Withings Home

by Volker Weber

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Ich habe schon viele Webcams ausprobiert. Sehr viele. Und das ist die erste, die genau das macht, was ich von ihr erwarte. Und noch ein bisschen mehr. Aber der Reihe nach.

Gesehen habe ich die Withings Home zum ersten Mal auf der IFA in Berlin. Und war ein wenig überrascht, weil ich Withings eigentlich im Gesundheitsbereich verortet habe. Blutdruckmesser, Körperwaage, Aktivitätstracker. Und jetzt eine Webcam? Ein kleiner Hinweis, wo es hingeht, zeigt schon die neuere der beiden Körperwaagen. Die analysiert nämlich nebenbei die CO2-Konzentration. Stellt man sie im Schlafzimmer auf und wiegt sich morgens, dann weiß man gleich, ob man auch genügend frische Luft hatte.

Eine vergleichbare Zusatzfunktion hat auch Home. Hier analysiert das Gerät den Anteil von flüchtigen organischen Verbindungen (VOC = Volatile Organic Compound) in der Luft. Liegt er zu hoch, dann kann das ernsthafte Konsequenzen haben: Kopfschmerzen, Allergien, Asthma. Wie kommen die in die Atemluft? Das sind Lösungsmittel in Reinigungsmitteln, Körperpflegeprodukten, oder stammen aus dem Bau von Häusern und Möbeln.

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Die Webcam hat ein Ultraweitwinkelobjektiv, das 135 Grad des Raumes abbildet. Nachts schaltet sie automatisch auf Infrarot um und beleuchtet den Raum mittels einer kleinen LED oberhalb des Objektivs. Die Holzschale ist drehbar und so kann man die Kamera bei Bedarf schnell blind machen. Withings will auch andere Hüllen anbieten, um das Gerät an den eigenen Einrichtungsstil anpassbar zu machen. Während die meisten Webcams eher technisch aussehen, passt sich Home viel besser in die Wohnung ein.

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Der eigentliche Witz an Home ist die Software und der Cloudservice. Richtet man Home erstmalig ein, wartet sie auf eine Bluetooth-Verbindung vom iPhone; eine Android-Software ist erst in Entwicklung. Dort startet man eine App, legt ein Konto bei Withings an und meldet sich damit an. Dann verbindet man Home mit dem WLAN oder steckt alternativ ein Ethernet-Kabel in die mittlere Buchse. Links ist übrigens ein USB-Port für den Anschluss einer Festplatte, rechts ein weiterer USB-Port für das 2A-Netzteil.

Home beobachtet nun den Raum und reagiert auf Bewegung und Geräusche. Sie zeichnet dabei Fotos und 5-Sekunden-Videos auf, die sie auf den Server von Withings lädt. In der iPhone-App kann man auf einem Zeitstrahl sehen, welche Ereignisse die Kamera aufgezeichnet hat. Wahlweise kann man sich automatisch per Pushnachricht alarmieren lassen und sich jederzeit live auf Home aufschalten. Drei Trigger gibt es: Bewegung, Geräusch, dicke Luft.

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Home hat zwei Mikrofone und einen Lautsprecher. Damit wird sie zur Gegensprechanlage. Und mit der letzten Funktion wird klar, wozu Home am besten taugt: Der Lautsprecher kann ein Schlaflied abspielen, die Basis unterhalb der Holzschale kann in allen Farben und mit einstellbarer Helligkeit leuchten.

Jetzt klar? Home ist der perfekte Baby-Monitor. Schreit das Kind, gibt es eine Benachrichtigung, egal wie weit weg man ist. Dann kann man in den Raum schauen, hören was los ist, ggfls auch etwas sagen. Und gleichzeitig überwacht das Gerät die Atemluft.

Die Schale, auf der Home steht, ist so gestaltet, dass man die Kamera um 15 Grad neigen kann um den richtigen Ausschnitt darzustellen. Während der Live-Übertragung kann man digital in das Bild hineinzoomen. Die Kamera hat 5 Megapixel Auflösung und damit einige Reserven, bevor es zu Qualitätsverlusten kommt. Codiert wird der Stream mit WebRTC.

Aktuell werden alle Aufnahmen nur 2 Tage aufbewahrt. Withings will in der Cloud auch einen Videorecorder-Service anbieten, bei dem man bis zu 30 Tage zurückschauen kann. Über den USB-Anschluss soll man Videos auch lokal speichern können, aber das habe ich noch nicht probiert. Die letzten 12 Stunden lassen sich in einer Art Zeitraffer betrachten, der aus den aufgezeichneten Momenten komponiert ist. Wenn nichts passiert, ist auch nichts zu sehen.

Eine Sache fehlt mir noch: eine Integration in IFTTT. Ich möchte die Kamera gerne als Bewegungsmelder nutzen. Das wäre ein guter Input für WeMo, das sich bereits in IFTTT integriert. Da drei andere Withings-Produkte schon mit IFTTT reden, wird Home das vielleicht auch noch lernen.

