Geht mir seit Tagen durch den Kopf

by Volker Weber

Seit 2001 veralteter Ösi-Witz:

In einem deutsch-österreichischen Grenzort tritt jemand an den Bankschalter, hält sich die Pistole an die Schläfe und ruft "Geld oder Leben". Darauf hin der Bankangestellte: "Sie hätten's bestimmt gern in Schilling".

Auf einmal wird der wieder aktuell. Nur heisst der letzte Satz jetzt: "Sie sind bestimmt bei der Bahn".

Comments

Ja, gerade jetzt woh ich mich ans Bahnfahren gewöhnt und bald den bahn comfort Status erreicht habe, fangen die an das Mas zu verlieren. Wird wohl wieder erst mal wieder viele Richtung Auto treiben wenn die Lokführer wirklich streiken.

Franz Mattes, 2007-07-20

Ich muss zugeben, ich kann die Lokführer verstehen. Gestern (ich glaube, es war in 'Kontraste') hatte ich gehört, die haben etwa 2k brutto. Dafür aber Schichtdienst und die Verantwortung für Hunderte Menschen. Heute morgen wurde im Morgenmagazin erst gesagt, eine Regionalbahn hat ein Auto geschrotet (ok, der Autofahrer war wohl selbst schuld, aber trotzdem...), es gab 4 Tote. Für das Geld möchte ich den Job auch nicht machen. Und: Piloten werden auch wesentlich besser bezahlt als Flugbegleiter oder Bodenpersonal. Warum also sollen Lokführer das selbe Gehalt haben, wie z.B. Zugbegleiter oder Bahnhofspersonal?

Andererseits stimmt natürlich auch, dass z.B. Krankenpfleger auch Schichtdienst und auch die Verantwortung für Hunderte Menschen haben. Und auch nicht (wesentlich) besser bezahlt werden.

Aber zu argumentieren, dass der Eine nicht besser bezahlt werden muss, wenn es der Andere auch nicht wird, das finde ich insgesamt zu kurz gegriffen.

Ralf Stellmacher, 2007-07-20

Ich wünsche jedermann einen guten Job. Ich kann aber nicht so recht nachvollziehen, was den Lokführerberuf so außergewöhnlich macht. Busfahren halt ich beispielsweise für weit schwieriger.

Volker Weber, 2007-07-20

Wenn du mal wieder hier bist, dann schau ich mal, dass mein Kumpel (Lokführer) etwas Zeit erübrigen kann ;)

Stefan Rubner, 2007-07-20

2 K und Schichtdienst passt nicht ganz denn da ist die Schichtzulage nicht mit drin. Ein Lokführer, welcher mind. 4 Jahre dabei ist, bekommt wohl bisher 2142 Euro brutto zzgl. mind. 300 Euro Zulagen.
Zugführer sind sicherlich nicht überbezahlt aber ich würde mir wünschen, dass Arbeitnehmer mehr Geschlossenheit zeigen und gemeinsame Abschlüsse erzielen. Anscheinend hat man sich das von den Piloten abgeschaut die kochen ja auch Ihr eigenes Süppchen.
Die Gewerkschaft der Lokführer ist allerdings gegen eine Privatisierung des Schienennetzes. Das macht sie wiederum für mich sympatisch denn ich halte das für einen großen Fehler.

Henning Heinz, 2007-07-20

Die 2142 Euronen sind allerdings auch das Ende der Fahnenstange. Nach 20 oder 30 Jahren gibt es dann genau .... 2142 Euro. Dafür würde ich das auch nicht machen wollen, zumal wohl irgendwann so gut wie jeder Lokführer auch mal einen "Personenunfall" erlebt.

Ich kann die Lokführer schon verstehen. Allerdings finde ich eine Forderung von 30% "am Stück" etwas überzogen. Da halte ich einen Deal wie 20% über 3 Jahre für besser darstellbar.

Joerg Michael, 2007-07-20

Es ist ein großer Fehler vieler Tarifverträge oft nicht nach Leistung sondern nach Alter, Dienstjahren oder Familienstand / Anzahl der Kinder zu tarifieren.
Im öffentlichen Dienst mag das funktionieren, in der privaten Wirtschaft führt das leider auch zum Ausschluss ganzer Bevölkerungsgruppen / Altersschichten.
In Nürnberg fährt ab 2008 die erste U-Bahn ohne Fahrer ( z.B. Spiegel Online), allerdings sollte die letztes Jahr schon den Betrieb aufnehmen.
Ich bin nicht pauschal gegen höhere Löhne für Lokführer kann aber die herausragende Stellung nicht erkennen. Über den aktuellen Abschluss der Bahn (4,5 %) hätten sich die Mitarbeiter der Telekom sicherlich gefreut.

