Verflogen

by Volker Weber

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Photo: Parrot

Vor zwei Tagen erhielt ich eine Mail. Ob ich vielleicht mal eine Parrot AR.Drone testen wolle. Was für eine Frage. Natürlich wollte ich. Hintergrund: die Drohne hat eine iPhone-Steuerung, die als Open Source veröffentlicht ist. Nokia hat sie nun auf Symbian portiert und im Ovi Store angeboten.

Das Video entspricht in etwa meinen "Flugkünsten" nach zweimal 10 Minuten Flug, unterbrochen von 90 Minuten Batterie aufladen. Um zu Beginn mal etwas Nettes zu sagen: die Nokia App lässt sich in der Tat mit einer Hand bedienen. Um das zu verstehen, muss man erst mal die Drohne erklären.

Die AR.Drone hat vier Props, die von je einem Motor angetrieben werden. Es gibt zwei verschiedene "Karossen". Eine umschleßt die Props, damit man auch mal leicht eine Wand berühren kann, die andere lässt die Props frei. Das ist im Freien brauchbar, weil die Drohne dann weniger Angriffsfläche zum Wind hat. Sobald man den Akku anschließt, startet die Elektronik der Drohne und bietet als Access Point ein WLAN an, in das man sich mit dem Smartphone einklinkt. Die App hat einen Button, mit dem die Drohne startet oder landet. Sie bleibt automatisch in einem Meter Höhe in der Luft stehen. Mit Ultraschall misst sie die Höhe, mit einer nach unten gerichteten Kamera die Lage über dem Boden. Leichte Windstöße gleicht sie aus.

In dem Video sieht man, dass man durch Kippen des Telefons die Drohne kippt. Sie fliegt damit vorwärts, rückwärts oder eben seitwärts. Dabei hält sie automatisch den Abstand zum Boden. Diese Steuerung aktiviert man beim iPhone durch ein Control links unten auf dem Bildschirm.

Will man die Höhe oder die Ausrichtung der Drohne ändern, so benutzt man eine Art Joystick auf der rechten Bildschirmseite. Rauf und runter, links und rechts. Das machen iPhone und Nokia App gleich. Zusätzlich gibt es noch einen Panik-Button, der schaltet die Motoren einfach ab und die Drohne fällt wie ein Klavier vom Himmel.

Die Nokia App macht das besser. Sobald man einen Finger auf dem Bildschirm legt, erscheint der Joystick, den die iPhone App für Höhe und Richtung nutzt. Gleichzeitig wird der Lagesensor aktiv, so dass man die Drohne kippen kann. Das ist intuitiver als die iPhone-Steuerung, und man kann entweder den linken oder den rechten Daumen nutzen.

So weit schlägt sich die Nokia App ganz wacker. Was nicht funktionierte, war die Video-Übertragung von der Drohne zum Telefon. Nema problema beim iPhone. Das N8 aber zeigte nur ein Standbild. Außerdem fehlen der App fast alle Einstellungen der Drohne. So kann man etwa die Höhe limitieren, das Ansprechverhalten regeln, maximale Kippwinkel festlegen, etc. pp. Alles in der kostenlosen iPhone App drin, nicht aber in der von Nokia. Erweiterte Apps wie PowerFlight (auch mit Einhandsteuerung) gibt's schon gar nicht.

Die iPhone App erlaubt außerdem, die Drohne mit neuer Firmware zu laden. Das hat Nokia anscheinend nicht probiert, denn mit der aktuellen Firmware funktionierte dann gar nichts mehr. Auch hier rettet das iPhone mit dem Firmware Manager. Downgrade auf 1.4.7 und das Nokia-Handy mag wieder.

So, und jetzt packe ich die Drohne wieder ein*. 10 Minuten fliegen, 90 Minuten laden ist nicht mein Rhythmus. Und das Biest macht ordentlich Krach, geht also den Nachbarn schnell auf den Senkel. Im Wohnzimmer fliege ich nicht damit rum, dazu bin ich viel zu grobmotorisch. Die nach vorne schauende Kamera hat etwa die Qualität einer 10 Jahre alten Webcam. In 5 Meter Entfernung kann man zwar einen Möbelwagen erkennen, nicht aber sein Nummernschild. Bei leichten Windböen treibt das Fluggerät schnell ab und ich habe es in zwei kapitalen Abstürzen erfreulicherweise nicht kaputt gemacht. Aber man soll sein Glück nicht zu sehr strapazieren.

Irgendwie ist jedes Fluggerät ein Wunder der Technik. Aber ich habe keinen Schimmer, warum man sich gerade dieses Kaufen sollte. Vielen Dank an Nokia, dass ist das mal selbst probieren durfte. Aber eine Empfehlung für die App gibt's trotzdem nicht. Da fehlt einfach noch zu viel.

*) Ich glaub, ich packe sie doch erst Sonntagabend ein. :-)

Comments

"Drohne fällt wie ein Klavier vom Himmel"? Das ist ja heiter... So werden wir der terroristischen Bedrohung durch unsere Nachbarn nie Herr :-)

Armin Roth, 2011-04-09

Klavier... der Loriot- Witz fällt ein, klar. Aber da war doch was mit Klavieren auf meistens ganz bestimmte Autos (welch Zufall) in der besten Serie, die im TV zu sehen ist. :-)

Das Teil bräuchte eine Abwerf- Vorrichtung, irgendwas, um die Nachbarn zu bespassen[tm]. Auch, den Gedanken lassen wir mal, das tut das Teil von selber wohl schon. :)=)

Alexander Koch, 2011-04-10

Ich dachte bei dem Klavier eher an eine Bespaßung des Wächters am Himmelstor durch einen alternden Schauspieler.

Armin Roth, 2011-04-10

Testen würde auch ganz gerne mal so ein Teil. Aber kaufen? Nein.

Karl Heindel, 2011-04-12

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