Updates für den Ogo a.k.a. 1&1 PocketWeb

by Volker Weber

pocketweb.jpg

Ursprünglich hatte ich vor, einen Beitrag über PocketWeb-Updates für den Heise Newsticker zu schreiben, aber dann ist mir ein Kollege zuvorgekommen. Ich habe noch einige Hintergrundinformationen, die nicht in der Pressemitteilung standen, und die ich nun auf diesem Wege verbreiten möchte.

Vorab sollte ich vielleicht sagen, warum ich mich so für diese Lösung interessiere. Erstens hat 1&1 als erster Anbieter ein mobiles Gerät mit Flatrate auf den Markt gebracht. Dazu musste ein ISP mit einem Mobilfunkbetreiber zusammenarbeiten und ein Gerät auf den Markt bringen, das hinreichend geschlossen ist, dass sich vorab abschätzen ließ, wieviel Übertragungsvolumen generiert wird. Zweitens hat 1&1 hier eine Plattform, die einfach zu managen und auch noch "im Feld" zu aktualisieren ist. Software-Updates und zusätzliche Features lassen sich zentral einspielen. Niemand muss sein Gerät neu flashen, neue Funktionen gibt es nicht nur in neuen Geräten, sondern auch in allen bereits verkauften, der Anwender wird damit keine Sekunde belästigt. Selbst Blackberrys können das nur eingeschränkt. So kann man meines Wissens keine neue Firmware auf das Gerät schieben.

Nächste Woche wird 1&1 also ein Update auf den Geräten installieren, das eine kleine Funktion nachrüstet. Ab dem 8. August kann man als Anhänge nicht nur Bilder sondern auch Text und PDFs betrachten. Und das ist nur der Anfang. Aktuell wird bereits das nächste Update geplant, das eine Synchronisation der PIM-Daten (Adressen, Termine, Aufgaben) ermöglichen wird. Robert Hoffmann, Produktmanagement-Vorstand bei 1&1, verspricht darüber hinaus auch Instant Messaging auf diesem Gerät noch im Laufe dieses Jahres.

Dieses Update wird es nicht kostenlos geben (können). In einem Hintergrundgespräch mit Andreas Gauger, 1&1 Vorstandssprecher, habe ich erstmals ein Gefühl dafür bekommen, wie hoch die Lizenzgebühren sind, die zum Beispiel Microsoft für die MSN-Nutzung verlangt. Ich hatte das Thema schon mal bei IBM angeschnitten, als es um die Verbindung von Sametime mit AOL, Google Talk und Yahoo ging. Während IBM vollständig mauerte, nannte Gauger konkrete Zahlen. Wir haben uns aber darauf geeinigt, von "überraschend hohen" Gebühren zu sprechen. Es ist also keineswegs so, dass 1&1 lediglich eine andere Firmware liefern muss, die eine entsprechende Software für Instant Messaging enthält.

Wie kann 1&1 mit diesen Bedingungen umgehen? Meiner Ansicht nach können sie nur ein optionales Pauschalangebot machen, das alle viereinhalb aktuellen Netze beinhaltet (AIM/ICQ, Google Talk/Jabber, MSN, Yahoo). Jedes Netz einzeln abzurechnen ist viel zu aufwändig. Auch wenn noch keine konkreten Zahlen genannt wurden, schätze ich, dass sich der monatliche Preis des PocketWeb damit um 50% verteuert. Ich halte das für ein deutlich besseres Angebot als das aktuelle Optionspaket mit 100 freien SMS.

Ein wünschenswertes Update kann 1&1 übrigens nicht over the air liefern. Dem PocketWeb fehlt ein Mikrofon. So muss man ein Bluetooth-Headset verwenden, wenn man telefonieren will.

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Comments

Zumindest Jabber (und damit auch Google Talk) könnte man durchaus auch jetzt schon ausliefern. Eine nicht geringe Anzahl Nutzer arbeitet ohnehin mit mehreren Programmen, oder einem Multiprotokollmessenger. Genaugenommen kenne ich (auch in meinem "normalen" -nicht technikaffinen- Bekanntenkreis) nur noch zwei Nutzer, die lediglich in ein Netzwerk nutzen.

