Außen heiß, innen kühl

by Volker Weber

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Das sind die Innen- und die Außentemperatur hier in Bessungen. Dieses Gefälle hat eine Vorgeschichte.

2003 haben wir in unserer alten Wohnung schrecklich gelitten. Ein Haus vom Anfang des 20. Jahrhunderts mit dicken Mauern, die sehr lange der Hitze standhalten, aber sich dann in einen Backofen verwandeln, wenn die Hitze zu lange anhält. Immerhin waren die Decken 3,50 m hoch, so dass die Luft nicht gar so drückend war. Heiße Luft oben, kühlere Luft mit Sauerstoff unten und ein Futon in 20 cm Höhe. Trotzdem alle Fenster auf, Ventilator an und den Krach von der Straße ertragen. Nach mehr als 15 Jahren war die Miete lachhaft niedrig, dafür die Energiekosten hoch.

Irgendwann las die Scheffin mir etwas zum Thema zeitgemäßes Heizen vor. Ein Jahr später, nach langen Verhandlungen und vielen schlaflosen Nächten sind wir dann in ein modernes Haus umgezogen. An die nur 2,70 m hohen Decken habe ich mich schnell gewöhnt. Dafür gab es eine ordentliche Isolierung, große Fenster und eine Wärmepumpe. Und an dieser Stelle haben wir eine richtige Entscheidung getroffen. Wer eine Erdsonde hat, der kann nämlich nicht nur heizen sondern auch mit relativ geringem Aufwand kühlen. Dazu laufen zwei Wasserkreisläufe im Haus und durch die Erde, dazwischen ist ein einfacher Wärmetauscher. Die Wärmepumpe selbst steht. Die Erde ist in 100 m Tiefe aktuell deutlich kälter als die Außenluft und damit entsteht ein Gefälle, das Energie aus dem Haus in die Erde überträgt, ganz ohne Klimaanlage.

Wenn man eine Wärmepumpe baut, dann sollte man sich diese Option überlegen. Ich habe sie nicht jedes Jahr gebraucht, aber bei der aktuellen Hitzewelle ist sie sehr nützlich.

[Ja, ich habe nur ein Bratenthermometer :-)]

Comments

Also das linke Thermometer zeigt an "Schwein" ... gehabt
das rechts ist schon jenseits von "Huhn" und das wohl draußen und nicht im Haus.

Mächtig, mächtig warm auch hier im Norden und der gefühlt erste Niederschlag seit 10 Tagen - aber eher 4 Minuten dicke Tropfen, die 10 Minuten später wieder in den Wolken waren.

Die Beschreibung der Altbauzeiten mit dem Futon erinnert mich an die Studentenzeiten und Berlinbesuche der 80er, ebenso die Heizkostenabrechnung als fast 1. Miete, denn warm wurde es im Winter höchstens, wenn man das Futonbett in luftigen Höhen zum Stockbett + erhob. Und dazu gab es so einen besonderen Geruch gerade im Sommer, wenn man "in die Kühle eintrat". Und auch die morgendliche Abwägung mit dem Deal "Biete Kühle und Frische gegen Straßenlärm" ist noch in Erinnerung geblieben. So muss - im Rückblick - Wehmut klingen, während der Auszug damals sozusagen "nicht schnell genug gehen konnte".

Auf alle Fälle ist eine Erdsonde etwas Feines, solange es bei der Bohrung kein Drama gibt, denn des einen Glück ist da des anderen Leid, wenn der Nachbar seinem Nachbar folgt und am Ende scheitert, weil ausgerechnet sein Bohrloch eine was auch immer geartete geologische Formation aufweist und doch nur 50m weg ist vom anderen Bohrloch. Mir ist jedenfalls seit den wärmeren Sommern der später 90er (zumindest im Ländle) die zunehmende "Bohrungsfreude" im näheren Umfeld aufgefallen und das diese Häuslebauer sich heute vornehmlich am warmen Sommer erfreuen, wenn die Kühlung greift, vor allem unter dem Dach / Studio.

Dann mal guten Appetit beim "Huhn" im Backofen.

John Görken, 2018-07-25

Wir sind dieses Jahr auch in ein neues Haus mit Sole-Wärmepumpe (von Alpha Innotec) gezogen, haben aber nicht die Kühlungsoption des Geräts genommen. Ein Nachbar hatte sich zwar dafür entschieden, ich habe nach einiger Recherche die Option für nicht so wichtig gehalten. In diesen Tagen wäre es sicherlich hilfreich gewesen, im Wohnzimmer hatten wir vorhin 25,9 Grad. Eine andere Nachbarin klagte neulich, dass sie 27 Grad hätten, das dürfte heute noch schlimmer sein. :-/

Thomas Meyer, 2018-07-25

Die haben wir auch. Und bisher habe ich die Kühlung noch nicht oft gebraucht. Habe halt darauf gewettet, dass das Wetter extremer wird.

Du musst bei diesen Häusern aufpassen, dass die Sonne nicht reinscheint. Ist es erst mal warm drinnen, dann bleibt es das auch, weil die Dämmung außen ist.

