Gewinnwarnungen

by Volker Weber

Gewinnwarnung bei Samsung, Umsatz minus 11 Prozent, Gewinn minus 29 Prozent. Gewinnwarnung bei LG. Die haben schon seit dem zweiten Quartal 2015 nichts mehr verdient. Lenovo macht andauernde Verluste mit Handys.

Erklär mir noch mal jemand das Apple-Desaster im voraussichtlich zweitbesten Quartal der Unternehmensgeschichte.

Comments

Ja, Apple wird mit einem anderen Maß gemessen. News at 11. Es gibt aber auch gute Analysen zu Apple die das 'Disaster' korrekt einschätzen.

Wenn ich das richtig in den News überflogen habe, dann liegt es bei Samsung wohl stärker mit Speicherchips zusammen. Samsung ist da etwas diversivizierter als Apple. Aber hast recht: Die haben wohl Probleme mit dem Absatz ihrer Smartphones.


Matthias Welling, 2019-01-08

Das war eine rhetorische Aufforderung.

Volker Weber, 2019-01-08

Ach, der Neid sitzt tief. Aber ja, Apple wird sowohl positiv overhyped als auch eben negativ übertrieben.
Wenn Apple aus der 'Not' die Preise senkt, habe ich auch nichts dagegen, so lange Ihnen genügend Luft bleibt, weiter viel richtig zu machen.

Hubert Stettner, 2019-01-08

So einfach kann man sich das nicht erklären, denn dafür sind die "Konzerne" zu unterschiedlich, denn apple hat wohl kaum Schiffbau, Maschinenbau und Schwerindustrie im Konzernportfolio und ist keine Art Konglomerat, denn apple macht seine Sache nur entlang der Wertschöpfungskette ihrer (Kern)Produkte.

Das apple Problem kam ja auch nicht über Nacht, sondern den nun späten, dafür um so größeren Aufschrei hat apple ja selber wesentlich mit"gestaltet", wenn man mal genauer hinschaut.

Das zeichnete sich bereits im Sommer ab, als der auch damals wohl informierte Analyst warnte und dann "eines Besseren" im Quartalsbericht belehrt wurde. Nur war der Quartalsbericht erst dank aller möglichen gestalterischen Maßnahmen möglicht geworden, sprich das Quartal hat in Wahrheit schon unter den Zielen gelegen gehabt.

Damals konnte Apple noch ein Ass aus dem Hut zaubern, um die ansonsten aus Anleger- und Analystensicht offensichtlich "enttäuschenden, weil nachlassenden" Verkaufszahlen aufzuhübschen. Controller haben ihre Reserveren dafür und ebenso die Vertriebscontroller ihre Puffer in den Vertriebskanälen, da apple nicht nur Direktgeschäfte über ihre Stores macht, denn dann wäre das schon deutlich schwieriger geworden weitere Verkäufe für das Quartal zu generieren (außer es würde mit einer neuen Leasinggesellschaft getrickst wie im deutschen Automobilbau gern gemacht).

Im Q3 haben die Apple Vertriebsjungs in ihren Kanälen noch die letzte Chance gesehen, die voll zu machen, was dann bei apple wiederum als "Verkauf" in dem Quartal gewertet wurde, obschon die Geräte nicht an Endkunden verkauft werden konnten, sondern nur in Bestandsaufbau im Vertriebskanal enden konnten, was man den Leuten / Kunden in den Vertriebskanälen mit Weihnachtsgeschäft unter Hinweis auf apple Werbespots schmackhaft machen konnte. Und so wollten an und auf ein überragendes Weihnachtsgeschäft hoffen. Und als das an Weihnachten nicht in den Büchern ankam, musste selbst eine Firma wie apple trotz all der Reserven die Hosen runter lassen, dass die geplanten Verkaufszahlen nicht erreicht werden können und rückläufig sein würden. In dem 4. Quartal hat es dann eben doppelt durchgeschlagen: schleppendes Weihnachtsgeschäft und aus den politischen Q3 Verkäufen noch vollgestopfte Absatzkanäle.

