Treffer, versenkt

by Volker Weber

Täglich kommen hier Dutzende von Pressemitteilungen an. Manche belanglos, manche routiniert, manche interessant. Und ab und zu eine gut gemeinte, oder besser eine schlecht gemachte. Beispiel gefällig?

mapsolute1

Fehler #1: Die Mail geht an die falsche Adresse.

Fehler #2: Der Betreff ist total nichtsagend. Ich habe keine Ahnung, wer Mapsolute ist und warum mich eine Pressemitteilung von denen interessieren könnte.

Fehler #3: Der Empfänger wird nicht persönlich angesprochen.

Fehler #4: Die ersten beiden Zeilen der Mail enthalten zweimal die Betreffzeile, jeweils leicht paraphrasiert.

Fehler #5: Jetzt erst kommt der eigentliche Betreff, aufgespaltet in zwei Zeilen. Dann ist die Mail schon zu Ende und schließt mit dem Pressekontakt. (hier entfernt)

Fehler #6: Der eigentliche Inhalt steckt in einem Attachment. Attachments werden immer erst dann geöffnet, wenn man hinreichend neugierig ist. Das ist definitiv nicht der Fall.

Fehler #7: Das Attachment ist im .doc-Format. Viele Redakteure öffnen niemals eine unverlangt zugesandte Office-Datei.

Wir machen mal eine Ausnahme:

mapsolut2

Fehler #8: Rechtschreibung und Zeichensetzung sind miserabel.

Fehler #9: "Dabei bedeutet ...". Wobei?

Fehler #10: Die Word-Datei enthält ein möglicherweise brauchbares Bild. Allerdings nicht als Bild, sondern eben eingebettet in eine Word-Datei und nicht als brauchbare Datei.

Comments

Ach, das stand da drin? Ich bin nichtmal bis zum Öffnen der Mail gekommen, der DEL-Finger war schneller :-D

Stefan Rubner, 2007-06-14

@Stefan: Ging mir ähnlich ;-)

@Volker: Solche Meldungen kommen (leider) immer mehr!

Joerg Hochwald, 2007-06-14

Ich vermute eine Ursache des Problems ist, dass viele Leute davon ausgehen, der Empfänger habe:

a) Outlook (Express) und
b) dort die "Three Pane View" aktiv

In dem Fall kriegt er gleich die (in diesem Fall leider auch nicht vorhandene) Meldung zu sehen und ist weniger auf den Mail-Betreff angewiesen.
Da ich mir die Inhaltsvorschau aber nie anzeigen lasse muss man mich schon über den Betreff "fangen". Oder ein mir bekannter Absender sein. Alles andere kriegt per Default ein recht hohes "Tonnenkarma".

Stefan Rubner, 2007-06-14

Fehlt nicht noch:
"Fehler 11: Pressetext enthält keinerlei konkreten Informationen, die über gängige Schlagworte hinausgehen."

Wolfgang Wiese, 2007-06-14


Das ist noch besser:

Die IMHO peinlichste Presseerklärung des Jahres.

Torsten Kleinz, 2007-06-14

Ich stimme zu, dass dieser Scheiß zunimmt. Man müsste analog zu einem Spam-Filter einen PR-Filter haben, der diesen Schwachsinn eskamotiert. Ich habe mir diese Woche einen zugelegt, der die PR aller Firmen wegbaggern soll, die ein Hintergrundgespräch o.ä. in Second Life anbieten. Bis jetzt sind da sieben Firmen drin, vom Krauter bis zu Symantec.

Detlef Borchers, 2007-06-14

Hey, Torsten, bei Bode und Hildesheim kann ich nur an Karola Bode denken, die ehemalige Pressesprecherin von Compaq, die in diesen Amiga/Metabox-Sumpf nach Hildesheim wechselte, um ein revolutionäres Internet-TV-Format zu etablieren. Das ist natürlich nur eine Assoziation...

Detlef Borchers, 2007-06-14

Interessante und vor allem zutreffende Analyse, danke.

Jens-B. Augustiny, 2007-06-15

Fehler # 0 fehlt: Die e-Mail-Adressen aller Empfänger sind im To-Feld aufgeführt.


Man sollte mal eine FAQ machen, um ggf. Pressemenschen darauf verweisen zu können. Siehe auch http://www.heise.de/ct/Redaktion/ghi/retch/etc/AberglaubenII.html

Jo Bager, 2007-06-15

Ja ja, heutzutage erinnern sehr viele Texte, PR Mitteilung, etc. an den "Poeten" Andrej Andrejewitsch Markow :-D

Sebastian Grötsch, 2007-06-15

Sebastian, nettes Posting. Nur schade, dass PR-Leute es vermutlich nicht verstehen. ;-)

Philipp Sury, 2007-06-15

Ich glaube, ich habe es verstanden, obwohl ich unter die Rubrik PR-Leute gehöre (wobei auch Nicht-PR-Leute da wohl gerne mal Verständnisschwierigkeiten haben).

