Was ist da eigentlich bei Apple passiert?

by Volker Weber

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Apple hat gestern ein Produkt angekündigt, das es dieses Jahr noch nicht zu kaufen gibt. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass sowas schon jemals passiert ist. Das müssen wir mal aufdröseln.

Was ist passiert? Apple lädt fünf Apple-freundliche Journalisten ein, setzt sie mit dem Top-Management (ohne CEO) an einen Tisch und erklärt ihnen, dass Apple an einem neuen modularen Mac Pro arbeitet. Apple gibt dabei zu, dass der aktuelle Mac Pro kaum zu erneuern ist. Apple verspricht den anwesenden Journalisten, weiterhin professionelle Anwender mit geeigneter Hard- und Software zu versorgen.

Was ist das Problem? Apple hatte 2013 den Trashcan-Mac als Ablösung des Cheesegraters (siehe Bild) päsentiert. Mehrere CPUs, mehrere GPUs, sehr kompaktes Design, sehr leise, erweiterbar über Thunderbolt. Dieses Gerät wurde niemals signifikant aufgewertet, wird aber nach wie vor zu einem stolzen Preis verkauft. Jetzt steht ein kleines Upgrade ins Haus, das ohne Einnordung dieses inneren Zirkels von Journalisten als völlig unzureichend gewertet würde. Diesen Schlag galt es abzuwehren.

Apple hat mit dem Trashcan zwei Wetten verloren: Statt mehrerer kleiner GPUs mit paralleler Verarbeitung setzt der Rest der Welt auf einzelne Monster-GPUs, die ordentlich Kühlung brauchen, und die sich im Trashcan nicht unterbringen lassen. Und die zweite Wette? Erweiterung allein über Thunderbolt.

Das ambitionierte Design des Trashcan ist verständlich, wenn man sich anschaut, was Apple sonst so von iPhone bis iMac baut: hochintegriert, möglichst kompakt und schlank, nicht erweiterbar, lautlos bis sehr leise. Akkus werden in den kleinsten Ecken versteckt, Mainboards immer kleiner, Lüfter wenn möglich verbannt. Das passt nicht zu den Anforderungen im Pro-Bereich: maximal schnelle Grafik-Pipeline, hohe Performance bei CPU und GPU, blitzschnelles I/O auf Speicher mit hoher Datenrate. Mit einem (von vorne nach hinten) beinahe durchsichtigen Gerät wie dem Cheesegrater ging das, mit dem Trashcan nicht. Und so ein schnelles neues System muss her, wenn Apple ernsthaft VR machen will.

Apple sagt nicht, wann sie die Sackgasse erkannt haben. Aber sie sagen, sie konstruieren eine neue Baureihe mit einem modularen System, das ausreichend Reserven für Upgrades hat. Mir würde ja das Gehäuse da oben gefallen. Aktuell ist es nur ein Beistelltisch mit veralteten G5 CPUs.

cheesegrater

Eine kleine Nebenbemerkung: ich finde das neue iPad interessant. Weniger Integration, weil Display nicht mit dem Frontglas verklebt ist. Das ist billiger herzustellen und auch billiger zu reparieren. Damit wird es ein bisschen dicker, ein bisschen schwerer, ist aber am Ende vielleicht doch das bessere Gerät. Ich kann mir vorstellen, dass bei Apple auch schon ein paar Leute an modularen Macbooks arbeiten. Das fände ich ziemlich "Pro".

Comments

Das Pendel schlägt einfach mal wieder in die andere Richtung. Nachdem der Brite in seinem weißen Raum jahrelang alles dünner machen durfte, um dann liebevoll über 73x poliertes Aluminium zu streicheln, setzt jetzt wieder Vernunft ein.

Martin Kautz, 2017-04-05 14:53

Das finde ich jetzt ein bisschen von oben herab. Und damit sehr klein. Einem Ralph Groene von Microsoft würde sowas nie rausrutschen. Aber das ist auch ein großer.

Volker Weber, 2017-04-05 14:56

Ich werde nur alt und kann mit dem neumodischen Quatsch nicht mehr umgehen. Den nächsten Computer mit richtiger Tastatur und Floppy hat bestimmt manufactum für mich. :-)

Martin Kautz, 2017-04-05 15:36

Das ist die richtige Melodie. ;-)

Volker Weber, 2017-04-05 15:47

Ich habe mit großen Interesse den Artikel von Gruber gelesen. Vielleicht wird es dann für meinen 2006er MacPro einen würdigen Nachfolger geben. Das wird (hoffentlich) nächstes Jahr sehr spannend. Ich fürchte mich allerdings vor dem Preis, ich schätze in der Preisregion des ersten MacPro wird sich das nicht mehr bewegen.