Das "in Q3 besser aussehen wollen" rächte sich dann halt doppelt.

Auch wenn apple strategisch und produktpolitisch vieles richtig machen mag, ist das nicht allein maßgeblich, wenn es um den zukünftigen Börsenkurs geht, denn da geht es um Unternehmensbewertung und vor allem die zukünftige Ertragskraft, weil die den zukünftigen Wert und damit den Aktienkurs maßgeblich bestimmt.

Verstopfte Absatzkanäle wie jetzt sind nur ein letztes Warnzeichen und das Beenden der Mitteilung von Kennzahlen wie Absatz nach Baureihen ist dann schon fast eine Alarmglocke, denn das dient nur der besseren Tarnung von Trendwenden wie vor allem der Entwicklung des Durchschnittspreises je Modellreihe. Als es bei apple Jahrzehnte aufwärts ging, trieben die so detaillierten Zahlen die Phantasien, Aussichten und Erwartungen in die Höhe, doch nun kehrt es sich in das Gegenteil um, wenn apple sich nicht mehr in die Karten schauen lassen will, um zu verhindern, dass andere frühzeitig Schlüsse ziehen könnten.

Und dann kommt da halt zeitgleich noch eine große Gemengelage zusammen von "Ende eines Konjunkturzyklus" über Trump, Welthandel und Strafzölle bis hin zu ... sowie einer scheinbaren Trendumkehr, dass sich apple nach so langer Zeit des Erfolges nicht mehr von der allgemeinen Entwicklung abkoppeln und sich all den negativen Randbedingungen entziehen kann. Das ist der eigentliche Knackpunkt.

Natürlich mögen die absoluten Zahlen von Apple als 2. bestes Quartal herausragend sein, aber dennoch nicht im Rahmen der "geschürten" und proklamierten Erwartungen, denn nur das, was bereits noch nicht im Aktienkurs eingepreist ist, bestimmt den zukünftigen Aktienkurs. Weil nach dem scheinbar erfolgreichen 3. Quartal keiner damit gerechnet hat, brach die Aktie so klar ein.

Und für Apple Verhältnisse ist die Art und Weise der schon eher späten Kommunikation und das Verschleiern der Baureihen Kennzahlen in Zukunft eben nicht das, was sich Aktionäre wünschen, sondern das Gegenteil, ein Mauern.

Ist sicher kein Beinbruch, nur wird den meisten überaus klar, dass auch apple sich nicht mehr gegen die Konkurrenz so ohne weitere Zugeständnisse auf dem Niveau durchsetzen kann wie zuvor, wo bei fast allen die Durchschnittspreise pro Telefon sanken - außer bei apple. Von nun ab fürchten alle, dass wie beim PC und Laptop der Erlös pro Gerät von Jahr zu Jahr sinken wird, weil günstigere Geräte immer mehr zu bieten haben und nicht mehr so viel wert gelegt werden wird auf die neuesten Highendprodukte, sondern die Telefone länger durchhalten.

Aber entscheidender ist, dass neben den schlechteren Zahlen die Aktionäre halt auch Gegenmaßnahmen vermissen, einfach Ideen, die Anlass zu neuen Phantasien geben, neue Produktbereiche, neue Services, denn ansonsten wird apple mit seinen Produkten dem alten Preisverfall von Laptops / PCs folgen müssen. Im Jahr 2000 lag der Listenpreis meines IBM Thinkpad T20 noch bei 10.000 DM, als ich in Barcelona auf einer Messe 50% Rabatt bekam und günstiger einkaufte als meine Firma. Heute liegt ein "vergleichbares" Thinkpad wohl bei 2.000€ - 2.500€ Listenpreis maximal, sagen wir ein Surface. Als IBM beim Thinkpad ihre Preise nicht mehr im Markt durchsetzen konnten, dauerte es keine 5 Jahre und da war die Thinkpad Marke und Produktrechte verkauft, davor schon bei Servern ...

