WLAN-Mesh für Fritz!Box 7490, 7580 und 7590

by Volker Weber

Sketch

Zur CeBIT hatten wir eine nette Diskussion mit AVM zum Thema Mesh. Die Berliner warben mit Mesh-Komfort, ohne tatsächlich ein echtes WLAN-Mesh zu haben. Da nun gestern Google eine große Welle gemacht hat und ich dann auch noch einen Hilferuf eines Apple-Nutzers mit Airports bekam, kommt die heutige Beta-Version von FritzOS sehr passend.

Was ist ein WLAN-Mesh? Oder besser, was ist ein Mesh-Netzwerk? Sonos betreibt diesen Netzwerktyp seit mehr als 10 Jahren. Normale Netzwerke sehen wie ein Baum aus. Es gibt einen Weg vom Rechner zum Internet, also etwa vom iPhone per WLAN zur Fritzbox und von da aus zur Telekom und in die weite Welt. Wenn die WLAN-Reichweite nicht groß genug ist, dann kann ich einen zweiten WLAN Access Point an anderer Stelle betreiben und den mit Kabel, Powerline oder ebenfalls WLAN mit der Fritzbox verbinden. Nutzt man als Verbindung WLAN, dann spricht man von einem WLAN-Repeater. Der plappert einfach alles nach und erhöht damit die Reichweite, senkt dafür aber möglicherweise den Durchsatz. Um dem entgegenzuwirken, benutzen die Fritz Repeater möglichst unterschiedliche Kanäle für die Verbindungen zu Endgerät und Fritzbox.

Ein Mesh-Netzwerk geht aber noch einen Schritt weiter. Die Verbindungen zwischen den Komponenten sind dynamisch. Ich richte einmal die Basis ein und füge dann einfach weitere Knoten hinzu, die sich mit der Basis und untereinander verbinden können. Spannend ist dabei, dass Schleifen entstehen können. Daten können sozusagen im Kreis laufen, ganz böse ist das bei Broadcasts oder Multicasts. Sonos verwendet das Spanning Tree Protocol (STP), um aus dem Mesh einen Baum zu machen, bei dem die Übertragungswege festgelegt sind. Diese Ausbalancierung wird regelmäßig wiederholt. Auch wenn die Technik eigentlich sehr anspruchsvoll ist, sieht sie für den Nutzer einfach aus. Einmal konfigurieren und dann einfach weitere Knoten hinzufügen. Google hat das perfekt gelöst. Sonos sowieso. Solange alles gut geht, merkt man von der Technik schlicht gar nichts. Das ändert sich allerdings, wenn Netze kompliziert werden. So habe ich einen 24-Port Smartswitch, der selbst gerne STP-Root sein will. Wird er von irgendeiner Sonos-Kiste überstimmt, dann leitet er künftig allen Traffic durch dieses Nadelöhr. Nicht gut. ;-)

Nachdem also Mesh in aller Munde ist, muss AVM was unternehmen und rüstet die Fritzbox entsprechend auf. Um eines klar festzuhalten: eine Fritzbox ist ein wahres Feature Monster verglichen mit den neuen Mesh-Angeboten. DSL-Modem, Router, Gigabit-Switch, WLAN, DECT, Telefonanlage, Fax, Anrufbeantworter, Print Server, File Server, etc.pp. Dazu hat AVM von WLAN-Repeatern und Powerline bis hin zu DECT-Telefonen und Smarthome-Komponenten eine ganze Reihe passender Komponenten.

Mit der neuen Laborversion verbessert AVM nun den Komfort. Zunächst läuft diese Version nur auf den neuesten Boxen 7490, 7580 und 7590, sowie dem Repeatern 1750E und Powerline 1240E. Praktischerweise habe ich eine 7580 und zwei 1750E. Installiert man das Labor auf der Box, dann kann man danach die Repeater sofort mitaktualisieren, ohne diese anzufassen. Einstellungen für WLAN und Gastzugang werden automatisch auf alle Komponenten übertragen. Damit hat man wie bei einem Mesh sofort überall die gleichen SSIDs und Passwörter. Hier kann man nachlesen, was FritzOS damit kann. Entscheidend für den Nutzer ist, dass er nur einmal konfigurieren muss und dass sich die Komponenten per Knopfdruck einbinden lassen und sich künftig untereinander koordinieren.

Was ich noch nicht hinreichend verstehe: wenn sich die Fritz!Box nun direkt mit den Repeatern oder Powerline-Adaptern austauscht, dann bekommt sie ein besseres Bild über die Gesamtlage. Etwa, wie sind welche Bänder im Bereich 2.4 und 5 GHz genutzt? Daraus kann die Box schlauere Entscheidungen zur WLAN-Optimierung durch Band Steering und Autokanal gewinnen. Oder, was passiert, wenn ein mobiles Gerät den Platz wechselt und dann von einem anderen Punkt aus besser erreichbar ist? Darüber würde ich gerne mehr lernen.

Die Fritzbox bleibt für mich aktuell die beste Lösung mit dem geringsten Aufwand und der größten Flexibilität. Ich erweitere lieber diese Box als ein zusätzliches Mesh zu installieren und auf das WLAN der Box zu verzichten.

Comments

Habe vorhin der Beta installiert und bin aktuell sehr begeistert. Die Netzwerkperformance im Haus über zwei Etage hat sich signifikant verbessert. 1x 7580 + 2x1750E. Habe schon lange keine Fritz!Box-Beta mehr installiert - diese lohnt sich auf jeden Fall!

Markus Dierker, 2017-06-27 22:44

die

Markus Dierker, 2017-06-27 22:46

Mir fällt da spontan IEEE802.11s ein. Alle Komponenten reden miteinander sofern sie sich sehen und entscheiden welches Paket sie wohin weiterleiten müssen, damit das Ziel erreicht wird - also quasi wie ein Switch nur mit ohne Kabel. Für die Clients spannt man an allen APs ein zweites Wifi Netz mit der gewünschten SSID auf und transportiert deren Daten über das Mesh Netzwerk. Da überall die gleiche SSID angeboten wird, verbinden sich die Clients mit beliebigen APs (das ist nicht so genau vorhersagbar welches Gerät sich warum mit welchen AP verbindet) und landen somit immer im gleichen Netzwerk.

Habe ich lange so betrieben um Freifunk transparent an mehreren Stellen im Haus rausfallen zu lassen. Da alle Komponenten miteinander reden, war das sogar wegeredundant, wenn mal ein AP weg war.

Stefan Funke, 2017-06-28 16:37

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