem Sohnemann (14) und den Kids im Bekanntenkreis noch nicht untergekommen.

Peter Seifert, 2007-11-06 21:58

Man sollte StudiVz nicht unterschätzen, es gibt kaum Studenten die dort nicht vertreten sind und die Seite ist stark frequentiert, wenn man das an den Profilupdates von Freunden messen kann...
Ich persönlich finde Facebook aber um einiges besser, leider sind dort wenig deutsche Studenten angemeldet.
Xing ist für mich ein berufliches Werkzeug wohingegen die anderen beiden Seiten einen viel privateren Charakter besitzen.

Tobias Rödig, 2007-11-07 10:11

Kann nur von Studivz sprechen.

StudiVZ lebt von der Masse. Jeder Student ist Mitglied, damit findet sich eine Zielgruppe zentral zusammen.

Ist ja auch ganz einfach zu erklären: Nach dem Schulabschluss verstreuen sich alle über die einzelnen FHs und Unis. Nicht nur über Deutschland sondern auch weltweit. Und genau deshalb sind auch diejenigen angemeldet, die sich nicht fürs Studium sondern für eine Ausbildung oder sonstiges entschieden haben.

StudiVZ stellt die zentrale Plattform auf der sich alle Freundschaften/Bekanntschaften von "früher" wiederfinden. Der Content entsteht durch die Benutzer in Form von Bildern und Gruppen, durch die die Persönlichkeit ausgedrückt wird. (Bzw. viel öfter, die Persönlichkeit von der man denkt, dass sie für Andere interresant sei)

Und da natürlich auch alle Medien, vor allem auch die von Studenten wahrgenommen Medien darüber berichtet haben, kennt es auch jeder.

Beim SchuelerVZ kann ich mir vorstellen, dass anfangs auch der Neid eine große Rolle gespielt hat ("Studenten haben und wir nicht"). Inzwischen kommt dann auch wieder dazu, dass jeder dabei ist. Man will also dazugehören.

Wäre Facebook vor 3-4 Jahren nach Deutschand gekommen, mit ähnlichem Medienrummel vorrausgesetzt, dann gäbe es heute mit ziemlicher Sicherheit kein Studi- und kein SchuelerVZ.

Dimitrios Seitz, 2007-11-07 17:29

zu schüler- und studenten-netzwerken direkt kann ich im moment nichts beitragen, aber bei nick carr ist gestern etwas sehr schönes über den unendlichen quark von facebook und sogenannten social networks im allgemeinen erschienen: da ist nicht so viel soziales am werk, sondern kapital, das nach umschlagsmöglichkeiten sucht - eine ziemlich abgehobene sphäre, in der das soziale nur vordergründig existiert:
http://www.roughtype.com/archives/2007/11/the_social_graf_1.php

Soziale Netzwerke sind wie eine schicke Parkhäuser in denen die Profile geparkt werden können. Der eigentliche Nutzen entsteht durch ein Straßennetz, dass mir erlaubt rumzufahren und natürlich durch die Durchlässigkeit von Schranken wie OpenSocial & Co.
Die Frage welches Parkhaus ich wähle hängt vom Geschmack und Ausstattung ab und wird zukünftig vielleicht gar keine so große Rolle mehr spielen.
Hinkt der Vergleich? ;-)

vergesst das "eine" im ersten Satz ;-)

Mit meinen 30 Jährchen bin ich wohl zu alt für SchülerVZ; habe gar nicht gewusst, dass es das gibt, obwohl es eigentlich auf der Hand liegt. =)

Ich mag XING, weil es nüchtern und professionell ist. Ich mag StudiVZ, weil es soviele verdammt lustige Gruppen gibt und ich definitiv zu der Gruppe gehöre "Meine Gruppen sagen mehr über mich aus als mein Profil". Facebook hingegen finde ich tödlich langweilig, das "Wer installiert welches Plugin und belästigt dann seine Freunde damit"-Spiel liegt mir nicht. Ausserdem sind bei Facebook die Gruppen extrem langweilig, nach der 10'000sten Hating-XYZ Gruppe klappen mir definitiv die Augendeckel zu.

Lange Rede, kurzer Sinn: StudiVZ mag auch ältere Semester zu begeistern. Wäre ich jünger, würde ich auf SchülerVZ herumhängen.

Netzwerke wie StudiVZ, SchülerVZ sowie eine Reihe von Plattformen wie YouTube, Flickr etc. sind ein schönes Beispiel für das Mitmach-Internet - aber was ist mit den Nebenwirkungen?
Die gestrige Meldung von dem angekündigten Amok-Lauf auf YouTube und die heutige Meldung von INACH bzgl. der Nutzung solcher Plattform zur Verbreitung von Nazi-Propaganda zeigen, was möglich ist. Was aber nicht diskutiert wird, sind die technischen Möglichkeiten, um Publikationen wie diese zu verhindern oder zumindest auf die "Autoren" zugreifen zu können.

Zwar hat YouTube versprochen, Nazi-Inhalte zu entfernen sowie Copy-Right-Verletzungen zu ahnden, das dürfte aber einer Suche nach der Nadel im Heuhaufen gleichen.
Warum findet das Thema Authentifizierung als Diskussion eigentlich nicht statt? Würde es nicht helfen, wenn sich User im Rahmen der Registrierung rechtsverbindlich identifizieren müssten? Wie berechtigt ist die Angst von Eltern, dass sich User über SchülerVZ an Kinder und Jugendliche in sexueller Absicht heranmachen? Ist die Anonymität im Internet heilig oder sollte sie zugunsten der Sicherheit eingeschränkt werden?

Andrea Fischedick, 2007-11-08 19:07

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