Aber letztlich ist das auch nicht schlimm, eine so große Kiste benötige ich gar nicht mehr.

Karl Heindel, 2017-04-05 16:23

Sorry, hab was vergessen:

der erste MacPro ist für mich noch immer einer der besten Computer, die je gebaut wurden. Abgesehen natürlich von den PCs, die ich selbst zusammengeschraubt habe.

Er hatte alles, was man von einem Rechner erwartete. Bei mir stand das Ding sogar auf meinem Schreibtisch :-). Schaut mal hinter die seitliche Klappe, der Aufbau, die Erweiterbarkeit, das Fehlen sichtbarer Kabel etc.

Karl Heindel, 2017-04-05 16:27

Ja, das finde ich auch. Und ich bin zuversichtlich, dass Apple das wieder hinkriegt.

Volker Weber, 2017-04-05 16:46

Und "Pro Displays". Spannend, wie ich finde. Dass auch Apple irrt, ist selbstverständlich. Dass sie so offen kommunizieren finde ich gut.

Moritz Petersen, 2017-04-05 18:19

Volle Zustimmung, Karl.
Alleine schon das Material des Gehäuses. 3mm Aluminium. Da können PCs nur davon träumen.

Bin gespannt was da kommt von Apple. Ich würde mir wünschen, dass der (ganz) neue Mac Pro zumindest im Bereich Massenspeicher wieder wie die Käsereibe (vom User selbst) mit Standardkomponenten (SATA-Festplatten, m.2 SSDs) bestückt werden kann. Das wäre für mich definitiv ein Kaufargument. Aber ich fürchte, Apple wird das Rad wieder komplett neu erfinden.

Ich schätze mein 2010er Mac Pro muss noch bis 2018 durchhalten. Ohne den neuen Mac Pro gesehen zu haben, werde ich mir jedenfalls keinen iMac kaufen.

Manfred Wiktorin, 2017-04-05 18:33

Apple hat doch ganz andere Probleme. Die konnten zumindest immer die Bastion "Marketing" in jedem noch so großem Unternehmen halten und natürlich die ganzen Querdenker (positiv gemeint) die auch in jeder Company zu finden waren. Inzwischen geht selbst in der Medienbranche der Trend weg vom Macbook, hin zu Surfaces & Co. Das zumindest meine subjektive Wahrnehmung, völlig frei von Zahlen und Fakten.

Die Antwort auf das "Warum" ist einfach: Das Betriebssystem ist inzwischen leicht verstaubt. Oder, einfach heruntergebrochen: kein Touch! Surface Studio ist schon eine Kampfansage von MS in Richtung der Apple relevanten Zielgruppe.

Wenn die Kluft zwischen iOS und OS-X nicht schnellstens geschlossen wird, dann sind die Mac Pros und auch die Macbooks bald echte Nischengeräte. Gut für Manufaktum Käufer, aber nicht für mid-20s Hipster in der "irgendwas mit Medien" Branche. Und da hilft auch kein Alu.

Meine Meinung.

Roland Dressler, 2017-04-05 20:04

Ich kann mir Deine Theorie zwar vorstellen, aber die Zahlen geben das nicht her. Apple verkauft mehr Macbooks, während der PC-Markt schrumpft. iOS ist sowieso größer als macOS und ich kann mir vorstellen, dass da die Zukunft liegt, auch wenn das iPad gerade schwächelt.

Volker Weber, 2017-04-05 21:35

@Roland: Wenn sich die Kluft zwischen iOS und macOS schließen würde, würde mir die Entscheidung zwischen iPad (Pro) und MacBook schwer fallen. MS ist da in einer besseren Position.

Aber ich bin auch kein mid-20s Hipster mehr ;-)

Torsten Hoffmann, 2017-04-06 08:13

Der andauernde fullscreen mode von MacOS alleine sorgt schon dafür dass ich diesen Kommentar gerade von einer Linux Maschine schreibe.