Wenn 1&1 den Nutzern dann auch noch eine schicke 1&1 Domain in der Kennung verpasst, hat man auch gleich einen netten Werbeeffekt. Und für die preislich höherwertigen Produkte bietet man die Möglichkeit die eigene Domain als Kennung zu verwenden. Und schon hat man einen veritabler Kundenvorteil geschaffen, den sonst niemand anbietet.

Ist das Interesse nicht auch auf das Notes-Workspace-ähnliche GUI zurückzuführen? Ein Kunde nannte das mal "grauen Kacheln" ;-)

Moritz Schroeder, 2006-08-05 14:59

In diesem Kontext: T-Mobile hat die Preise fuer die BB-Option auf 4,95 gesenkt!
http://www.blackberry-forum.de/YaBB.pl?board=8383;action=display;num=1154446119

Vielen Dank für diese Hintergrundinformationen zum Update und zur Messenger-Thematik. Was ich nicht ganz verstehe ist, warum bei "direktem Softwarezugriff" Lizenzkosten entstehen, diese sich aber bei einem Zugriff mittels Web-Frontend umgehen lassen?

Könnte man nicht einfach eine zweite Browserinstanz installieren, über die dann die bekannten mobilen Messenger-Seiten angesprochen werden können?

Und wie schaffen es die Schweizer dann, die Messenger-Dienste bei ihren knapp 13 Euro inclusive anzubieten? Oder macht das der verminderte Traffic aufgrund des fehlenden Browsers finanziell wieder wett?

Ich denke, dass viele der Web-Frontend-Betreiber das ganze Thema sehr naiv angehen. Das gilt auch für die Leute, die Jabber-Konnektoren betreiben. Der Zugang zu den Netzen von AOL, Microsoft und Yahoo ist nicht "frei", auch wenn die Betreiber diesen Dienst an ihre Kunden ohne Zahlung einer Gebühr abgeben.

Die Schweizer können aber mit dem Gerät nicht telefonieren und haben auch keinen Webbrowser...

Ansonsten danke ich Herrn Weber für diesen aufwändigen Artikel, ich selbst finde das Gerät ziemlich gut, v.a. in Anbetracht des Preis-/Leistungsverhältnisses.

Gruß

Mathias Ziolo, 2006-08-05 18:37

Oh, das mit dem telefonieren war mir entgangen - das nutze ich aber auch in Deutschland derzeit nicht, obwohl ich ein Bluetooth-Headset mein eigen nenne.

Noch einmal zu der geplanten Synchronisation der PIM-Daten. Wurde dabei erwähnt, wie das vonstatten gehen soll? Fiel das Stichwort SyncML?

Unbedingt mal das lesen.

> Bis zu 500 Kontakte können Sie speichern – Platz genug für Familie, Freunde, Geschäftskontakte.

Nicht für mich. Auf meinem SE P910 habe ich mehr als 2000 (Geschäfts-)Adressen und die will ich da auch haben.
Ich verstehe wirklich nicht, warum die meisten dieser Geräte derartig mit Speicherplatz für Adressen knausern. Als ob Adress-Speicher teurer wäre als Speicher für Bilder ...

Die Schweizer Swisscom Mobile bietet eine eigene Variante des Ogo an. Mit dem Gerät kann man zwar SMS versenden und im MSN chatten, aber m.W. weder im Web surfen noch telefonieren. Das Angebot richtet sich aber auch in erster Linie an Jugendliche. Warum es da kein Business-Angebot von gibt, verstehe ich nach diesem Beitrag um so weniger.

Zur Lizenz-Thematik bei den verschiedenen IM-Diensten: Wie machen denn die verschiedenen Gateways für Jabber-Clients das? Könnte 1&1 da nicht "einfach" einen Jabber-Client ausliefern und Gateways für die anderen Dienste anbieten?
Ich dachte bisher immer, die melden sich einfach im Namen des jeweiligen Benutzers als Pseudo-Client beim jeweiligen Dienst an. Das liesse sich natürlich relativ leicht filtern, wenn da von einem Rechner zig User eingeloggt sind (ok, könnnte auch ein Corporate Proxy sein). Daher dachte ich, das sei geduldet und diese Client Wars seien vorbei. Offenbar hab' ich mich da getäuscht.

Ragnar: Jabber ist ein offener Standard, veröffentlicht als RFC im STandards Track der IETFS, et al. Insofern sollte diesbezüglich die Lizenzfrage auf den User "abgeschoben" sein.

