Buchpreisbindung

by Volker Weber

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Am Donnerstag bekam ich ein kleines Weihnachtsgeschenk von Microsoft: die gebundene Ausgabe von "Hit Refresh". Das Buch kostet in Deutschland 25 Euro. Die Kindle-Version, bei der kein Blatt Papier bedruckt werden muss, kein Versand bezahlt, keine Lagerfläche belegt wird, kostet 22 Euro. Das ist gefühlt das Doppelte von dem, was ich ansetzen würde. Vergleichen wir mal Amazon.com:

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Audible billiger als Kindle, billiger als Paperback, billiger als Hardcover. Eine Buchpreisbindung gibt es nicht. Der aufgedruckte Preis für das Hardcover beträgt $30, aber der wird nirgends auch erziehlt. Ich denke, das Preisgefüge erklärt, warum eBooks in USA ein größerer Erfolg sind als hier.

Das Taschenbuch, das in USA $14.41 kostet, kann man übrigens in Deutschland für 13.99 € kaufen.

Comments

Die Buchpreisbindung ist eine gute Sache, verhindert dass Bücher zur Ramschware werden und dass sich lokale Buchläden auch in kleineren Orten bzw jedem Stadtviertel halten.

Christian Just, 2017-12-23

Da liegt sowieso die größte Lüge bzw. Unlogik bei der Geschichte mit der Buchpreisbindung.
Ich sehe ja noch ein, dass es einen festen Preis für eine Ausgabe gibt, aber wenn das Taschenbuch eine deutlich billigere Ausgabe als das Hardcover sein kann, wieso kann da ein eBook ohne Materialkosten und physische Produktion teurer sein?

Marcus Kuba, 2017-12-23

Christian, die Buchpreisbindung ist eine funktionierende protektionistische Maßnahme, die ein altes Geschäftsmodell stützt. Sie gilt halt nicht für Menschen, die auch eine zweite Sprache sprechen.

Volker Weber, 2017-12-23

Marcus, das kann sein, weil der Verlag seine Preise einfach diktieren kann.

Volker Weber, 2017-12-23

Die Buchpreisbindung erklärt die irrsinnig hohen Preise für eBooks nicht. Das eBook ist eine Variante des Buches, genau wie Hardcover oder Taschenbuch. Der Verlag könnte den Preis (der dann jedoch für alle eBook Plattformen gleich sein muss) auch einfach niedriger ansetzen als das Taschenbuch.

Was ich vermisse ist ein Kombi-Angebot: für ein, zwei Euro mehr das echte Buch und das eBook. Auch das wäre trotz Buchpreisbindung machbar wenn man nur wollte.

Daniel Meyer, 2017-12-23

Ein Autor hat mir mal geschrieben, dass Ebooks in Herstellung und Distribution gar nicht mal so viel billiger sind. Die Fixkosten für Lektorat, Verlag, Autor(en), ggf. Lizenzen für Bilder, etc. bleiben ja gleich. Der wegfallende Anteil für Druck und Logistik wird teilweise durch die Logistik für die EBooks (Lizenzen für Software, Webshops, ggf. DRM, Server) wieder angeknabbert.
Der Druck eines billigen Paperback kostet nicht viel. Anders wären auch die "Bücher" für ein paar Euro in der Grabbelkiste nicht möglich. Auch daran haben schließlich schon diverse Leute verdient.

Trotz Buchpreisbindung kann ein Verlag heute auch nicht mehr machen, was er will. Amazon spielt teilweise auch hier seine Macht aus und diktiert nach Bedarf das Preisgefüge. Insbesondere, wie hoch der Anteil von Amazon am Endpreis ist, legt natürlich Amazon fest.
Wer als Verlag da nicht mitmacht, läuft Gefahr, nicht gelistet oder schlechter positioniert zu werden.

Kombiangebote gibt es übrigens auch:
Beim Rheinwerk Verlag (früher Galileo) kann man für ein paar Euro mehr jeweils Papier- und digitale Version von Büchern bekommen.

Ich bin mir nicht sicher, ob die Buchpreisbindung heute noch eine gute Sache ist.
Einerseits gibt sie kleineren Händlern eine Überlebenschance, andererseits bezahlen natürlich wir Kunden dieses "überleben" durch höhere Preise.
Ich denke (fürchte?) aber, dass der Gigant Amazon auf Dauer trotzdem den Markt komplett belegen wird.

