Amazon - Wenn Logistik perfekt funktioniert

by Volker Weber

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Ich mache gerade wieder sensationelle Amazon-Erfahrungen. Montag ein Abluft-Tellerventil in 125mm bestellt, Dienstagmittag da und eingebaut. Passt, sieht gut aus. Will noch drei bestellen, sind nur zwei da. Also erst mal zwei. Kommen Mittwochmittag an. Entferne das nächste alte Tellerventil. Wie, passt nicht? Oh, nur 100mm. Das nächste alte abgebaut, wieder 100. Dann das dritte, wieder 125. Passt also.

Mein Fehler. Hätte mal checken können, dass nicht alle 125mm Durchmesser haben. Zwei Tellerventile verbaut, aber eins zu viel. Gehe auf Amazon, Rücksendung kostenlos, Geld zurück. Gestern Abend um 21:00 zwei neue in 100mm bestellt. Kommen heute Mittag.

Amazon ist null Friktion. Und very long tail. Du kriegst schlicht alles, was du in vier Baumärkten nicht findest. Und wenn du was falsch machst, liefert Amazon das Rücksendelabel und den Begleitzettel. Paket in die nächste Packstation und morgen ist es schon wieder daheim.

Comments

Das kann ich bestätigen, solange ich über eine Packstation den Versand mit DHL erzwinge.

Wenn ich meine Privatadresse angebe, kommt Amazon Logistics ins Spiel und das führt dann gerne zu der folgenden Sorte von Mails: "Leider kommt es bei der Auslieferung zu einer Verzögerung. Wir rechnen damit, dass die Sendung voraussichtlich ein bis zwei Werktage später eintreffen wird."

Robert Dahlem, 2019-08-15

Das sind auch meine Erfahrungen, trotzdem versuche ich mittlerweile sooft es geht, lokal zu kaufen oder bei anderen Onlineshops (was dann in der Regel länger dauert, klar). Die Bedingungen für die Mitarbeiter in Amazons Logistikzentren, über die immer wieder berichtet wird, finde ich nicht sonderlich unterstützenswert und insgesamt hat der Konzern mittlerweile ein viel zu großes Stück vom Kuchen. Unser DHL Bote berichtete zum Beispiel kürzlich, dass er auf keinen Fall Amazon-Pakete mit zurück ins Lager bringen darf. Im Zweifel werden dann natürlich die Pakete der Konkurrenz ein, zwei Tage später zugestellt. Ich denke das ist nur eines von vielen Beispielen, wie Amazon seine Marktposition ausnutzt, um Druck auf Zusteller und Konkurrenz auszuüben.

Carsten Keßler, 2019-08-15

Dafür habe ich die Tage einen Glitch in der Logistik gefunden.
Man kann mit der Packstationsnummer auch große Pakete direkt für 10 Tage postlagernd an eine Wunschfiliale senden, Amazon bietet da auch einen Assistenten an.
Kleine Paketshops sind sich dessen teilweise nicht bewusst und es landet nur PostNr. Filialadresse auf dem Etikett.

Dann sendet der Kiosk das retour und wenn ich dem Amazon-Support schreibe, schicken die eine Ersatzlieferung an die identische Adresse. Inception, bis man dem Kioskbetreiber im Gedächtnis bleibt oder er die Post-Nr. notiert.

Die Verwirrung der Shops kann man wohl etwas abmildern, wenn man in irgendeinem Freitextfeld noch den eigenen Namen unterbringt. Dann hat das Paket auch auf dem Land "zumindest einen vernünftigen Empfänger".

Kai Nehm, 2019-08-15

Ich kann diese Erfahrung nur bestätigen, aktuell: Samstag mittag ein MacBook Pro 2019, 13" für Sohnemann bestellt, Lieferung für Montag versprochen und eingehalten. Das macht keiner nach. Rücksendungen und Gutschriften flutschen einwandfrei. Lustig manchmal wenn man Pfennigartikel bestellt und nachverfolgt wie z.B. ein 2,50€ Artikel (Ersatzteil für eine Nintendo Switch) von China nach hier unterwegs ist. Wahnsinn! Bei Fremdanbietern via Amazon muss man manchmal aufpassen, ansonsten aber kann man nur sagen: Wenn es Amazon nicht gäbe müsste man's erfinden.

Sicher, man kann Dinge wie Arbeitsbedingungen, Verdrängung lokaler Händler/Märkte/Lieferdienste etc. beklagen. Daran muss die Politik arbeiten. Als Konsument sehe ich mich da nur bedingt in der Pflicht, denn schlechte Arbeitsbedingungen, Profitoptimierung auf kosten anderer etc. sind auch bei lokalen Händlern keine Seltenheit.

