Machst du dir Hottschpott klar

by Volker Weber

Ich müsste da noch mal auf die tolle Hottschpott-Seite der Telekom zurückkommen.

Wie wir diese Woche überall lesen konnten, ist das ja noch nicht so doll mit den Hotspot-Umsätzen. Und da das ja nicht an dem tollen Produkt liegen kann, und man ja auch aufpassen muss, dass man sich die Umsätze in 3G-Netzen (UMTS) nicht kaputt macht, darf man ja an den Preisen auch nicht so viel drehen.

Nun würde die Telekom ja gerne den DSL-Kunden das Privileg schmackhaft machen, 3 Stunden kostenlos solche Hotspots zu nutzen, oder genauer, nicht so ganz kostenlos, sondern für 9,90 EUR im Monat. Also die Stunde zu 3,30 EUR, wobei natürlich die nicht genutzten, aber bezahlten Minuten vergessen werden. Will man mehr als drei Stunden, dann kostet das nur 6 ct die Minute, oder eben 3,60 die Stunde, was ziemlich nah an den nicht so ganz kostenlosen ersten drei Stunden liegt.

Jetzt ist es ja gar nicht so besonders schwer, Hotspots "für umme" zu nutzen, indem man einfach mal Ausschau nach gastfreundlichen Netzen hält. Das klappt überall da ganz gut, wo freundliche und ahnungslose Mitmenschen wohnen, aber eben nicht da, wo sie arbeiten oder verreisen.

Und da kommt jetzt der bekanntlich kostenlose erste Schuss zum Einsatz. Also, die Telekom stellt sich das so vor: Man registriert sich auf der supercoolen Webseite, und dann checkt man mal das Surfen für eine Stunde. Und danach zahlt man dann.

Muss man aber nicht. Man kann sich ja einfach noch einen ersten kostenlosen Schuss holen. Und danach noch einen, etc. Einfach registrieren. Dazu denkt man sich 'ne schicke Kennung aus, also etwa a54d9 und die kopiert man dann noch mal schnell in die drei nächsten Felder, hängt sich hinten ein @mailinator.com an, erste Checkbox aus, zweite an und ab dafür. Dann noch die Captcha-Abfrage auf der nächsten Seite eingeben und zuletzt den Pass anfordern. Aufwand: weniger als 1 Minute. Benutzername und Passwort holt man sich dann bei Mailinator ab.

Und damit die Telekom sich ganz arg freut über den tollen Erfolg dieser Aktion, müsst Ihr jetzt alle ganz fleissig registrieren. Und weitersagen, damit das auch alle anderen Freunde so machen. Und dann hat die Telekom ganz viele, ganz coole Typen registriert. Echt super, was?

Nur mit den Umsätzen ist das dann immer noch nicht so doll. Und dann bereitet wieder jemand drei neue Umschläge vor.

PS: Ab jetzt wird zurückgeduzt. Welcher Trendscout hat Euch eigentlich erzählt, dass coole Kids an Flughäfen oder in Hotels rumhängen und da mit ihrem Rechner surfen wollen? Die haben doch Handys und werden schon mit SMS und Klingeltönen abgezockt. Wenn Ihr mich mal fragt: Eure Kunden sind Geschäftsleute, die schon wieder auf 'nen Zug warten, oder auf den Flieger. Und solange die P0rn0s im Hotel billiger sind als Eure Internet-Zugänge, wird das auch nix. Check?

2004-06-04 :: email :: bookmark :: digg

Comments

Mir ist nicht ganz klar, was die teilnehmenen 'Locations' davon haben. Die könnten das doch genauso gut alleine anbieten, wegen mir auch über Telekomleitungen, aber außerhalb des Hotspot-Programms.

Aber davon abgesehen: an den Orten, an denen ich mein Notebook mit Internetzugang brauche, habe ich den auch. Ob zu Hause, beim Kunden oder im Hotel. Und in einigen Restaurants auch.