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[Update]

Richard Donninger hat gefragt, wieviel Bandbreite die Kamera verbraucht. Antwort: wenn nichts passiert, gar keine. Wenn ein Moment aufgezeichnet wird, ganz wenig (kleiner Hubbel rechts), während einer Live-Übertragung auch nicht so viel (langer Balken links).

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Comments

Kann man die Nacht-LED ausschalten?

Wieviel Bandbreite verbraucht die Cam, wenn sie den Stream aufzeichnet (sie zeichnet nur nach Trigger auf, ja? Oder 24/7)?

Klingt nach der Cam, die ich will.

Richard Donninger, 2015-01-20

Gute Fragen. Ja, die Umschaltung auf Infrarot kann man unterbinden. Nur dafür wird die LED gebraucht. Man kann sie übrigens nicht leuchten sehen. Die Frequenz ist zu niedrig.

Bandbreite habe ich noch nicht geprüft. Und ja, sie schickt nur Daten über die Leitung, wenn nötig. Also direkt nach einem 5-Sekunde-Video, einem Bild oder bei einer Live-Übertragung.

Volker Weber, 2015-01-20

Wenn man die LED nicht siet, ist alles gut. Was nervt, sind grell leuchtende LED, am besten an USB-Festplatten, Kopfhörern etc. Wenn nix zu sehen ist, nervt nix.

Das Bandbreitenthema ist der Grund für mich, keine Dropcam zu kaufen. Die soll bis zu 60 GB/Monat traffic verursachen. Muss ja nicht sein, wenn, wenn 99 % der Zeit eh nix Spannendes passiert.

Richard Donninger, 2015-01-20

Also ich habe das gerade mal probiert. Vielleicht mache ich noch einen Messfehler, aber die Kamera macht nicht mal einen Hubbel in den Online-Monitor der Fritzbox. Ich denke, das kann man wohl vernachlässigen.

Volker Weber, 2015-01-20

Danke für den Beitrag. Weißt Du, ob die Fotos in der Cloud verschlüsselt werden?

Maik Endler, 2015-01-20

>> Schreit das Kind, gibt es eine Benachrichtigung, egal wie weit weg man ist.

Und was macht man dann? Wenn ich soweit weg bin, dass ein DECT Babymonitor zu wenig Reichweite hat, also bspw. unterwegs, dann kann ich das Kind wohl auch kaum beruhigen. Ich könnte höchstens den Babysitter anrufen und resolut drauf aufmerksam machen, dass das Kind schreit. Aber wenn er/sie das nicht direkt hört, geht er/sie vielleicht auch nicht ans Handy...

Ragnar Schierholz, 2015-01-20

Maik, nein, weiß ich nicht. Ich nehme aber an, dass sie das nicht tun, sondern lediglich die Datenübertragung verschlüsseln. Das wird im Handbuch erwähnt: "Alle ausgetauschten Daten werden verschlüsselt, um eine sichere Datenübertragung zu garantieren und die Privatsphäre Ihrer Familie zu schützen. Zusätzlich werden die Videodaten mit den besten zur Verfügung stehenden Methoden komprimiert, was eine ruckelfreie Wiedergabe garantiert und gleichzeitig die übertragene Datenmenge minimiert".

Ragnar, DECT reicht vielleicht 100 Meter. Wie weit kommst Du in drei Minuten mit einem Fahrrad oder einem Auto?

Volker Weber, 2015-01-20

Ich habe den Case für die Raumluftüberwachung nicht so ganz verstanden - was Neues für Helikoptereltern? ;)

Ingo Seifert, 2015-01-20

Der Case ist simpel: die Luft im Raum ist zehn mal schlechter als draußen. Wenn das Ding anschlägt, ist Lüften angesagt. Und nein, Deine Nase findet diese Schadstoffe nicht.

Volker Weber, 2015-01-20

Wir kamen aber auch alle bisher ganz gut klar... also auch mit Kindern. Oder irre ich mich? Wenn ich Deinen Bericht lese, sind es Schadstoffe, die ich durch mein Einkaufverhalten sehr stark beeinflussen kann. Falscher Pack-an aus meiner Sicht.

Ingo Seifert, 2015-01-20

> Wir kamen aber auch alle bisher ganz gut klar

Absolut. Das ganze Zeugs, das ich ausprobiere, löst Erste-Welt-Probleme. Eines dieser Probleme ist, dass unsere Fenster immer dichter werden und die Wohnung besser isoliert. Da ist mancher versucht, möglichst wenig zu lüften. Wer jede Nacht alle Schlafzimmer "auf Kipp" lüftet und jeden Tag einmal die Bude durchlüftet, wird den ganzen Dreck los, den billige Möbel, Teppiche, Schuhe etc. so auslüften.

