Meine erste Fahrt mit Uber

by Volker Weber

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In New York hatte ich die Gelegenheit, die Taxi-Alternative Uber auszuprobieren. Und das hat supergut funktioniert. App öffnen, übrigens auch für Windows Phone, Auto anfordern. Binnen 30 Sekunden ein Anruf, wo ich denn genau sei; das war nicht so einfach am Midtown Ferry Terminal. Der Fahrer war in zwei Minuten da und hat auch nicht aufgelegt, bis ich im Auto war. Netter Typ aus Usbekistan, der drei Jahre in Bremen gelebt hat. Zitat: "Döner in Deutschland ist bester Döner." 11 Minuten später hat er mich abgesetzt und in seiner App die Fahrt beendet. Meine App meldet sich, Fahrer bewerten, fertig. Fahrkosten werden abgebucht, niemand muss Geld in die Hand nehmen. Die erste Fahrt mit Uber ist frei.

In Deutschland ist Uber nicht so nötig wie in USA. Hier sind die Taxis sauber und sicher. In New York sind sie schmutzig, heruntergekommen und klapprig. Hier gibt es mittlerweile auch Angebote wie MyTaxi, mit denen man ein Taxi ähnlich einfach anfordern kann.

Wer sich neu einträgt, kriegt mit dem Promotioncode UBERVOWE eine Gutschrift. Ich auch, aber die werde ich wohl nie ausnutzen können, weil Uber hier mächtig Gegenwind hat.

Comments

Wer Uber und Co so toll findet sollte sich bewusst sein, dass das Geschäftsmodell dieser ach so tollen Startups im Grunde auf der Auspressung/Ausbeutung der Fahrer basiert und Missachtung der aktuellen Gesetzgebung bedeutet, nicht nur der Beförderungsverordnungen, sondern etlicher weiterer Bestimmungen.
Siehe http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/indexhessen34938.jsp?rubrik=36082&key=standard_document_52488277

Ich zumindest werde niemals einen Dienst nutzen, der darauf basiert, Leute die sowieso schon am unteren Ende der Erwerbskette stehen, noch weiter auszubeuten, auch wenn eine App gerade trendy ist.
Wer sich Sonos-Systeme und andere Lifestyle-Gimmicks wie Up, Wemo, etc... gönnt, sollte soviel soziale Kompetenz besitzen, bei anderen Dingen auch verantwortungsbewusst zu handeln, gerade wenn immer mit "billig interessiert mich nicht" kolportiert wird.

Nur mal als Denkanstoss....

Christian Henseler, 2014-07-31

Ich bin immer wieder für Denkanstöße dankbar. Zumal mir das Denken ja doch sehr schwer zu fallen scheint. Was mir auch fehlt, ist dieses gute Gefühl moralischer Überlegenheit.

Volker Weber, 2014-07-31

Man kann diesbezüglich. wahrscheinlich einige Semester über Moral und Ausbeutung diskutieren.

Fakt ist, wenn sich eine solche Internet Anwendung als vorteilhaft gegenüber den klassischen "Vertriebsweg" erweist, dann ist jeder Wiederstand zwecklos und führt nur dazu, dass sich die bestehenden Marktanbieter Ihren eigenen Wettbewerbsvorteil (sie sind ja schon am Markt!) verspielen. Wer auf "bockig" macht, der hat am Ende meist Pech!

Wer weiß, vielleicht verdienen die Fahrer am Ende damit sogar mehr als mit klassischen Taxis, welche im Übrigen auch auf dem Prinzip der Ausbeutung funktionieren.

Roland Dressler, 2014-07-31

Meines Wissens wird niemand gezwungen, Uber-Fahrer zu werden. Und Uber hat Recht. Über Jahrzehnte gab es in Deutschland keine richtigen Fernbusse - bis ein Gesetz geändert wurde. Wettbewerb ist nie verkehrt.