Die Verlage und die etablierten Buchhändler haben es schlicht verschlafen, frühzeitig ein brauchbares Ebook-Ökosystem oder auch nur einen Versand von Papier-Büchern zu etablieren.
Warum kann ich nicht in einem normalen Buchladen in Büchern herumstöbern und mir dann aussuchen, welche mir dann direkt auf meinen Reader geladen werden?
Oder Bücher, die gerade im Laden nicht vorrätig sind, direkt nach Hause liefern lassen? (Das geht zumindest im hiesigen Laden nicht)
Der Laden könnte doch weiter seine Provision bekommen.

Hans Giesers, 2017-12-24

@Hans Giesers
Nach Hause liefern lassen, Beratung, Veranstaltungen rund um das Buch Krimipakete im Abo und vieles mehr gibt es hier im lokalen Buchhandel.

Und Fachbücher finden ist ein weiteres Spezialgebiet, eine Überblick haben was es so gibt...
In der Stadt gut vernetzt in Initiativen, am Puls der Stadt.

http://www.buchladenammarkt.de/index.php?article_id=4

Markus Philippi, 2017-12-24

Übrigens eröffnet Amazon in großen US Städten wieder Buchläden - sogar in ehemaligen Barnes & Nobles Filialen - in denen man stöbern kann. Sie sind nur anders sortiert, nämlich nach Bewertungen der Leser statt alphabetisch und so dass man sie auch auf den Reader runterladen kann.
Die Buchpreisbindung empfinde ich auch als Anachronismus. Wenn ich für ein Hörbuch (da entstehen ja erhebliche Produktionskosten zusätzlich) weniger bezahle als für ein eBook, dann stimmt was nicht. Problematisch ist halt, dass der Gigant Amazon über einen Preiskrieg alle aus dem Markt drückt und die Nischen dann selber besetzt - siehe oben.

Axel Koerv, 2017-12-24

Man kann jetzt herrlich streiten ob die Buchpreisbindung nutzt oder schadet. Für Beides findet man gleich hier Argumente.
Sie erlaubt kleinen Händlern ein Auskommen.
Gleichzeitig zeigt sich: Innovationen entstehen dort, wo es sie nicht gibt, in diesem Fall den USA.
Amazon hat klein angefangen. Nichts hat hiesige Händler daran gehindert, genau das gleiche zu tun. Evtl auch nichts, außer der Buchpreisbindung. Seine Komfortzone verlässt man selten gerne.

Tobias Hauser, 2017-12-24

@Markus: I like!

Wenn ich ein Buch suche schicke ich eine Mail an meinen lokalen Händler und hole es am nächsten Tag direkt ab. So unterstütze ich die Geschäfte vor Ort und bin genauso schnell wie das Online-Monster.

Karsten Ernst, 2017-12-26

Schön dass sich hier eine Diskussion um die Buchpreisbindung findet. Mir ist diese protektionistische Maßnahme auch ein Dorn im Auge denn ich bin der festen Meinung, dass diese mehr schadet als nutzt. Wo sind denn die vielen kleinen Buchläden die von der Buchpreisbindung profitieren? Ja, es mag sie vielleicht geben und vielleicht ist auch jeder Einzelne wichtig. Aber die Realität ist doch eine ganz andere. In nahezu allen Städten haben sich Thalia/Hugendubel & Co durchgesetzt, ein großer Teil (der Größte?) Stück des Kuchens bekommt dann der große Onlinehändler. Die kleinen Buchhändler werden doch nur vorgeschoben um Tantiemen der Großen zu sichern.
Die Unterschiede sind inzwischen einfach nur absurd. Beispiel. Der neue Ken Follett kostet in Deutschland als EBook 26€, in den USA (ohne Tax) gerade mal umgerechnet 8€. Deutsche Bücher, ins englische übersetzt, sind im Ausland günstiger als die Originalfassung, das nur nebenbei.

Es ist geradezu lachhaft wenn selbst die FDP, die ja immer den freien Markt mit Angebot und Nachfrage fordert, zur Buchpreisbindung schreibt: "Wir Freie Demokraten verstehen die Buchpreisbindung weiterhin als eine wichtige Voraussetzung für den Erhalt der Vielfalt des Bücherangebots zu erschwinglichen Preisen." Lobbyismus in purer Reinform.
Am Ende schafft die Buchpreisbindung nur das Gegenteil von dem was sie eigentlich erreichen soll. Sie limitiert künstlich Ihre Kunden und viele weichen dann auf gute, und günstige amerikanische Literatur. Und lesen eben kein Deutsch.

Roland Dressler, 2017-12-27

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