Aber egal, die Telekom hats ja ;)

Ich denke, die 'Locations' können sagen: "Wir bieten ihnen WLAN an" und müssen sich nicht um Abrechnung, Installation, Sicherheit und so etwas kümmern. Davon haben nämlich die meisten Hotelmanager und Kneipenwirte überraschenderweise keine Ahnung :)

Ich kenne Kneipenwirte, die reißen den T-Com Hotspot aus der Halterung, weil ihnen der das eigene WLAN stört. ;-)

Aber was anderes: in den Staaten kriegen die das doch auch hin. Wenn man sich da die Cafes und Plätze mit Hotspot anschaut, die werden eifrig genutzt. Nicht nur von Geschäftsleuten, sondern auch z.B. von Studenten, die dort ihre Hausarbeiten/Lernerei machen und nebenbei den Online-Zugang nutzen. Davon gäb's hier auch genug. Nur eine Kostenfrage wahrscheinlich. Versteh mal einer die Telekom.

Die Frage, die sich mir allerdings bei der Nutzung der privaten, wahrscheinlich nicht ganz beabsichtigten Hotspots stellt, ist eine rechtliche. Das Anbieten von Funknetzwerken über Haushaltsgrenzen hinaus ist AFAIK zumindest bei der RegTP anmeldepflichtig. Und mache ich mich nicht strafbar, wenn ich einen solchen Zugang nutze? Und was ist, wenn ich illegale Aktivitäten darüber abwickle?

In USA gibt es auch einige vernünftige (Flat-)Tarifmodelle. Dann geht das auch. Oder die Nutzung ist gleich kostenlos.

Die "illegalen Aktivitäten" werden gerne von Ablasshändlern ins Feld geführt. Dabei erscheint gerade ein offener AP als Verteidigungslinie interessant. Was weisst Du denn, wer da bei Dir eingebrochen ist. Dumm nur, wenn neben dem AP noch Rechner am Netz sind. Die würden im Rahmen einer Untersuchung erst mal aserviert.

Ich könnte von meinen 5GB Flatrate auch gerne so 1GB der Öffentlichkeit spenden; das ich's nicht tue, liegt einfach an ein paar recht trivialen Problemen:

1) Ich habe keine Lust, die Sicherheit meines internen WLAN jedem zu opfern. Also bräuchte ich einen zweiten AccessPoint, den ich zu diesem Zweck aufreißen kann.

2) Dieses öffentliche WLAN müßte gegen meinen Internet-Zugang mit einer eigenen Firewall-Instanz gegen den gröbsten Unfug absichert sein.

3) Da beide WLANs sich einen gemeinsamen Zugang teilen, müßte der öffentliche Teil über eine Volumenbegrenzung kontrollierbar sein, absolut oder im Verhältnis zum mir noch zur Verfügung stehenden Freivolumen.

4) Ebenfalls notwendig: Eine Bandbreiten-Vorrangschaltung für das interne WLAN.


Im Grunde wär's das schon. Ein bischen Zusatzhardware und Firmware. Eigentlich nicht schwierig und vor allem nicht allzu teuer, als Standard-Seriengerät. 50 EUR Aufpreis vielleicht, alles in allem. Das wär mir der 'soziale Touch' durchaus wert.

Klar kann man sich sowas auch aus Einzelkomponenten zusammenstückeln. Aber das wird viel teurer und bedeutet viel mehr Aufwand.

Shared WLAN an jeder Ecke - das ist jedenfalls meine Überzeugung - werden wir erst dann haben, wenn eine solche soziale Option schon eingebaut ist oder einfach mit einer Minicard nachgerüstet werden kann.

Wolfgang, wir haben shared WLAN an jeder Ecke. Treibstoff ist nicht etwas die von Dir beschriebene Lösung, sondern vielmehr komplizierte Technik in der Hand überforderter Menschen. Lesetipp: c't nächste Woche.

Klingt nicht uninteressant, aber definitiv müsste diese Option per default deaktiviert sein und von den Herstellern explizit so kommuniziert werden.
Die Vorgehensweise für den DAU alles so einfach wie möglich zu konfigurieren (bspw. in jedes DSL Modem einen offenen und aktivierten WLAN AP zu integrieren) halte ich hier für noch fragwürdiger als es ohnehin schon ist.