Henning Heinz, 2007-07-20

Ich bin auf der Seite der Lokführer. Endlich ist mal jemand da und zeigt, dass es so nicht mehr weiter geht. Nach meiner Meinung haben wir in Deutschland nur den angeblichen super Aufschwung und die immer weniger Arbeitslosen, weil sich Deutschland immer mehr zum Billiglohnland entwickelt. Das haben inzwischen auch die Russen erkannt.

Überstunden ohne Ende und trotzdem ist am Ende des Geldes der Monat noch nicht zu Ende. Für viele ist das leider schon traurige Realität...

Maik Endler, 2007-07-21

Ich bin ebenso auf der Seite der Lokführer. Vielleicht ist das Führen einer Lok nicht so schwierig wie das Fliegen eines Flugzeugs. Trotzdem hat der Lokführer eine Verantwortung über x-Menschen. Und ehrlich gesagt habe ich sogar ein schlechtes Gefühl wenn ein Mensch mit einer solchen Verantwortung weniger vedient als manche schwarz arbeitende Reinigungskraft.

Wieviel Prozent vom Fahrpreis macht eigentlich das Gehalt des Lokführers aus ? Wahrscheinlich deutlich unter einen Prozent.

Roland Dressler, 2007-07-21

Wieso denn eigentlich jetzt plötzlich diese ganzen überzogenen Forderungen? Wenn Lokführer unterbezahlt sind, dann fällt ihnen das aber ganz schön früh ein.

Ich maße mir nicht an wirklich darüber urteilen zu können. Verantwortung is auch immer so eine Wischiwaschiargumentation. Bademeister müssten dann ja zu den Bestbezahlten gehören, oder?

Absolute Gerechtigkeit gibt es nicht, deshalb muss versucht werden eine relative Gerechtigkeit herbeizuführen und hier wird das versucht, indem man den Lokführerjob gleich bewertet, wie die der anderen Bahnbeteiligten.

Maik, uns (den Menschen in Deutschland) geht es gut und auch bei 2 - 2,5 K brutto nagt man nicht am Hungertuch. Hier wird auf einem hohen Niveau gejammert.

Martin Hiegl, 2007-07-22

> Ich kann aber nicht so recht nachvollziehen, was den Lokführerberuf so außergewöhnlich macht.

Arbeitszeiten von 8 und mehr Stunden, aber keine Toilette?
Das finde ich aussergewöhnlich ;)

Nach meinen 3,5 Jahren Ausbildung bei der Bahn fand ich das Angebot einer 80% Arbeitsstelle nicht sonderlich attraktiv.

Olaf Baumert, 2007-07-22

Martin, den Klinikärtzen fiel ihr schlechtes Gehalt auch recht spät ein, trotzdem konnten diese ihre Forderungen zumindest in Teilen durchziehen.

Wann wen was einfällt ist wirklich kein Argument.

Außerdem finde ich 2,5 K brutto verdammt wenig. Ein vierköpfige Familie davoin großziehen ist sicherlich ein Ding der Unmöglichkeit.

Roland Dressler, 2007-07-23

So langsam wird ein Schuh draus. Ich habe schon länger drauf gewartet, dass jemand einen höchstqualifizierten Beruf mit einem Lokführer oder Fahrkartenkontrolleur respektive "Zugbegleitpersononal" vergleicht.

Drehen wir es mal anders rum, um aus dem Denkschema zu kommen: Was passiert, wenn in allen Branchen die Mitarbeiter mit dem höchsten Erpressungspotential einen eigenen Tarifvertrag erstreiten?

Volker Weber, 2007-07-23

Wie siehts dem mit der Verantwortung eines Betonbauers aus, der das Fundament eines 30-stöckigen Hochhauses schüttet?

Jens Jeschke, 2007-07-23

Das Argument mit der Familie mag stimmen. Aber was sage ich dann jemandem, der statt um die 15 Euro brutto die Stunde für den nicht vorhandenen Mindestlohn arbeiten geht? Oder das Servicepersonal im Bahnhof welches gar nichts vom Lokführerstreik hätte außer man ist mit einem verheiratet. Ein Unternehmen kann meiner Meinung nach nur begrenzt adäquat der Familiensituation bezahlen und schon gar nicht die Familien- und Sozialpolitik einer Regierung korrigieren. Zumindest nicht, wenn man das Unternehmen gerade an der Börse platzieren möchte.
Den Unternehmen kann das trotzdem recht sein. Lieber einer privilegierten Minderheit Zuschläge bezahlen als höhere Tarifeinkommen in der breiten Masse. Über den Streik der Ärzte habe ich mich im übrigen genauso geärgert.

Henning Heinz, 2007-07-23

Volker, mag sein daß der Arzt höher qualifiziert ist. Auch wenn ich sagen muß daß ich, als ich am Wochenende mit meinen Kurzen mal auf der Notaufnahme war, von der hohen Qualifikation nichts zu spüren war. Jeder Gas-Wasser-Sani untersucht einen Abfluß genauer als es der behandelnde Arzt mit meinen Sohn getan hat. Da war schon eine große Ladung Bocklosigkeit vorhanden.
Und genau das ist das Problem. Die Bocklosigkeit die man bekommt, wenn die Kohle einfach nicht stimmt. Und die ist gefährlich.