Michael Schermann, 2014-07-31

Es gibt Menschen, die der Überzeugung sind, es sei richtig, die, die keinen Job finden, über Jahre durch die sozialen Transfersysteme zu alimentieren. Tatsächlich ist dies auch noch heute in Teilen - ich sage bewusst "in Teilen" - der Gewerkschaftler, SPD- und Grünen-Mitgliedern so.
Sie meinen, es sei besser, diesen Menschen lieber keine Arbeit anzubieten, statt ihnen eine Arbeit zu geben, für deren Vermittlung jemand Anderes etwas verdient! Verdient, weil er es geschafft hat, das Marktversagen, das bei öffentlichen Arbeitsvermittlungsversuchen eher die Regel als die Ausnahme ist, aufzulösen.

Uber dringt in einen stark regulierten Markt ein. Dieser Markt funktioniert aus Nachfragesicht halbwegs gut. Aus Anbietersicht ist es ein Markt des Drangsalierens und der niedrigen Löhne. Wer sich regelmäßig mit Taxifahrern unterhält, hat eine Ahnung davon, wie eng Umsatz und Kosten beieinander liegen müssen. Ein Stück staatlich regulierte Ausbeutung.

Wie oft habe ich nachts am T1 in FRA gestanden und mir gedacht, dass es in Deutschland Zeit für Yellow, Black, Green und Pink Cabs ist! Ich hätte gerne 20% Aufschlag bezahlt!
Stattdessen habe ich 1h auf einen missmutigen Taxifahrer gewartet, dessen Laune nur deshalb besser wurde, weil ich nach Darmstadt wollte aber zugleich wieder schlechter, als ich sagte, dass ich nur Dollars dabei habe und mit Karte zahlen will!

Es wird Zeit, die drangsalierten Taxifahrer aus ihrer gesetzlichen Umklammerung der gelben E-Klassen zu befreien und ihnen die Möglichkeit zu geben mehr zu verdienen!
Wenn sie es denn wollen. Verdient haben sie es allemal!

Bodo Menke, 2014-07-31

Was, wenn ein Komet Dein Uber-Taxi getroffen hätte? Das ist doch alles nicht ordentlich versichert... :-)

Martina Kautz, 2014-07-31

TaskRabbit? Er hat TaskRabbit gesagt!

Nils Michael Becker, 2014-07-31

Ich habe Uber ähnlich wie Volker gerade in Seattle entdeckt. Herrlich, ich liebe es. So wollte ich "Taxi" immer haben. Und hier hat mir mein erster Fahrer erzählt, dass er deutlich mehr als mit Taxi verdient. Ein anderer, dass er an einem Tag 250-300 Dollar macht, und - wenn ich es richtig verstanden habe - er 20% an Uber abgeben muss.

Ingo Seifert, 2014-08-01

In Stockholm reagiert eine der Taxi-Firmen auf Uber so, dass sie ab Herbst einen ähnlichen Dienst wie Uber anbieten werden - d.h. App, schwarze Limosinen, Festpreis für die Fahrt von A nach B.

Federico Hernandez, 2014-08-01

Hier in Zürich ist es so, dass die -gut organisierten - taxizentralen Lobby gegen uber machen und die freien Fahrer such bei uber anmelden. Und dann kommen sie auch mal mit dem taxischild auf dem Dach vorbei.
Grundsätzlich sollte man sich schon über das Verhalten von uber unterhalten sollen, die sind ja ein Ausbund an Arroganz. Aber dass im taxigewerbe dringend was gehen muss, ist eigentlich ebenso klar: versiffte taxen, launische und ungehobelte Fahrer ohne Kenntnis der Routen, das geht einfach nicht.

Chris frei, 2014-08-01

Ich bin ja gar nicht gegen Änderungen festgefahrener Strukturen.
Ich bin nur der Meinung, dass man in bestimmten Bereichen auch mal über den Tellerrand schauen sollte.
Ausbeutung findet nicht immer nur in Bangladesh oder Indien statt, auch wir sind Ausbeuter...

