Die ideale Kamera

by Volker Weber

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Als technischer Laie glaubt man gerne, dass man nur einen Experten fragen muss und viel Geld investieren, dann kann man die ideale Kamera kaufen. Und das geht überhaupt nicht. Und zwar vor allem, weil jede Kamera ein Kompromiss ist. Irgendwas geht immer den Bach runter.

Beispiel Panasonic FZ1000: 16-fach Zoom, mit dem man alles fotografieren kann, egal ob nah oder fern. Zu einem sehr ordentlichen Preis. Problem: Das Trumm passt in keine Jackentasche. Es gibt keine Kameras, die etwas kleines, schnell bewegtes wie einen fliegenden Vogel abbilden können, und gleichzeitig klein sind. Die FZ-1000 ist schon ziemlich klein für diese Anforderung. "Richtige" Objektive, die mindestens Blende 2.8 können und das über den ganzen Bereich, sind oft so lang wie ein Unterarm.

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Wie gesagt, auch die FZ1000 ist ein Kompromiss. Für das doppelte Geld gibt es einen viel größeren Sensor und ein f/2.8-Objektiv in der Sony RX10 Mk2. Das Kürzel Mk2 sagt schon, das ist die zweite Version. Kauft man die, gibt es bestimmt bald die Mk3. Genau das ist passiert. Die Mk2 hat eine maximale Brennweite von 200mm und liegt damit hinter der FZ1000. Was macht Sony? Eine Mk3 mit 600mm. Also nochmal dreifache Vergrößerung. Das kostet nicht nur Geld, sondern braucht auch Platz, ist dabei aber nicht größer als eine FZ1000:

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Und wie passt jetzt ein 600mm-Zoom in das doch nicht viel größere Gehäuse? Mit einem weiteren Kompromiss. Das kann nämlich kein f/2.8 von Weitwinkel bis Tele, sondern hat am Tele-Ende nur f/4.0 und beim Weitwinkel dafür f/2.4. Wer also weit entfernte Motive heranholt, braucht viel Licht. Kleinere Blende und größere Entfernung.

Egal wieviel Geld man investiert, nächstes Jahr kommt dann das nächste Modell, das noch mehr kann, und der Preis des guten (alten) Stücks fällt in den Keller. Man vergleiche mal X-Pro1 und X-Pro2. Wieder ein Kompromiss, hier beim Preis. Besser das ältere Modell kaufen, das vor zwei Wochen noch super war?

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Mein Rat: nimm die Kamera, die Du hast. Solange bis Du das allerletzte herausgeholt hast, was sie kann. Und wenn das nicht mehr reicht, wirklich nicht mehr reicht, dann kaufe etwas Größeres. Etwas viel Größeres. Dann meinst Du es ernst und schleppst die Kamera wirklich mit.

Profis wie Teymur haben einen Koffer voll Kameras und Glas dabei. Und einen Assistenten. Oder ein iPhone.

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Links Teymur, rechts vowe. Man beachte, das Objektiv links hat auch nur 200 mm Brennweite bei f/2.8, wie die sehr viel kleinere Sony RX10 Mk2. Das ist also noch nicht die ganze Story. Daumenregel meines alten Chemielehrers: Viel Pril hilft in der Regel viel.

[Alle Größenvergleiche mit camerasize.com]

Comments

Lustig, die FZ1000 hatte ich gestern erst in der Hand. Ein schickes Teil, aber ich kann mich gerade für den Urlaub nicht mit solchen Größen anfreunden. Vielleicht in ein paar Jahren, wenn ich eben aus meiner Kamera wirklich alles raus geholt habe. ;) Mein aktueller Kompromiss, auch bezüglich des Preises, ist eine Canon G7X. Die ist noch recht handlich, hat für ihre Dimensionen aber einen recht großen Sensor und gute Blendenwerte. Dafür kann das Objektiv nur 4x vergrößern, für mich das größte Manko.

Daniel Haferkorn, 2016-04-19

Sehr gut beschrieben! Obwohl ich das nich erwartet hätte, ertappe ich mich dabei, immer öfter die gute alte Spiegelreflex zu Hause zu lassen und auch längere Urlaubsreisen ausschließlich mit dem iPhone zu dokumentieren. Die Nikon kommt nur noch mit, wenn Aufnahmen absehbar für spezielle Zwecke gefertigt werden, welche die Flexibilität und Abbildungsqualität einer solchen Kamera auch wirklich erfordern. Und selbst dann sind die schönsten Bilder nicht selten auf dem iPhone ...

Tobias Vogel, 2016-04-19

@Tobias - genauso hier. 100% Übereinstimmung (inkl. großer Nikon)

Bernd Schuster, 2016-04-19

@Tobias @Bernd

Gilt auch für mich, auch mit großer Nikon. Ich bin manchmal einfach zu faul die riesige Kamera den ganzen Tag mitzuschleppen.

Und es gibt die beste Kamera: Das ist die, die man immer dabei hat.


Und ich stelle mal eine gewagte Theorie auf: 95% aller Nutzer einer größeren Spiegelreflex nutzen nicht mal annähernd die Möglichkeiten der Kamera. Das gilt für mich natürlich auch.

Karl Heindel, 2016-04-19

Bhahahaha. Man könnte meinen ich muss was kompensieren. Aber wie mit allem ist es bei Kameras auch so... ab einem gewissen grad an Interesse oder Bedürfnis gibt es fast nur noch Kompromisse.

Teymur Madjderey, 2016-04-19

Ich bin sehr zufrieden mit der Bridgecam Nikon P-900.
Zugegeben, sie ist nicht superkompakt, aber dafür, dass ich sonst Nix schlepoen muss, einfach nur ein phänomenaler 82-fach Zoooooooomer.

Uwe Papenfuss, 2016-04-19

Naja F4.0 bei 400mm als dunkel zu bezeichnen halte ich dann schon für übertrieben. Die DSLR Linsen, gerade die Teles, sind natürlich auch deswegen so groß weil sie einen wesentlich größeren Bildkreis ausleuchten. Zum Vergleich: Gegenüber dem 1 Zoll Sensor einer Bridge (und das ist schon "groß") ist der Kleinbildsensor, welchen das 70-200/2.8 ausleuchtet, über 7 Mal so groß!

Und das ist dann auch der größte, fast einzige Kompromiss bei den Bridge Kameras: kleiner Sensor = wenig Licht, egal ob da F2.8 oder F4 draufsteht. Denn, Optik lässt sich nicht durch Elektronik überlisten, ein Grund weswegen man den Fotos einer 12 Jahre alten EOS 5D (großer Sensor!) eben nicht das Alter ansieht. Deswegen kann man die alte XPro1 auch bedenkenlos kaufen, gute Fotos macht Sie auf jeden Fall, die neuen Kameras haben eben u.a. bessere Sucher oder schnelleren Autofokus.

Roland Dressler, 2016-04-19

Ich bin mit der FZ-1000 sehr zufrieden: Mein Sohn macht mit MEINER Kamera klasse Videos. Für das Geld bekommt man sonst kaum flexiblere Aufnahmemöglichkeiten bis 4K in einem eigentlich handlichem Format. Natürlich kann man für den Preis keine Wetterversiegelung erwarten. Ach ja, Fotos kann sie auch. Die mache ich dann. So sind die Anforderungen von jedem anders.

Peter Meuser, 2016-04-20

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