Ausgebeamt

by Volker Weber

Manchmal gehen Träume nicht in Erfüllung. Dieser kleine Projektor ist so eine Seifenblase. Zur CeBIT hatte ich mir angeschaut, was Aiptek da zu bieten hat, und war durchaus angetan. Besonders gefiel mir der V50. Als nun ein noch besseres Modell angekündigt wurde, habe ich Aiptek gebeten, mir eins zur Ansicht zu schicken.

Mein Traum war ein kleiner Projektor, der zum Beispiel einen Film vom iPad an die Decke wirft, oder unterwegs mal eine Keynote-Präsentation an eine nahe Wand. Nach Aktenlage leistet der V100 genau das. Er kann selbstständig Bilder und Videos anzeigen. Er hat einen kleinen Lautsprecher, so dass er auch Ton wiedergeben kann. Auf der Rückseite ist ein Slot, in dem man eine SD-Karte mit Medien einlegen kann und einen HDMI-Port hat er auch. Alles bestens.

Irgendwie lief dann aber alles anders als gedacht.

Ein Beamer macht Krach, weil er einen Lüfter hat. Dieser Projektor hat einen kleinen Lüfter, der einen hohen Ton erzeugt. Er klingt ungefähr so, wie ein 5cm großer Moskito klingen würde, wenn es 5cm große Moskitos gäbe. Das merkt man auf einer Messe nicht, oder auch in einem Raum mit zehn Personen. Aber wenn man zu zweit ein Video gucken will, dann nervt es. Nicht so sehr wegen der absoluten Lautstärke, sondern weil dieses Pfeifen einfach alarmiert.

Mit dem Geräusch hätte ich rechnen können, nicht aber mit dem Geruch. Das Gerät riecht sehr beunruhigend nach Lösungsmitteln. Etwa so wie ein paar ganz billige chinesische Turnschuhe aus dem Ein-Euro-Laden. Karton aufmachen, Nase reinstecken, einatmen. So riecht der Projektor in einem Meter Abstand. Auch nach drei Stunden neben einem offenen Fenster.

Und dann kam der Kabelsalat. Bei der Gelegenheit habe ich gelernt, dass Apple zwei verschiedene HDMI-Adapter hat. Meiner ging mit iPhone 4 und iPad 2. Ich brauchte aber einen, der mit iPhone 4S oder dem neuen iPad geht. Bestellt, einen Tag gewartet und dann ausprobiert. Funktioniert, ist aber doch ziemlich verwaschen. Kein Vergleich mit den Demo-Videos vom Gerät. Aiptek liefert ein kurzes steifes HDMI-Kabel mit. Zwei verschiedene Stecker: HDMI und MiniHDMI auf der Geräteseite. So passt das zum Apple-Adapter. Nicht aber zu Geräten, die einen MiniHDMI oder MicroHDMI Port haben. Da braucht man dann wieder zwei andere Kabel, Mini auf Mini, oder Micro auf Mini. Beides nicht vorrätig in vowe's magic flying circus.

Der Projektor kommt mit einem eigenen Ladegerät, das 2A mit 12V liefert. Dummerweise hat es einen runden Stecker. Laden kann man vielleicht auch über die USB-Buchse, aber die hat leider das alte MiniUSB und nicht das gängige MicroUSB-Format. Damit ist der Kabelsalat größer als das Gerät: Ladegerät, HDMI-Kabel, zwei weitere Kabel für Micro und Mini, oder zwei Adapterstecker, und dann vielleicht noch das richtige iPad-Dongle.

Und dann kam noch so eine kleine Sache, die ich nicht bedacht habe: der Ton. Wenn man einen Film in 1,8 Meter Diagonale schauen will, dann braucht man auch einen Ton mit 1,8 Meter Diagonale. Also noch ein 3,5mm Klinkenkabel und einen Lautsprecher. Ich habe es per Bluetooth auch auf einen passenden Lautsprecher und sogar per Airplay bis zum Sonos geschafft. Das ist nicht trivial, weil der Ton ja eigentlich über HDMI will.

Kurz und gut: eine Menge Zeugs und 5 Minuten Setup. Das ist mir zu kompliziert. Puff, ist sie kaputt die Seifenblase. Traum vorbei. Und das wäre mit jedem anderen Projektor nicht besser. Liegt also nicht an Aiptek.

So ein bisschen komme ich mir jetzt vor wie ein Hobby-Fotograf, der lernt, dass ein professionelles 80-200mm f/2.8 Zoom viel zu schwer ist. Und jetzt packe ich das Gerät ein und schicke es kleinlaut zurück. Selbst schuld. Was träume ich auch vor mich hin.

Comments

Sehr sympathischer Artikel, der die Schattenseiten moderner Wohnzimmer beschreibt. Immer wieder wenn man neues ausprobiert, seien es Streaming-Clients oder auch Beamer, stößt man auf solche skurrilen Begebenheiten und fragt sich, ob man vielleicht alt geworden ist, dass man jetzt das Gerät, das 3- oder auch 4stellige Summen kostet, nicht betreiben kann, weil ein Pfennig-Artikel wie ein Kabel oder Adapter fehlt. Wenn man dann ungeduldig ist und zu einem der großen Verkäufer für solche Artikel fährt, stellt man fest, dass das mit dem Pfennig-Artikel nur bei Amazon stimmt :-)

Kai Schmalenbach, 2012-08-29

Bei den meisten Punkten kann ich dir zustimmen, insbesondere bei dem von dir gewähltem Gerät. Es gibt aber auch sehr leise Projektoren heutzutage, zugegeben aber nicht in dem kleinen Format. Sinnvoll ist das mit Projektor aber eigentlich nur, wenn man ihn auch fest installiert. Und dann kann man den Ton auch über einen Verstärker laufen lassen, der sich um die Trennung von Bild und Ton kümmert, und mit einer geeigneten Fernbedienung ist dann die Entscheidung für das Ansehen eines Films auf dem Projektor nur noch 1 Knopfdruck auf der Fernbedienung. Das erste Setup dauert aber, und kostengünstig ist das auch nicht.

Wie man das aber mit einem reinen Sonos-System integriert, weiß ich auch nicht.

Ich hab leider aktuell keinen Projektor mehr installiert, da nach dem Umzug im Wohnzimmer die Platzgegebenheiten dazu zu ungünstig sind.

Dirk Steins, 2012-08-30

Mir ging es nicht um feste Installationen, sondern mobile. Einen Festeinbau akzeptiere ich nur aus Kostengründen. Projektoren sind billiger (in der Anschaffung) als LED-Wände.

Volker Weber, 2012-08-30

Danke für die Einblicke - ich habe auch schon mit dem Gedanken gespielt, einen mobilen Projektor anzuschaffen. Aber bei mir steht weniger das Szenario "im Hotel Video schauen" sonder eher das "bei den Eltern Fotos zeigen" bzw. "unterwegs Präsentationen zeigen" im Vordergrund - beides ohne Ton. Allerdings würde der Geräuschpegel, den Du berichtest wohl trotzdem stören.

Ragnar Schierholz, 2012-08-30

Interesting (and rather depressing) review - I've been looking for just such a thing on behalf of clients. Sorry it didn't work out.....

Nick Daisley, 2012-08-30

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