Der Taxi-Sektor in Deutschland bedarf sicherlich einiger Reformen, wie es im Bereich der Fernverkehrsstrecken in jüngster Vergangenheit zu beobachten war.
Wenn Unternehmen wie Uber wenn auch mit fraglichen Mitteln versuchen Bewegung in festgefahrene Strukturen zu bringen, auch gut.
Allerdings sind auch hier Grenzen zu beachten und ich denke, dass wir uns in Deutschland nicht umsonst mit dem Schlagwort "Soziale Marktwirtschaft" rühmen und zumindest versuchen, auch die schwächsten in der Kette - hier die Fahrer - zu berücksichtigen.
Wenn aber Unternehmen wie Uber ganz klar das unternehmerische Risiko vollständig auf die Fahrer abwälzen, so ist dies in jedem Fall mit oben genannten Grundsätzen fragwürdig und es steht jedem Fahrer frei, dabei mitzumachen, oder nicht. Allerdings möchte ich bezweifeln, dass dem Grossteil der Fahrer die rechtlichen Konsequenzen dessen, was sie da unterschreiben wirklich klar ist.

Auch den Kunden/Nutzern scheint mir das nicht unbedingt klar, wenn es z. B. zu einem Unfall mit eigenen Personenschäden kommt, ist man als Uberkunde ganz schnell auf der Verliererseite...

Aber ich stimme ebenfalls dem Grundsatz zu "Alle sind alt genug, zu wissen, was sie tun".


Christian Henseler, 2014-08-01

Woher kommt dieses Gefühl, einen weiteren Denkhorizont (Tellerrand) zu haben als andere?

Volker Weber, 2014-08-01

Manchmal wünsche ich mir auf Deiner Seite einen Like Button.

Heute hätte ich deine Antworten zweimal geliked. Thumbs up.

Sascha Langfus, 2014-08-01

Der Vorgang Weber gegen mechanische Webstühle scheint sich permanent zu wiederholen. Ist nicht das Bessere der Feind des Guten.

Wolfram Votteler, 2014-08-02

Ich fand diesen Erfahrungsbericht sachlich und informativ.

Die Tellerrandüberblicker mögen bei ihrem naturgegebenermaßen Vorsprung bzw. ihrer Sichtweite ggü. den Tellerrandlimitierten doch berichten, wie viel diese geknechteten Fahrer denn bei den Taxizentralen verdienen bzw. wie viel % bei der Taxizentrale hängen bleiben, wenn man denn schon die Uber 20% in den Raum wirft.

Ob das alles Fachwissen ist, was zum Thema Versicherung und Unfallschutz von UBER Kunden so geschrieben wurde, wage ich zumindest zu bezweifeln.
Volker wird sicher schon so erwachsen sein, seine Lebensrisiken einschätzen zu können und seinen Kritikern empfehle ich, die 100e Hinterbliebenen und Opfer der BUNDESBAHNKATASTROPHE "CONRAD RÖNTGEN" bei ESCHEDE zu befragen, wie schnell, unbürokratisch und helfend sozial diese von dem immerhin BUNDESUNTERNEHMEN entschädigt wurden.

ABER SICHER haben die "ÜBER DEN TELLERRAND HINAUSGUCKENDEN" schon für die damaligen Opfer gekämpft und kennen den aktuellen Versicherungsschutz jedes Verkehrsmittels, das sie benutzen. Hut ab!

UBER ist ein legales Angebot, eines von vielen auf den neu eröffneten (noch) Nischenmärkten, so dass jeder frei entscheiden können sollte, ohne dafür an den Pranger gestellt zu werden. Wo ist der nächste Gewerkschafter VOR Vorkämpfer, wenn Volker von seinen Überland BUSREISE Erfahrungen berichten sollte, um dann zu schreiben, wie die Busfahrer im Vergleich zu anderen oder Lokführern ausgebeutet würden?

Ob UBER etwas langfristig zu bieten hat, das entscheiden die Regulatoren und alle Marktteilnehmer, Fahrer wie Kunden.

Volker, bitte weiter so praktische Lebenserfahrungen ...

Wolfgang Fischer, 2014-08-02

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