Bernd Hofmann, 2019-08-15

Neben der Geschwindigkeit der Lieferung gibt es aber auch noch etwas was Amazon einzigartig macht: Die Geschwindigkeit der Rückerstattung. Teilweise wird die Rückerstattung schon veranlasst, sobald die Rücksendung in die Packstation hinterlegt wurde.
DAS ist für mich einer der Hauptargumente für Amazon: Im Zweifel immer Pro Kunde. Bei anderen Anbietern renne ich all zu oft meinem Geld hinterher.
Das "im Zweifel für den Kunden" Prinzip mal an einem Beispiel: Ich hatte mal 3 Multiladekabel für ca. 12€ das Stück gekauft. Im Paket waren aber nur zwei drin. Statt mit mir eine Diskussion zu führen ob ich wirklich die Wahrheit sage etc. hat sich Amazon dann entschuldigt, mir mitgeteilt dass Sie leider nicht ein Kabel einfach nachliefern können (da es von einer Drittpartei kam) und mir stattdessen einfach die 2 Kabel die geliefert wurden geschenkt.
Amazon mag üble Arbeitsbedingungen haben. Sie haben aber auch einen im deutschen Versandhandel zuvor nie dagewesenen Kundenservice.

Roland Dressler, 2019-08-15

Ich will das nicht abtun, aber wenn ein Reporter als Gerüstbauer arbeiten soll, dann ist er nach zwei Tagen bewegungsunfähig. Verkäufer im Einzelhandel ist auch eine Belastung, nur eine ganz andere.

Volker Weber, 2019-08-15

Gerade da sehe ich uns Konsumenten in der Pflicht. Nur wir können darauf Einfluß nehmen, da auf die Politik zu hoffen, sehe ich da etwas blauäugig.

Karl Heindel, 2019-08-15

@Karl weites Feld, aber wenn dann sehe ich uns als Bürger in der Hinsicht in der Pflicht das wir der Politik Beine machen endlich faire Rahmenbedingungen zu schaffen, alles andere ist nicht weniger blauäugig ...

Bernd Hofmann, 2019-08-15

Bei einer selbstverantworteten Fehlbestellung bin ich mit der Rücksendung extrem zurückhaltend - auch wenn es mich etwas kostet. Rücksendungen sind meist nich ökologisch sinnvoll und die Kosten der Rücksendung werden letztlich auf alle anderen Besteller umgelegt. Der positive Lerneffekt: Bei der nächsten Bestellung bin ich dann besonders vorsichtig, um eine Fehlbestellung unbedingt zu vermeiden.

Felix Binsack, 2019-08-15

Du kannst diese Sachen einfach mir schicken. Ich werde dafür sorgen, dass sie ökologisch sinnvoll verwendet werden.

Volker Weber, 2019-08-15

Einwurf - Carsten Keßler:

Ich finde diese Betrachtung interessant und von unseren Luxus-Problemen herab, könnte man wirklich den Blick darauf lenken.
Was sehr viele auch trifft ist die Tatsache das ein riesiger logistischer Aufwand (LKW-rechte Autobahn Spur) betrieben wird, um uns diese Leckerli's zu organisieren.

Daran sollte nachhaltig gearbeitet werden - LKW to Bahn or EndUser to Shop again

Michael Gaul, 2019-08-16

Re: Nachhaltigkeit/Transportwege

Grundsätzlich finde ich ökologischen Debatten derzeit sehr anstrengend, weil sich für wirklich jeden Standpunkt 2–3 Studien finden lassen.

Beispiel Amazon: es gab vor kurzem eine Studie, wonach der Versand via Amazon/DHL et al. ökologisch unterm Strich besser dasteht, als der individuelle Einkauf im Laden, weil i.d.R. beim Einkaufen mehr Strecke individuell mit dem Auto zurückgelegt werden, während Amazon & DHL eine Art Aggregation betreiben.

Ich kann die Qualität der Studie nicht beurteilen, wundere mich aber wie man über sehr individuelles Einkaufsverhalten hinweg, einen sauberen & sinnvollen Median hinbekommen kann.

Ich mache mir mehr Sorgen um die Geschäftsinfrastruktur in meinem Viertel und kaufe im Sinne von "support your local dealer" auch bewusst vor Ort und auch in kleinen Läden ein – auch wenn mich zB Bücher einige Euro mehr kosten und ich ggf einen Tag länger warte.

Kai Pahl, 2019-08-16

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