Nur kann apple kaum seine Produktzweige verkaufen, sondern muss da durch und braucht halt Wachstumsimpulse wie damals beim ipad, um wieder die Phantasien bei den Anlegern wecken zu können. Die aktuelle Umbruchssituation ist vermutlich ein viel größerer Wendepunkt und Herausforderung für apple als viele glauben mögen, ob sie ihr Preismodell und vor allem wie lange noch durchhalten können oder ab jetzt auch wie alle anderen Anbieter massiv zu kämpfen haben werden.

Ich denke, seit Dezember ist apple absatzseitig kräftig wie lange nicht mehr am Werben, nur fehlt halt das eine, große und vor allem neue Produkt, was wieder den "muss ich haben" Reflex auslösen kann, denn nur das bringt zusätzliches Geld in die Kasse und lässt den Aktionär hoffen und träumen. Aber warum soll es apple auch anders ergehen als fast allen anderen, so dass nach so viel Glück und Verstand auch mal andere Momente den Alltag zur Herausforderung machen?

Johann Görken, 2019-01-08

Wie immer: alles ein Frage der Relation.

Bodo Menke, 2019-01-08

Apple Watch ist heute schon größer als iPod jemals war.

Volker Weber, 2019-01-08

Genauso isses! Den meisten Beobachtenden fehlt schlichtweg der Blick für die Proportionen.

Bodo Menke, 2019-01-08

Mit 140 Milliarden Cash, 84 Milliarden Quartalsumsatz und 38% Marge stehen die praktisch mit dem Rücken an der Wand.

Volker Weber, 2019-01-08

Danke Johannes. Sehr interessant.

Mariano Kamp, 2019-01-08

@Volker: Kurz vor Chapter 11...

Bodo Menke, 2019-01-08

@Johann: danke für die saubere, emotionsfreie Analyse. So geht das. Natürlich hat Apple kein Problem, ausser dass die Erwartungen der (nicht emotionsfreien) Aktionäre nicht erfüllt wurden. Sollen die doch ihr Geld HMD zur Verfügung stellen, die haben es nötig und vielleicht bringen die ein Haben-Muss Produkt.
Happy New Year, btw.

Chris Frei, 2019-01-09

3 Dinge die Apple vielleicht hätte machen sollen:

- Netflix kaufen als die noch bezahlbar waren und damit das Mediengeschäft stärken. ITunes war mal eine echte Säule. Dazu das AppleTV Geschäft ausbauen. Sonst ist der Kampf in dem Bereich eigentlich an Amazon verloren.

- Endlich mal MacOS Touchscreen fähig machen. Als Alternative zu Windows hat das OS doch sonst auf Dauer keine Chance. Denn IOS halte ich derzeit nach wie vor nur bedingt für Business tauglich

- Dringend das Cloud Geschäft stärken. Derzeit hat die Apple Cloud doch nur einen Nutzen: Backup fürs IPhone. Ich habe selbst keine Ahnung wie, aber ohne wird es in Zukunft nicht gehen. Vielleicht kommt man den deutschen (und anderen) Banken mehr bei Apple Pay entgegen und schafft hier möglich schnell so viel Marktanteil wie möglich.


Ich behalte im Übrigen weiter meine Apple Aktien. Nicht nur weil sie immer noch der Esel sind der Dukaten …. sondern weil ich die Langlebigkeit der Produkte sehr schätze und ich einfach daran glaube, dass sich diese Wertigkeit immer durchsetzen wird.

Roland Dressler, 2019-01-09

Johann, Danke für die etwas Sales-lastige Analyse. Es fehlt aber die Betrachtung der unterschiedlichen Einnahmequellen. Besonders spannend ist ja der starke Anstieg von Apple Music und der iCloud. Warum sollte Apple nicht Amazon und Microsoft mit ihren cloud Produkten Konkurrenz machen?

Friedrich Holstein, 2019-01-09

@Chris

"dass die Erwartungen der (nicht emotionsfreien) Aktionäre nicht erfüllt wurden"

Nein. Die eigenen Vorhersagen wurden nicht erfuellt und gesenkt. Kleiner aber wichtiger Unterschied.

Armin Grewe, 2019-01-11

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