Just my two cents,

Ragnar Schierholz, 2004-06-04 12:12

Für den DAU wäre das evtl. sogar die bessere Lösung. Statt einem einzigen per default offenen WLAN, über das jeder in die private Umgebung "einbrechen" kann, ist das offene vom internen Netz getrennt. Das interne wird dann per default dicht gemacht.

Das Problem ist ja nicht nur die Fremdnutzung der DSL-Leitung, sondern auch der unauthorisierte Zugriff auf den eigenen Rechner. Wir haben schon ganze Word-Doc-Sammlungen gefunden...

Lesetipp übrigens ist auch die c't dieser Woche, Seite 186: "Risiken beim Teilen von Internet-Zugängen"

zu den "illegalen Aktivitäten": Die Rechner sind ja auf jeden Fall weg, egal ob das WLAN offen ist, oder nicht, aber der Nachweis, dass ich der böse Filesharer war fällt wohl sehr schwieriger aus. Insofern würde ich die Chance höher bewerten, dass ich meine Rechner eines Tages wiederbekomme (vorausgesetzt, sie finden nix böses).

zu den Sicherheitsproblemen: Mit z. B. einem Linksys WRT54g kann man ein VPN aufsetzten, und die Firewallregeln so setzen, dass "Draussen" nur Zugriff auf den WAN-Port bekommt, VPN-Teilnehmer wiederum den vollen Zugang, und auch die Bandbreitenpriorisierung wäre so machbar. Das ist aber in der Tat nicht Trivialwissen.

Volker, Du hast wohl recht (allerdings nicht, was die Häufigkeit von WLANs hier im Vorort betrifft). Die Dinger sind vom Konfigurationskomfort einfach noch nicht ausgereift.

Daß ich zB meinen Draytek 2500 mit neustem Firmware-Update ohne Router-PW und WEP drahtlos konfigurieren kann könnte, ist einfach nur ... lustig?

Auch so wichtige Sachen wie regelmäßige Schlüsselrotation gehören endlich mal vernünftig von einem zentralen Utility aus unterstützt.

Wolfang, es gibt mittlerweile recht gute sog. MeshCubes, die genau das machen was Du ansprichst. Jemand möchte ein wenig seines Internetzuganges per WLAN anderen zur Verfügung stellen. Das soll aber eben sicher sein und das eigene Netzwerk unabhängig und abgeschert weiterlaufen. Auch der Administrationsaufwand sollte gering bleiben.
Man stellt sich diese Kiste zuätzlich zu seinem DSL Anschluss hin (da kann ruhig das eigene WLAN nebenbei laufen) und die Konfiguration läuft auf dieser "Kiste" Näheres dazu auch unter dem Stichwort meshing oder z.B. bei http://www.meshcube.org/ oder unter http://www.freifunk.net:8080/freifunk/wiki/Meshing
Solche Meshes gibts schon in Berlin und soweit ich weiss in hanover. In FFM wollen wir sowas auch aufbauen.

eine anmeldung in der "world of hot spott" gibt jetzt gleich 10x60 freie wlan minuten, also 10 mal zugangsdaten.
danke t-mobile. wird ja immer besser!

hallo. eine anmeldung bei der "world of hot spott" gab mir bei der registrierung von mir und einem "freund" zweimal die gleichen Logindaten. Die scheinen also irgendetwas mit ihrer Registrierung geändert zu haben. Liegt das nur an mir, oder kann jemand anderes das bestätigen ?

Funktioniert prima mit der Gastkennung. Allerdings bekam ich nix auf eine Mailinator-Adresse geschickt. Ob die wohl danach filtern?

Auf jeden Fall eine feine Sache zum Ausprobieren (habe meinen mobilen Computer noch nicht so lang).

@Markus: Jupp! Die Filtern den Mailinator schon seit einiger Zeit. Aber gibt ja auch andere Möglichkeiten ;-)

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