Volker Weber, 2018-07-25

Haben wir auch. In Verbindung mit Grundwasser. Man muss aber aufpassen (also messen), dass man da den Taupunkt nicht in den Estrich bekommt. Man kann also nicht beliebig kühlen.

Helmut Weiss, 2018-07-25

Große Fenster sind eigentlich nicht so toll, was den Hitzeschutz anbelangt. Das merke ich in meinem Anbau aus 2010, der mit vielen großen Fenstern ausgestattet ist und aus drei Himmelsrichtungen Sonne einfängt. Schlauerweise meinte mein Architekt, außenliegender Sonnenschutz sei nicht nötig.
Dafür habe ich in der Übergangszeit dort lächerlich wenig Heizungsbedarf.

Im Hochsommer halte ich mich lieber im renovierten Altbau (19. / frühes 20. Jh.) auf, mit üppigen Wandstärken und verhältnismäßig wenig Fensterfläche.

Wärmepumpe ist schön, wenn die individuellen lokalen Voraussetzungen passen.

Sven Bühler, 2018-07-25

Das ist sträflich. Sonnenschutze haben wir natürlich.

Volker Weber, 2018-07-25

Hallo Volker,

Wir fangen bald an zu bauen (sobald die Genehmigung da ist 😂). Wir werden auch eine Wärmepumpe bekommen mit Erdwärme (also Sole Wasser Wärmepumpe). Hast du eine solche auch oder Wasser Wasser also mit Grundwasser? Ich bin ehrlich gesagt sehr überrascht dass du 21/22 Grad im Haus hast. Man sagte uns über die Kühlfunktion via Fußbodenheizung kann man nicht wirklich viel erreichen vllt 2-3 grad runter aber dass sie eine konventionelle Klimaanlage hier deutlich besser machen würde. Bei dir sehe ich aber ja null bedarf für eine Klinaanlage?

Mario Eichling, 2018-07-26

Wir haben eine Sole-Pumpe mit einer Bohrung, so viel ich weiß etwa 150 m tief. Die Kühlung hat keine Chance, wenn man große Mengen an Wärme ins Haus lässt. Das schafft nur eine Klimaanlage, mit sehr viel höherem Strombedarf.

Ich musste mich als Student sehr anstrengen, um Thermodynamik zu verstehen und vor allem auch zu bestehen. :-) Was blieb, ist das Denken in Systemgrenzen. Wir schaffen mit der Kühlung über möglichst große Flächen rund um die Uhr Wärme aus dem Haus, aber wir lassen nur wenig rein. Die Luft wird bei uns kontrolliert ausgetauscht, d.h. alle Zuluft geht durch einen Wärmetauscher, durch den auch die Abluft strömt. Damit kühlt die Abluft die Frischluft (im Sommer) oder wärmt sie an (im Winter). Die Fenster können zu bleiben und dennoch wird die Luft alle paar Stunden komplett ausgetauscht. Aktuell lüfte ich dann noch komplett in den Morgenstunden, wenn es draußen kühler als im Haus ist. Auch das schafft Energie raus. Während die Fenster im Sommer abgeschattet sind, lasse ich im Winter viel Sonne rein, wenn sie dann mal scheint. Ergebnis: ca 20 kWh pro qm "beheizter" Fläche.

Volker Weber, 2018-07-26

Ja, das haben wir leider verpennt. Luft-Wasser-Wärmepumpe, keine Kühlfunktion, Holzständer, topisoliert. Jetzt 28+ Grad Innentemperatur. Und ich tausche im Sommer den Wärmetauscher gegen einen Dummy aus, da sonst die Abluft die Zuluft nachts noch anheizt.

Immerhin hat die Temperatur einen hohen WAF bei uns ;-)

Oliver Regelmann, 2018-07-26

Ja, den Wärmetauscher habe ich anfangs im Sommer auch rausgenommen, aber festgestellt, dass das ein Nettogewinn ist, wenn ich tagsüber die Zuluft abkühle. Bei den topisolierten Häuser ist es wirklich schwierig, die Wärme loszuwerden, weil die Masse "innen" ist.

Volker Weber, 2018-07-26

Natürlich achten wir darauf, die Sonne gerade gar nicht erst rein zu lassen. Wir haben an allen Fenstern elektrische Außenrolläden (schwarz aus Alu), die glücklicherweise per HomeMatic einfach und zentral zu bedienen sind.

Die zentrale Lüftung scheint auch wie bei euch zu sein, inkl. des Wärmetauschers. Die Web-UI der Lüftung zeigt sogar schön an, ob KRG (Kälterückgewinnung) aktiv ist oder der Bypass. Trotzdem regle ich die Lüftung jetzt tagsüber runter, damit die Wärme von außen nicht ins Haus transportiert wird, das geht bequem per Smartphone.

Die Bohrung der Wärmepumpe dürfte hier allerdings bei weitem nicht so tief sein, angeblich nur bis 80 Meter (darüber hätten wir Zusatzkosten zahlen müssen). Gebohrt wird wohl vom Unternehmen nur soweit, dass die erforderliche Erdwärme erreicht wird.

Thomas Meyer, 2018-07-26

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