De-Malaise

by Volker Weber

Thorsten Kleinz hat ein paar tolle Klopper zu De-Mail.

Aktuell haben sich über eine Million Privatkunden bei den De-Mail-Anbietern insgesamt registriert ... - doch Grund zur Freude haben die De-Mail-Anbieter nicht. Denn bereits zum Start des Dienstes hatten sich nach einer massiven Werbekampagne über eine Million Kunden vorregistriert. Seither sind wenige Kunden hinzugekommen - genaue Zahlen veröffentlichen die Unternehmen nicht.

Das war gar nicht schwer. Wer sich für De-Mail registrierte, bekam einen dicken Zalando-Einkaufsgutschein. Wenn man jedermann ein iPhone X verspricht, kann man bestimmt noch mal 10 Millionen Privatkunden gewinnen.

Bei der Deutschen Rentenversicherung, einem der bekanntesten Anbieter für De-Mail-Dienstleistungen, sind im Jahr 2016 gerade mal 4.500 De-Mail-Nachrichten eingegangen.

Die Deutsche Renterversicherung hat ca 15.000 Mitarbeiter und 23.000.000 Versicherte. Also ist das etwa eine De-Mail pro Mitarbeiter alle drei Jahre oder von jedem Versicherten eine einzige De-Mail in 5.000 Jahren. Die könnte man wohl billiger mit dem Taxi bringen.

Ab 2018 will die deutsche Telekom im Basistarif 39 Cent für den Versand einer Nachricht berechnen - Sonderdienste wie "Einschreiben" kosten extra.

Ich hätte da einen Vorschlag. Einfach abschalten und nicht mehr drüber reden.

Comments

Inzwischen ist der de Mail Dienst wohl technisch in Ordnung.

Sie haben es nur klassisch so richtig verbockt. Die angeblich sichere E-Mail konnte nicht Ende zu Ende verschlüsseln, weil sie an den Knotenpunkten „nach Viren gescannt“ werden musste. Das hat nach Snowden natürlich jeder geglaubt.

Inzwischen kann das Ding wohl Ende zu Ende.

Aber der erste Eindruck zählt. ;) Will halt keiner mehr.

Wenn jetzt noch Geld dafür genommen wird der Dienst sicherlich durch die Decke gehen.

Johannes Matzke , 2017-12-28

Irgendwer wird wahrscheinlich argumentieren, jetzt haben wir da schon so viel Geld reingesteckt, da können wir das nicht abschalten.
(Ja, ich weiss es sunk costs bzw die sunk cost fallacy sind. Viele aber nicht)

Armin Grewe, 2017-12-28

Zum Abschalten: In NRW z.B. müssen Behörden ab dem 01.01.2018 "Zugänge zum Empfang von DE-Mails (...) einrichten (EGovG NRW)".
In anderen Bundesländern / beim Bund schaut das wohl ähnlich aus. Der Gesetzgeber(tm) hat sich entschieden, DE-Mail als ein sicheres Kommunikationsmittel in Gesetze zu gießen...
Nur als Info.

Michael Oehme, 2017-12-28

Genau DAS ist das Problem. Gesetzgeber schreibt eine technische Lösung vor. Aber so wie man Gesetze beschließen kann, kann man sie durch ein neues Gesetz auch wieder aufheben.

Volker Weber, 2017-12-28

Das ist soweit korrekt. Wenn man sich allerdings anschaut, wie lange es gedauert hat qeS / DE-Mail per Gesetz vorzuschreiben kannst Du Dir ausdenken, wie lange es dauert, dass Gesetz wieder aufzuheben... Oder fällt Dir jemand ein, der das innerhalb der nächsten 3,5 Jahre kippt? Ich bin da eher skeptisch...

Michael Oehme, 2017-12-28

Die DE-Mail ist nicht nur in den eGovernment-Gesetzen des Bundes und der Länder fest verankert, sondern künftig auch ein sicherer Übermittlungsweg für Schriftstücke, die in gerichtlichen Verfahren einzureichen sind, vgl. etwa § 174 Abs. 3 S. 3 ZPO (etwa neben EGVP, das für Privatpersonen weniger benutzerfreundlich ist). Das wird also so schnell nichts mit dem Abschalten :-)

Jan Spoenle , 2017-12-28

Behörden machen das beBPo (das besondere elektronische Behördenpostfach), Anwälte bekommen ihr beA (das besonde elektronische Anwaltspostfach), damit braucht man für Komminukation mit Gerichten wohl kein De-Mail. (Das niemand will. Das Land Niedersachsen hat IHMO bis heute kein Gateway.)
Einzig die Steuerberater, die mit den Finanzgerichten kommunizieren müssen, sind wohl nun gekniffen, weil die das beA nicht bekommen und das beBPo erst recht nicht. Und da die Steuerberaterkammern nichts eigenes haben, bleibt denen nur De-Mail. Die armen …
https://www.haufe.de/steuern/kanzlei-co/elektronisches-postfach-fuer-steuerberater-ab-112018_170_428368.html

Marc Patermann, 2017-12-28

Und warum nicht mehr drüber reden? Damit auch das in ein paar Jahren wiederholt? Bitte, als schlechtes kann es doch noch gute Dienste tun. Und solange es noch weiter betrieben wird und den oben zitierten Durchsatz beibehält, wirkt es vielleicht sogar noch besser. Eine teure Abschgreckung, zugegeben...

Ragnar Schierholz, 2017-12-28

@Marc Patermann: Das beA ist aufgrund von Sicherheitslücken ja auch erstmal gestoppt https://www.haufe.de/recht/kanzleimanagement/bea-postfach-wurde-wegen-sicherheitsmaengeln-gestoppt_222_435650.html
Leider hat Atos bei der Einführung geschludert http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/mehr-wirtschaft/wegen-hacker-gefahr-gestoppt-sicherheitsluecken-im-elektronischen-anwaltspostfach-15360516.html

Marco Schirmer, 2017-12-28

DE-Mail wird in den nächsten Tagen und Wochen unter Anwälten ungemein populär werden.

RA Andreas Schwartmann, 2017-12-28

@Marc Patermann: beBPO ist nur für die Kommunikation zwischen Behörden und Gerichten. Behörden untereinander dürfen "normales" EGVP benutzen.
EGVP hat einen hässlichen (JAVA-) Client, das ist nicht mehr zeitgemäß.
**Technisch** gesehen wäre EGVP die Lösung für elektronische interbehördliche Kommunikation in D gewesen (leider dominieren da noch Fax und unverschlüsselte E-Mail).
Meine These ist ja, dass mit dem "De-Mail-Zwang" für Behörden die Investitionskosten zum Teil reingeholt werden sollen …

Btw: hat jemand vergleichbare Zahlen für den E-Postbrief der Post?

Stefan Domanske, 2017-12-29

Wir haben seit letzem Sommer ein zentrales Gateway zur Anbindung von rund 100 Standorten in Betrieb. An unserem Standort sind bislang 2 (in Worten zwei) DE-Mails eingegangen. Beides waren Testmails von T-Systems. 8-D

Für den Versand nutzen wir mangels DE-Mail auf Empfängerseite u.a. das EGVP.

Markus Mews, 2018-01-02

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