Unser Haus enthält etwa 500 Kubikmeter Luft und tauscht etwa 150 Kubikmeter pro Stunde aus. Aber ein paar Häuser weiter leidet ein kleiner Junge an Asthma. Und zwar nur, wenn er zu Hause ist. Da kann man dann schon mal gucken, oder?

Volker Weber, 2015-01-20

Volker, Ragnar meint sicher, dass man Kinder, die noch schreien (im Sinne von nicht reden können oder noch nicht das Telefon benutzen können) eher nicht wirklich alleine lässt.

Eine Anwendung der Kamera für größere Kinder (Party) oder Hunde (Schuhe) liegt da schon näher.

Peter Meuser, 2015-01-20

@Peter: meinst du nicht, die etwas grösseren Kids drehen der Kamera einfach den Saft ab? ;-)
Ich finde die Idee reizend, aber auch im negativen Sinne, wie immer wenn Cloud- oder Online Lösungen involviert sind. ich habe nichts zu verbergen, möchte aber auch nicht eine Kamera in unser Heim öffnen, die garantiert geknackt werden kann.

Chris Frei, 2015-01-20

Chris, wenn die Kids der Kamera den Saft abdrehen, ist es bestimmt Zeit mal vorbeizuschauen. Bei mir reicht es übrigens anzudeuten, ich könnte auch von der Ferne mal hereinschauen. Das hat aber nur mit "Glaube" an die Möglichkeiten des Gadget-verliebten Dads zu tun ...

Peter Meuser, 2015-01-20

Volker, bin ja bei Dir - aber da sollte dann ein Profi mit einer Luftanalyse ran und keine Webcam, oder? Ich hole mir bei Bluthochdruck auch kein Microsoft Band...

Ingo Seifert, 2015-01-20

Und das ist richtig so. Das misst nämlich nur den Puls, nicht aber den Blutdruck. Withings dagegen hat ein Gerät, das den Blutdruck misst und aufzeichnet.

Volker Weber, 2015-01-20

Bin ich jetzt der einzige, der das Ding einfach nur creepy findet?

Thomas Cloer, 2015-01-21

>>Home ist der perfekte Baby-Monitor

Der perfekte Baby-Monitor ist Mami oder Papi und die sind nicht weiter als Hörweite vom Baby entfernt

Felix Binsack, 2015-01-21

Mich würde interessieren, wie sich die Kamera bei ständigen Bewegungen verhält. Werden dann ununterbrochen 5 Sekunden Videos aufgenommen oder gibt es eine (einstellbare) Zeitspanne zwischen 2 Aufzeichnungen?

Meiner Meinung nach fehlen (bisher) 2 sehr wichtige Funktionen:
- Zeitpläne
- Geofencing

Für den immer wieder gepriesenen Zweck fehlen mir die Kleinkinder.

Harro Quitzau, 2015-01-22

Sagen wir mal so: wenn die Kinder fehlen, brauchst Du vielleicht keine Kamera. Und nein, einstellen kann man gar nichts. So ich das in meinem Log sehe, vergehen 5 Minuten zwischen zwei Aufnahmen, wenn dauernd neue Bewegungen kommen.

Volker Weber, 2015-01-22

Ich dachte, Kipp-Lüftung sei doof:

http://www.energiebuero-online.de/bauphysik/richtigluften.htm

Andrew Magerman, 2015-01-23

Ist sie auch. Kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung ist aber OK, ja?

Volker Weber, 2015-01-23

Hallo zusammen,

ich habe die Home als Ersatz für eine nicht zufriedenstellend arbeitende Dropcam gekauft und bin noch nicht so richtig überzeugt.
Wie sieht es denn bei vowe mit der Bewegungserkennung aus? Ich habe den Eindruck die Kamera registriert nur Bewegungen, die in unmittelbarer Nähe zur Linse stattfinden.
Ich habe mir gerade in 2-3 m Entferung den Wolf gewunken, getanzt und gehüpft, da wurde leider nichts erkannt.
Was meiner Meinung ebenfalls fehlt, ist die Möglichkeit das Mikrofon abzuschalten, falls man die Tonüberwachung etc. mal nicht benötigt.

Die Dropcam war Lehrgeld, da aus USA bezogen und der Support war unterirdisch. Eine Standardantwort, danach Schweigen im Walde. Würden die doch alle so arbeiten wie der Sonos Support...

Ach ja, creepy findet man die Teile nur so lange, wie man zuhause nicht mal nach dem Rechten schauen möchte....der letzte Einbruch in der Nachbarschaft (Samstags mittags gegen 12:00 Uhr) ist noch nicht lange her.

Michael Schnatmann, 2015-02-23

Bewegungsfreiheit geht eigentlich sehr gut. Wenn der Hund irgendwo durchs Bild läuft, dann zeichnet Home das auf. Du kannst die Alarmierung bei Tönen ausschalten. Und im 24h-Video ist das nicht drin.

Volker Weber, 2015-02-23

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