Und die Tatsache dass Apple die Hardware quasi in ein verschweißtes Gehäuse rammelt hatte eigentlich die Entscheidung reifen lassen dass mein Macbook Pro 2014 das letzte Gerät werden sollte. Ein modulares Design (wenn auch noch nicht versprochen) könnte das eventuell ändern aber die Konkurrenz ist durchaus ein wenig besser geworden (und sei es durch schlichtes kopieren).

Ist Windows für mich besser als MacOS? Anders würde es wohl eher treffen aber während Windows, im Beruf für mich sowieso ein Muss, durchaus neue, interessante Funktionen für Power Anwender bereit stellt wird MacOS gefühlt immer mehr zum Mediacenter (ohne Blue-Ray).

Der Mac Pro war zugegeben immer außerhalb meines Anforderungsprofils. Letztendlich überstrahlt der Erfolg des iPhone eben alles.

Der Mac Pro auf dem Foto wirkt zeitlos klassisch, wenn auch vielleicht inzwischen ein wenig zu groß.

Henning Heinz, 2017-04-06 11:54

Volker, ich hatte da mein Gefühl nicht mit Zahlen unterlegt. Aber ich habe z.B. einen guten Bekannten in einer recht großen Medienagentur und da ist das schon ein Thema. Allein die Tatsache dass sich dort, bei freier Wahl des Geräts, sehr viele für ein Surface Pro oder Surface Book entscheiden zeigt schon einen gewissen Trend. Das wäre früher in der Branche völlig undenkbar gewesen. Aber sowas von undenkbar. Inzwischen können eben auch andere Hersteller schöne Geräte bauen. Da ist schon Konkurrenz die es früher einfach nicht gab.

Roland Dressler, 2017-04-06 14:52

Henning, Du hast ein Linux Laptop? Mit > 16 GB? Was denn für eins? Bist Du damit zufrieden? Auch für Nicht-Entwickleraktivitäten, z.Bsp. Netflix schauen?

Mariano Kamp, 2017-04-06 19:04

Die Mac Pro Geräte fallen in ein Segment, das man als "Nische" bezeichnen kann. Vor dem Hintergrund wundert mich nicht, dass die Produktlebenszyklen länger sind als bei anderen Geräteklassen. Die CPU Aktualisierungen zwischendurch wären in der Autoindustrie eine "Mopf".

Mich erstaunt eher, dass die Mac Pro Produktlinie nicht komplett ausläuft. So, wie die XServes auch vor einiger Zeit eingestellt wurden.
Wahrscheinlich möchte man den Bildungsmarkt nicht verlieren. Im Geschäftskundenmarkt dürfte der Mac Pro auch keine gewichtige Rolle spielen (im Gegensatz zu Notebooks und iMacs).


Die wirklich rechenintensiven Angelegenheiten werden meines Erachtens immer weiter weg vom Schreibtisch gehen und brauchen all die PS nicht mehr.
Ein heutiger iMac / MBP ist schon so leistungsfähig, dass es gar nicht mehr viele Anwendungsfälle für einen Mac Pro geben dürfte.

Ich denke nicht, dass Apple hin zu modulareren Konzepten geht. Deren Geschäftsmodell war und ist, Geräte "aus einem Guss" herzustellen, an denen der Nutzer möglichst wenig rumschrauben soll. Jeder Steckplatz und Anschluss ist potentiell ein Teil, das Ärger machen kann.

Und man kann gut daran verdienen, neue Bedarfe zu stillen, indem man neue Geräte verkauft.

Die Mac Pros sind / waren nicht so vielseitig erweiterbar wie PC Systeme. Abgesehen von den Massenspeichern war man insbesondere bei Erweiterungskarten recht eingeschränkt (Grafikkarten!).


Was nicht heißt, dass die "Käsereibe" nicht ein sehr durchdacht gebauter, gleichzeitig wertiger und schöner Rechner war. Um bei der Analogie zu Autos zu bleiben, dass war ähnlich durchkonstruiert wie ein Mercedes R129 (der auch einen sehr langen Produktlebenszyklus hatte).

Sven Bühler, 2017-04-06 20:09

@Mariano, leider nein. Neben meinem Macbook Pro arbeite ich auch noch mit gewöhnlichen Desktop Systemen.

Es gibt z.B. von Dell in der Precision Linie 2 Laptops welche bis 32GB hochskalieren und zumindest in den USA auch mit Linux angeboten werden (z.B. das 5520).

Netflix funktioniert, aber generell ist Linux bei mir immer wieder mal mit basteln verbunden.

Henning Heinz, 2017-04-07 01:12

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