Volker: Das Ding ist irgendwie nicht hübsch. Mir scheint, dass die Designer es irgendwie hassen gelernt haben, vielleicht deshalb auch die Notes-Kachelwand-Analogie.

/me hat eine neue Tastatatur ;-)

Nun ja, es ist jetzt da das angekündigte Update. Nach wenigen Minuten stellt man den ersten Übersetzungsfehler fest "GPRS Status: Available". Dann bemerkt man, dass der Warmstart mit der Tastenkombination "Q"+"ENTER" nicht mehr möglich ist. Das Problem mit nicht angezeigten Mails - teilweise kamen E-Mails nur als "????" an - wurde genauso nicht behoben. Meine T-Com-Rechnung wird auch nicht angezeigt, nur eine leere Mail wird vorgegaukelt...

Einen persönlichen Proxy kann ich auch nicht mehr angeben, dabei dachte ich, die Zeiten, als Provider Zwangsproxies vorschalteten wären vorbei...

Fazit: Anstatt ein solides Update herauszubrigen, hat 1&1 nur wenige optische Veränderungen vorgenommen (welch Freude, ich kann nun auch das Logo von GMX und Web.de auf dem Ogo bewundern), die Plattform weiter geschlossen (Proxy) und bekannte Probleme nicht behoben (E-Mails werden als ???? angezeigt). Eindeutige Bewertung deswegen: nicht empfehlenswert und starker Minuspunkt für 1&1. Das passiert also, wenn Kundeninteressen unbeachtet bleiben und halbfertige Beta-Versionen im Sinne des Unternehmens gefördert werden...

Mit freundlichen Grüßen

Mathias Ziolo, 2006-08-08 11:06

Ich habe nun auch gerade mein "Update" erhalten und bin nicht wirklich "Begeistert"...

Von einen Update, das 2 Monate nach dem letzten Update veröffentlicht wird, hätte ich mehr Bug-Fixes erwartet!

-> Der Browser unterstützt noch immer nicht die einfachsten Standards! Javascript? CSS? Frames? Speichern von Anmeldeinformationen?
-> Ne PDF als Text anzuzeigen ist ja ganz "niedlich", aber da schau ich mir lieber die in HTML umgewandelte Version bei GOOGLE! an...
-> Ist es so schwer, Links in E-Mails "klickbar" zu machen???

Und die Krönung des ganzen: ZWANGSUPDATE! Ich konnte dem Update nicht mal widersprechen!!!
Super gemacht 1u1! Ihr seid Helden!

George Miller, 2006-08-08 12:39

Ich habe mir diesen Thread im Ogoforum mal durchgelesen. Derzeit scheint mir die Lage noch etwas unklar und vor allem "aufgeregt" zu sein. Dennoch erkennt man einige wiederkehrende Probleme:

Interessant finde ich die Geschichte mit der GPRS-Verbindung (ständig verbunden oder unterbrochen). Ich werde mal versuchen, mehr herauszufinden.

Hallo Volker,

ich kann leider nicht verstehen warum der Proxy von Dir als Feature
angepriesen wird. Ich und viele andere Ogo User sehen das ganz anders.
Würde die Möglichkeit bestehen den Proxy von 1&1 wahlweise in den
Einstellungen zu nehmen oder ohne zu surfen so wäre es mit Sicherheit
ein Bonus, aber so nicht. Man hat keinerlei Chancen ohne diesen
Zwangsproxy zu surfen. Viele haben sich auch für den Ogo entschieden,
weil eben nicht gefiltert und aufbereitet wird, wie es bisher bei anderen
Lösungen Blackberry und Co. der Fall ist.
Es mag sein, daß der Proxy in der Lage ist einige Seiten für den Ogo zu
optimieren, die Ladezeiten haben sich aber definitiv nicht verbessert.
Außerdem wird durch einen ständigen Wechsel der Proxies während einer
Online Sitzung, der User gehindert andere Anwendungen, welche auf feste IP's angewiesen sind zu verwenden. Dies ist sicher kein Zufall, sondern Absicht.

Roland Wondrak, 2006-08-08 16:21
Dies ist sicher kein Zufall, sondern Absicht.