Zurück zum Lokführer: die wollen ein Einstiegsgehalt von 2500, und nach oben hin (30 Dienstjahre) eine Steigerung auf bis zu 3.000. Und auch wenn das eben 27% mehr als jetzt ist, ist das meiner Meinung nach angemessen. Ob Sie es bekommen ist sicher fraglich, aber dafür wird eben ja auch gestreikt.

Jens, derjenige auf dem Bau, der die Verantwortung für das Fundament trägt, also z.B. der Bauleiter, der verdient auch mehr als 1900.-

Roland Dressler, 2007-07-23

Roland, Stichprobengröße 1 ist wenig aussagekräftig. vowes Gesetz der konstanten Armleuchterquote kommt wieder mal zum Einsatz.

Vielleicht hast Du das übersehen: "Was passiert, wenn in allen Branchen die Mitarbeiter mit dem höchsten Erpressungspotential einen eigenen Tarifvertrag erstreiten?"

Volker Weber, 2007-07-23

Volker, das mit der konstanten Armleuchterquote ist sicherlich nur zu wahr.

Und das mit den Branchen und dem Erpressungspotential, das kenne ich eigentlich nur von den Strompreisen und wenn ich vor dem Sommerurlaub mal bei einer Tankstelle vorbeifahre. Ansonsten sollte man durchaus auch mal betrachten, daß z.B. die Gehälter der Bahnvorstände um 60% oder mehr gestiegen sind. Ich möchte keine Neiddebatte vom Zaun brechen, aber sowas bringt vielleicht auch die Lokführer auf "dumme" Gedanken.

Was bleibt ist die Frage, ob Lokführer streiken dürfen oder nicht. Spricht man denen das Recht auf Streik zu, dann sind Sie in Ihren Tarifverhandlungen eben auch autonom, egal ob sie 30 oder 300% verlangen. Übrigens, es gibt auch noch Beamte im Lokdienst, denen ist streiken untersagt.

Roland Dressler, 2007-07-23

"Was passiert, wenn in allen Branchen die Mitarbeiter mit dem höchsten Erpressungspotential einen eigenen Tarifvertrag erstreiten?"
Ich sehe das Problem nicht. Im Gegenteil: ich bin sehr dafür, dass jede Gruppe (abhängig von Verantwortung, Ausbildung, evtl. Skill, etc.) ihre eigenen Abschlüsse erstreiten kann. Mal ehrlich, warum sollte ein Bahnhofsvorsteher oder ein Kontroletti im Zug das selbe Gehalt bekommen, wie ein Lokführer? Keine der erstgenannten Tätigkeiten möchte ich gering schätzen, echt nicht. Vermutlich hat ein Kontroletti einen ähnlich schweren Job wie der Lokführer. Auf anderer Ebene zwar, aber sicher vergleichbar (ein ganzes Rudel besoffener Fussball"fans" im Wagen zu haben stelle ich mir sehr anstrengend vor). Aber eben genau da sehe ich den Knackpunkt: man kann diese Tätigkeiten eben nicht über einen Kamm scheren, was mit einem gemeinsamen Vertrag aber passiert. Und das sind nur 2 Beispiele.

Also, wo ist das Problem, wenn vom Gesetzgeber entweder allgemeingültig oder per Branche ein Mindestlohn definiert wird und darauf aufbauend werden die Verträge ausgehandelt. Oder es wird regelmäßig ein Überblick erstellt, mit wieviel Jahren Berufserfahrung und welcher Ausbildung in welcher Branche wieviel im Schnitt gezahlt wird und das eigene Gehalt ist dann eben eine Sache des Verhandlungsgeschicks. Da Gewerkschaften nur noch Lachnummern sind, wird sich die Bedeutung eines Tarifvertrages über kurz oder lang ohnehin mindern.

Ralf Stellmacher, 2007-07-23

Mal ehrlich, warum sollte ein Bahnhofsvorsteher oder ein Kontroletti im Zug das selbe Gehalt bekommen, wie ein Lokführer?
Mal ehrlich, warum sollte ein Lokführer das selbe Gehalt bekommen, wie ein Bahnhofsvorsteher oder ein Kontroletti im Zug?

Diese Fragen lassen sich in alle Richtungen drehen und wenden. Lohngerechtigkeit wird immer ein großer Streitpunkt sein. Wenn man sich allerdings erpressen lässt, wird mittel- bis langfristig die Lohngerechtigkeit durch das Erpessungspotential des Berufes entschieden, wie Volker oben auch schon schreibt.

Martin Hiegl, 2007-07-25

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