Ich mache natürlich auch einige der Fehler immer wieder, vor allem #1.
Zu #3 frage ich mich allerdings: Wollen Sie wirklich immer und bei jeder Pressemeldung persönlich angesprochen werden? Und warum?

Lars Basche, 2007-06-15

Herr Basche, ich halte PR-Leute nicht für minderbemittelt. Es kommt einfach vowe's Gesetz der konstanten Armleuchterquote zum Einsatz: in jeder beliebigen, ausreichend großen Gruppe ist der Anteil von Armleuchtern gleich hoch. Oder mit anderen Worten: Licht und Schatten gibt es überall.

Zu #3: Es hilft. Vor allem, wenn man "einfach so" Mails an Leute verschickt, die einen nicht kennen. Manchmal hilft es auch, wenn man Mails an Leute verschickt, die man gut kennt. Hier ein Beispiel.

Volker Weber, 2007-06-15

Bei Ihrem Beispiel stimme ich Ihnen voll und ganz zu. Bei "normalen" Pressemeldungen würde ich es allerdings als nicht unbedingt notwendig erachten. Ich denke mir, wenn es für Journalisten interessant ist, lesen sie es, wobei da natürlich wieder Ihre Fehler #0 bis 11 greifen und zusätzlich natürlich noch die sehr nette PR-Aberglauben-Liste von Herrn Bager

Und ich bin weit davon entfernt, die PR-Branche als ganzes zu verteidigen und komme gut mit solcher Art Kritik klar. Was meinen Sie, wie oft ich mich ärgere...auch über mich?

Lars Basche, 2007-06-15

PR-Leute sollten sich in der Ausbildung mal den Redaktionsalltag anschauen - wenn Sie als Redakteur im Gegenzug in eine schlechte PR-Abteilung kämen, würden Sie Folgendes sehen:
Eine Praktikantin bedient die Datenbank und schickt die übergroße Worddatei an über 400 Redaktionen aus einem der einschlägigen elektronischen Verzeichnisse heraus und hofft, dass alles bald durch ist, damit sie Feierabend machen kann.
Der, der den Text auf Geheiß des Chefs mittags noch schnell geschrieben hat, ist nämlich auch schon weg...
Aber hier nun der Lichtblick: zumindest in der Ausbildung lernt man: mehr als 50 Kontakte im Verteiler sind unseriös - vielleicht spricht sich das rum und die Agenturen machen sich wieder die Mühe der persönlichen Ansprache.

Karim Grundmann, 2007-06-15

Schade, dass das "von" weg-gexxt ist. Meine Favoriten sind die Pressemitteilungen, bei denen als Absender nur "Pressestelle" erscheint und ich beim Blick auf die Liste raten muss, von wem das kommt. Optimal ist dann der Absender "Pressestelle" mit dem Betreff "Pressemitteilung".

Thomas Wiegold, 2007-06-15

Mit Verlaub, Volker, aber wenn nun in der Mail zuvor noch ein "Sehr geehrter Herr Weber" gestanden hätte, meinst Du wirklich, Du hättest Dich "persönlich" angesprochen gefühlt???

Andererseits: Ich hab' mal für einen Call for Papers (Aufruf zur Einreichung von Beiträgen, klingt auf Deutsch einfach doof) für eine wissenschaftliche Konferenz solch eine Massenmail versenden müssen. Eine Hälfte der E-Mail Adressen hatte ich leider nur ohne strukturierte Adressaten-Informationen, d.h. ich konnte im Rundmail in der Anrede nicht per Formel auf Vor- und Nachnamen zugreifen. Die Mails mit pseudo-persönlicher Ansprache hatten eine signifikant höhere Rücklaufquote. Allerdings habe ich bei der anderen Hälfte auch mehr Infos als nur den Namen zur Personalisierung gehabt.

Ragnar Schierholz, 2007-06-15

stimmt, ist übrigens auch ein wundervolles Beispiel dafür, warum Pressemitteilungen bei Journalisten ein so negatives Image haben, wie auch die "PM2006"-Studie gezeigt hatte. Nur zählt dieses Beispiel noch zu den Light-Versions. Die letzte PM, die ich erhalten hatte, hatte noch dazu Fotos im Wert von 8 MB beigefügt. Tse tse ... was man damit wohl machen soll. Immerhin erhalte ich auf diese Weise immer neue Beispiele für die Studis, die ich in Fragen optimaler Online-Pressearbeit unterrichte ...

Dominik Ruisinger, 2007-06-16

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