Nachtrag: Der Schwiegersohn

by Volker Weber

Cem schrieb vor vier Monaten unter dem Titel "In welcher Branche sind wir eigentlich" über die bemerkenswerten Wandel eines kleinen deutschen Lampenherstellers zu einem Unternehmen von Weltgeltung. [Unbedingt erst lesen, wenn Ihr Euch nicht erinnert]

Gestern schrieb dann die Hauptperson dieser Geschichte einen Kommentar und heute noch eine E-Mail, die er ausdrücklich zur Veröffentlichung freigibt:

... lassen sie mich noch auf den text den sie im internet geschrieben haben und den ich gestern per zufall entdeckte zurückkommen. ich möchte ihn etwas genauer sehen und erzähle ihnen kurz die geschichte wie sie sich seinerzeit entwickelte.

1963 wurde ich schwiegersohn von arnold reininghaus dem gründer von erco. seine reizvolle tochter war das einzige kind meiner schwiegereltern. somit gab es eine offene nachfolgefrage für das unternehmen. schwiegervater reininghaus liess keine zeit verstreichen und bot mir einen job für 4 jahre um herauszufinden ob ich mich für das unternehmen eignete und umgekehrt ob ich in dem unternehmen meine erfüllung finden könnte. wir haben nie wieder darüber gesprochen und aus den 4 jahren wurden 40 jahre.

1967 wurde der erste lehrstuhl für marketing an der universität in münster von prof. meffert gegründet. die frage damals war, was ist eigentlich marketing. eine zeitschrift schrieb, um den sachverhalt zu erklären, am beispiel der ofenbauer, zitat: " wenn die alten ofenbauer begriffen hätten, dass sie wärme und nicht schön bemalte kachelöfen verkaufen, wären sie heute noch im geschäft." d.h. die wandlung vom ofenbauer zum zentralheizungsindustriebetrieb wäre möglich gewesen. aber paradigmen zu wechseln ist nicht einfach.

mich hat dieses beispiel angeregt zu der erkenntnis, dass erco "licht statt leuchten" verkaufen müsse. das bedeutete weg von der dekorativen, schönen lampe hin zum lichtwerkzeug, das für eine spezielle aufgabe hin entwickelt wurde. für die konsequente umsetzung dieser überlegung in den bereichen kommunikation, design, werbung etc. erhielt erco 1980 den deutschen marketingpreis in hamburg. überreicht von prof. meffert.

soweit die geschichte im mp3 format. wenn sie mögen können sie den text benutzen.

beste grüsse aus dem sauerland

klaus jürgen maack

Besonders bemerkenswert fand ich übrigens diese Stelle: "seine reizvolle tochter war das einzige kind meiner schwiegereltern. somit gab es eine offene nachfolgefrage für das unternehmen." Heute würde sich diese Frage sicher viel weniger stellen als vor 43 Jahren. ;-)

Comments

Tolle Geschichte! Der wahre Mittelstand ist Personen (Familien-) getrieben. Und das ist auch gut so!

Wunderbar. Als ich dies las, war ich richtig gerührt. Eine schöne Firmengeschichte, und auch eine schöne Familiengeschichte. Erzählt von einem Mann, der nach all den Jahren das Wort "reizvoll" für die Tochter seiner Schwiegereltern verwendet - und sich heute nebenbei mit dem Phänomen der Blogs aktiv auseinandersetzt.

Und er beschäftigt sich nicht nur mit Blogs, sondern auch mit MP3: http://kisd.de/uploads/media/discussion_dm_maack.mp3

Torsten Otto, 2006-07-24 10:22

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