Ich versuche bei solchen Aussagen immer mir vorzustellen, welchen Vorteil man sich mit dieser Absicht verschaffen könnte. Glaubst Du, 1&1 müsse den Traffic der PocketWebs gegenüber ihrem Backbone mit einem Proxy abfedern? Oder ist die Absicht, das Gerät schlechter nutzbar zu machen?

Glaubst Du, 1&1 müsse den Traffic der PocketWebs gegenüber ihrem Backbone mit einem Proxy abfedern? Oder ist die Absicht, das Gerät schlechter nutzbar zu machen?

Sicherlich beides in erster Linie und erst in zweiter Linie eine Optimierung
der Dartstellung.
Welchen Vorteil man davon hat?
Die Unterbindung des ungewünschten Traffics d.h. Messenger Nutzung
sowie andere spezielle Dienste wie WAP Remote. Es sieht nun mal so
aus, als ob die Verantwortlichen bei 1&1 welche den Pocket Web aus
dem Boden gestampft haben, keine Ahnung von den Möglichkeiten des
Internets haben und des dadurch aufkommenden Traffics.
Jetzt nachdem man sich verkalkuliert hat, wird zurück gerudert.

Roland Wondrak, 2006-08-08 18:24
keine Ahnung von den Möglichkeiten des Internets haben

Danke, das reicht mir als Erklärung.

*schmunzel*
Interessant wäre es dennoch, wenn sich I&1 äussern würde, was nach ihrer Ansicht für den "Zwangsproxy" spricht. Auch die GPRS-Verbindung war vorher deutlich stabiler weil dauerhaft. Die Frage ist, ob hier Kosten- oder Kapazitätsgründe im Vordergrund standen, ob hiermit Akkulaufzeiten erweitert werden sollen oder welchen Vorteil eben 1&1 davon hat. Auf der Nutzerseite wirkt es sich zumindest auf den ersten Eindruck hin nachteilig aus.

Ich habe eine entsprechende Anfrage gestellt. Mal gespannt, was ich erfahre.

@ Volker,

dann bin ich froh wenn Dir das Erklärung reicht. Ich weiß, daß sich das
nicht sehr plausibel anhört, aber den Eindruck hat man leider doch.
1&1 hat sich bereits mit DSL Flatrates am Anfang deutlich verkalkuliert
und dann auch einige Poweruser gekickt und verschiedene andere Dinge
eingeführt wie zeitweise Portsperren für Filesharing. Nachdem die Konkurrenz nicht nachgezogen ist, konnte sich 1&1 diese Spielchen nicht mehr leisten.
Im Bereich Pocket Web ist die Konkurrenz zur Zeit noch sehr dünn gesäht.

Ich kann mir auch schon vorstellen, was Du auf die Anfrage für eine Antwort
erhältst. "Dies geschieht nur um dem Kunden einen maximalen Komfort bei Surfen im Mobilen Web zu ermöglichen".
Das ich nicht lache.
Die geben doch nicht zu, daß sie sich Einsparungen beim Traffic erhoffen.

Erwartest Du in allem Ernst eine ehrliche und neutrale Antwort. Du kennst
die Strategien die dieses Unternehmen verfolgt mindestens genau so gut,
wie ich.

Roland Wondrak, 2006-08-09 01:31

Leider wurde mein letzter Post etwas verstümmelt. Folgendes ist irgendwie
verloren gegangen.

Mich würde interessieren, ob Du den Pocket Web nur als Testobjekt verwendest,
oder ernsthaft damit arbeitest. Die Frage stelle ich deshalb, da alle Schwierigkeiten
im Bezug auf dieses Thema immer relativ cool an Dir abprallen.
Ich persönlich verwende den Ogo beruflich und würde ihn auch gerne mehr aktiv nutzen. Leider ist er momentan in einigen Dingen zu unzuverlässig.

Roland Wondrak, 2006-08-09 01:34

Roland, wir passen nicht zueinander. Einstweilen kannst Du vielleicht mit der Annahme leben, dass ich nicht ganz so blöd bin, wie es den Anschein haben mag.

>>Interessant finde ich die Geschichte mit der GPRS-Verbindung (ständig verbunden oder unterbrochen). Ich werde mal versuchen, mehr herauszufinden.

oder

>>Ich habe eine entsprechende Anfrage gestellt. Mal gespannt, was ich erfahre.

Und schon was erfahren? Danke fuers schlau machen.

Peter Schneble, 2006-08-11 09:05

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