Mal so richtig krachen lassen

by Volker Weber

Mal so richtig krachen lassen, das befreit. In diesem Falle behinderte und schwer kranke Kinder, die mit der "Hoppetosse" über das Wasser fegen. Der Verein Wings for Handicapped hat mit Sachspenden ein Boot aufgebaut: 250 PS Außenborder von Suzuki, Zugfahrzeug von Mercedes Benz, Boot von Osprey, Sitze von Recaro etc. Damit fährt der Herr links im Bild, selbst seit gut zwei Jahrzehnten auf einen Rollstuhl angewiesen, behinderte Kinder über's Wasser, um ihnen mal ein Erlebnis zu verschaffen, das ihre Grenzen durchbricht. Als aktiver Sportler hat er bereits in der Basketballmannschaft an der Behinderten-Olympiade teilgenommen, 2001 hat er den Bootsführerschein erworben und sich auf Vorstandsebene Unterstützung für dieses Projekt geholt. Während wir uns noch unterhielten, kamen zwei Herren von Rolls Royce mit dem Geldbeutel in der Hand, um zu spenden. Ich habe nicht weiter zugehört, aber ich glaube, da entwickelt sich noch mehr als eine kleine Spende.

Manchmal sind es die kleinen Dinge, die einen erfreuen.

Comments

Er ist an den Rollstuhl gefesselt? Warum hast Du ihn nicht losgebunden? ;-)

Im Ernst: Das ist eine, insbesondere von Journalisten, inflationär benutzte Formulierung, gegen die sich viele Rollstuhlfahrer wie ich wehren. Zu der Information "Der Mann sitzt im Rollstuhl" wird mit der Formulierung "an den Rollstuhl gefesselt" gleich die Bewertung mitgelierfert: Ist alles ganz schlimm. Und das ist einfach nicht richtig.

Der Rollstuhl sichert mir meine Mobilität, er gehört zu mir. Er gibt mir Freiheit und ermöglicht mir die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Niemand würde von sich behaupten, er sei an sein Auto gefesselt. Und trotzdem sind viele Leute darauf angewiesen. Die meisten finden das aber ganz normal - so wie ich es normal finde, auf einen Rollstuhl angewiesen zu sein.

Christiane Link, 2005-09-15

Guter Hinweis, Christiane. Ich habe das gleich geändert. In der Tat habe ich diese Formulierung ohne Nachdenken benutzt. Vermutlich, weil ich sie zu oft gelesen habe.

Volker Weber, 2005-09-15

Danke für den Blick aufs Wesentliche und den Hinweis auf den Verein. Geht viel zu oft verloren im alltäglichen Leben und Arbeiten. Mal gucken ob das was für Weihnachten ist, Spenden statt Kundengeschenken ...

Frank Mueller, 2005-09-15

Auch ich musste feststellen, dass Außenstehende eine Behinderung als Behinderung ansehen und dabei übersehen, wie Betroffene sich selbst sehen. Wie im Beispiel gezeigt kann man mehr "auf die Beine stellen" als man selbst vielleicht lange vorher mal ahnte. Ich wünsche dem "Bootsfahrer" sowie "seinem" Verein noch viele "Rolls-Royce-Begegnungen".
"Manchmal sind es die kleinen Dinge, die einen erfreuen."= und die teilweise übersehen werden.

Dagmar Winter, 2005-09-15

Nett waere doch ein Hinweis wo man den jungen Herrn und sein Boot auf der IAA findet.
Vielleicht sind nicht alle Geldbeutel so gefuellt wie die von Rolls Royce, aber die Masse machts in dem Fall.

Benjamin Mischke, 2005-09-15

Vor dem linken Eingang der Halle 3 zwischen BMW und Forum.

Volker Weber, 2005-09-15

Danke fürs Ändern. :-)

Christiane Link, 2005-09-15

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