Knapp daneben

by Volker Weber

Heinrich Vaske von der Computerwoche schreibt:

Robert Cringely ist im Silicon Valley kein unbekannter. Über sieben Jahre beglückte er seine Leser mit der oft bissigen Kolumne “Notes From the Field” in der CW-Schwesterpublikation “Infoworld”.

Die Wikipedia meint dazu:

Robert X. Cringely is the pen name of both technology journalist Mark Stephens and a string of writers for a column in InfoWorld, the one-time weekly computer trade newspaper published by IDG, which is now entirely electronic.

Stephens was the third author to contribute to Infoworld under the Cringely pseudonym, the first two being Rory J. O'Connor and then Laurie Flynn. ... Stephens' Cringely currently writes an online column for the PBS website called I, Cringely: The Pulpit.

Vaske meint also Stephens. Und Stephens meint, dass IBM dieses Jahr 150.000 Mitarbeiter von IBM Global Services entlassen wird, in USA wohlgemerkt. Da IBM insgesamt ca 350.000 Mitarbeiter hat, wäre das also eigentlich ziemlich jeder US-amerikanische IGS-Mitarbeiter.

Comments

Anfang 2006 hatte IBM laut der NYT 117.000 Mitarbeiter in den USA ... selbst wenn seit dem einige dazu gekommen sein sollten, werden es nie uns nimmer inzwischen 150.000 sein. Vielleicht hat er sich um 2 Nullen vertan.

Martin Hiegl, 2007-05-07

Ich denke, es sind 150.000 weltweit gemeint. Der Tenor, auf den Cringely anspielt, ist doch, dass es mit einem einfachen Umbau wie unter Gerstner nicht mehr getan ist. Das LEAN-Konzept ist ja nicht aus der Luft gegriffen.

Detlef Borchers, 2007-05-07

Nein, IBM ist natürlich schon lange nicht mehr das Powerhouse, was es einmal war. Natürlich entlässt IBM wie auch die anderen fünf der ‘Big Six’ des US Outsourcings – Accenture, ACS, CSC, EDS und HP massive angestammte Mitarbeiter und verlagert insbesondere nach Indien und mittlerweile heftig nach China. Allein in Indien arbeiten heute schon 53.000 IBM'er. Aber selbst eine IBM würde es nicht schaffen 150.000 Mitarbeiter bis Ende des jahren zu entlassen. Aus einem ganz einfachen Grund: Sie haben - wie alle anderen auch - langfristige laufende mehrjährige Verträge. Den Ersatz würden sie weder auf dem freien Markt finden noch auf die schnelle durch ein wie auch immer geartetes Outsourcing weltweit kompensieren können. Würden wenn sie es könnten täten sie es aber schon gerne.

Wahr ist aber auch, dass die (Stamm-)Belegschaften der 'Big US Six' und der 'Big European Five' gemessen am Weltmarkt exorbitant teuer und unproduktiv sind und langfristig keinerlei Chance haben werden.

Was haben die für Tages- und Stundensätze vor zehn bis fünf Jahren gehabt? Und was bekommen sie heute noch? Kein Vergleich. In weiteren zehn bis fünf Jahren ... ? Ich weiss, das Geschrei hier in Mitteleuropa ist gross. Schreit nur. Der Zug ist längst abgefahren. Ich mache dieses Geschäft schon so lange, ich kann das dumme und arrogante und selbgerechte und selbstverliebte Lamento nicht mehr hören und es interessiert mich auch nicht mehr. Sorry.

Cem Basman, 2007-05-07

Irgendwie scheinen sie (Nennungen der Zahl im Internet) alle von ihm oder einem anderen, der es so brachte, abzuschreiben - aber 100.000-150.000 in den USA ist schlichtweg nicht möglich. Selbst weltweit glaube ich diese Zahl nicht. Deutschland, zweitgrößte Ländergesellschaft außerhalb der USA, hatte zum Beispiel ein Spitzenquartal (IBM gesamt hatte ja ein gutes erstes Quartal), in Indien, größte Ländergesellschaft außerhalb der USA, ist wohl ebenfalls eher mit Einstellungen als mit Entlassungen zu rechnen.

Martin Hiegl, 2007-05-07

Martin, denk mal darüber auch nach, ob eine IBM (und die anderen Grossen) die Erlöse mit eigenen festangestellten Kräften erwirtschaftet haben oder mit Beteilungen oder mit Contractoren. Der Trend ist global ganz eindeutig "weg von Festangestellten". Also Umsatzerlöse keinesfalls mit der Beschäftigungslage gleichsetzen. Ein weiterer globaler trend ist nämlich genauso eindeutig zu sinkenden Umsatzerlösen pro Verrechnungseinheit - d.h. schlichtweg, dass eigene feste Ressourcen kurz oder lang grundsätzlich unrentabel sind.

Diesen Trend gibt es nicht nur bei Service providern sondrn bei allen grossen knowhow-intensiven Dienstleistern wie Banken, Versicherungen etc.

Cem Basman, 2007-05-07

Cem, da hast dus icher nicht ganz unrecht ... aber fast 50% der Mitarbeiter weltweit? Das kann nicht funktionieren - man kann nicht 50% der festen Ressourcen durch ... ja, was ... Tage-/Monats-/Jahreslöhner oder wie stellst du dir die Alternative vor? ersetzen - selbst über mehrere Jahre nicht.

In großen Bereichen des Beratungsgeschäfts mag das tatsächlich möglich sein - aber IBM, um am konkreten Beispiel zu bleiben, ist nicht nur Service, sondern wie Weihen früher immer betonte ein "Technologiekonzern".

Immer neue Zeitarbeiter einzulernen kostet zudem auch einiges.

Ich halte das Konzept von dem her nur teilweise für praktikabel - eigentlich nur bei Beratern, welche ausschließlich beim Kunden sind und damit quasi wie eine ausgeliehene/gemietete Ressource arbeiten, so dass sie nur noch das Logo auf dem Gehaltszettel mit dem eigentlichen Arbeitgeber verbindet. Allerdings könnte der Kunde sie dann ja auch direkt befristet engagieren oder beauftragen, anstatt über einen Konzern zu gehen, welcher sie auch nur als eine Art Zeitarbeiter hält. Sowohl der Berater als auch der Kunde würden dabei profitieren ... von dem her würde das Konzept vermutlich auch da platzen.

Martin Hiegl, 2007-05-07

Martin, du liest nicht. was habe ich gesagt weiter oben?

Cem Basman, 2007-05-07

Nachtrag: Martin, ich habe nicht theoretisiert. Ich kenne die Kalkulationen und die darausfolgendenden Schlüsse und Handlungen der Big Six ziemlich genau aus eigener Anschauung. Die Frage ist nicht ob "es" geht. Es wird ja schon längst gemacht.

Der Zug ist abgefahren. Endgültig.

Cem Basman, 2007-05-07

LEAN: "Layoff Every American Now". Kleiner Witz eines US-Kommentators.

IBM will angeblich in den kommenden Jahren in Indien sechs Milliarden Dollar investieren. Das sind bei 100.000 Dollar pro Person immerhin 60.000 neue Jobs - oder bei 60.000 Dollar Investition in einen Arbeitsplatz etwa 100.000 neue Jobs. Was passiert dann mit den anderen Mitarbeitern?

Auch ich finde die Zahl von 100.000 Entlassungen bizarr. Aber IBM hat sich aus Renditegesichtspunkten vom PC-Geschäft getrennt, einst eine heilige Kuh der Branche. Insofern ist ihnen alles zuzutrauen. Diese Woche sollen weitere Infos folgen.

Alexander Freimark, 2007-05-08

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