CES 2020 :: Es hängt an der Software

by Volker Weber

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Foto Mercedes Benz

Ich habe mich selten so gut über die CES informiert gefühlt wie dieses Jahr, und dabei war ich noch nicht mal da. Ich meide Las Vegas und solche Monsterveranstaltung. Ich bin schlicht überfordert, den Wald zu erkennen, wenn ich zwischen den Bäumen stehe.

Wie jedes Jahr gab es jede Menge Science Fiction. Träume, die nicht wahr werden, Prototypen, die niemals zu Produkten werden und Ankündigungen, denen nichts folgt. Der große Star 2019, das aufrollende OLED-TV von LG, kam nie auf den Markt. Dieses Jahr gab es jede Menge biegsame Laptops als Konzept-Studien.

Unter all den Studien war auch ein richtiges Produkt, der ThinkPad X1 Fold, der tatsächlich Mitte des Jahres auf den Markt kommen soll. Und man kann sicher sein, dass Microsoft dann die Software noch nicht fertig hat, die man für solche Geräte braucht. Lenovo wird also irgendwas mit Windows 10 zaubern müssen, bis Microsoft sein Ei gelegt hat.

Software wird immer mehr zum Hemmschuh. Das iPhone 11 war fertig, weit bevor iOS 13 brauchbar war. Volkswagen produziert fließig ID.3 und schieb sie "dumm" auf den Hof. Wenn dann in ein paar Monaten die Software so weit fertig ist, dass man sie auf Kunden loslassen kann, dann werden Update-Trupps ausrücken, um die schon fertigen Autos mit Software nachzurüsten. Und es werden sicher viele Updates folgen, bis das alles ordentlich funktioniert.

Und das ist bereits ein großer Sprung vom jetzigen Stückwerk unserer Qualitätshersteller, die so viele verschiedene Systeme integrieren müssen. So sehr Tesla von Produktionsproblemen geplagt war, haben sie dennoch als einziger Hersteller eine voll integrierte Software-Plattform, die man "over the air" updaten kann.

Und Updates werden sehr schnell zum wichtigsten Thema überhaupt werden. Software ist viel liederlicher als Hardware. Einstürzende Brücken sind relativ selten. Passiert das doch mal, dann liegt es an fehlender Wartung oder massiver Überbelastung. Versagende Software aber kennen wir alle.

Ich habe es längst aufgegeben, mir Android-Hardware von Lenovo anzuschauen, weil man binnen einem oder maximal zwei Jahren von allen Updates abgeschnitten ist, während die gleiche Hardware mit Windows locker zehn Jahre weitergepflegt wird.

Und selbst dann hakt es auch dort oft an der Software. Lenovo macht nicht nur Studien, sondern baut auch innovative Produkte. Das Yoga Book zum Beispiel vereinte einen Bildschirm mit einem Wacom Digitizer, der auch eine Tastatur darstellen kann. Dummerweise verschluckt die auch Jahre später stets den ersten Tastaturanschlag. Das Yoga Book C930, nicht zu verwechseln mit dem Yoga C930, ergänzte den Digitizer um ein E-Ink-Display. Das wandert beim ThinkBook Plus auf die Außenseite. Damit hat man zwar innen eine sehr gute Hardware-Tastatur, aber man wird sehen müssen, wie gut die Software dieses E-Ink-Display versorgt. Ich bin neugierig, aber nicht optimistisch.

Man kann sehr viel bauen, aber man wird immer wieder durch die Software gebremst. Zwei neue Designs haben sich bei PCs in den letzten Jahren bewährt und wurden von vielen Herstellern nachgebaut: Das Lenovo Yoga Convertible mit 360-Grad-Scharnier und das Microsoft Surface Pro Detachable. So nützlich sie sind, so werden sie dennoch von Windows ausgebremst, das für die Tablet-Nutzung ohne Tastatur nicht viel taugt.

Es hängt immer an der Software.

Comments

»There is a widening gap between ambitions and achievements in software engineering. This gap appears in several dimensions: between promises to users and performance achieved by software, between what seems to be ultimately possible and what is achievable now and between estimates of software costs and expenditures. The gap is arising at a time when the consequences of software failure in all its aspects are becoming increasingly serious. Particularly alarming is the seemingly unavoidable fallibility of large software, since a malfunction in an advanced hardware-software system can be a matter of life and death, not only for individuals, but also for vehicles carrying hundreds of people and ultimately for nations as well.«

-Nato Software Engineering Conference, 1968

Oliver Stör, 2020-01-10

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