Bose NC 700 :: Dieses Headset habe ich unterschätzt

by Volker Weber

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Wie vorher schon die Beats Studio 3 habe ich das Bose NC 700 massiv unterschätzt. Ich kannte QC35, QC25 und andere Bose-Headphones, aber nicht dieses Modell. Und dabei ist mir was durch die Lappen gegangen.

Ich mache gerade Tests von Business Headsets mit denen man nicht nur Musik hören kann, sondern gleichzeitig auch in lauten Umgebungen telefonieren kann. Bose habe ich spontan mit einbezogen, weil das NC 700 verspricht, mit der Richtcharakteristik die Stimme aus dem Hintergrund-Geräusch zu lösen.

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Das NC700 hat drei Buttons hinter den Ohren. Links schaltet man die Geräuschunterdrückung zwischen drei voreingestellten Favoriten um. In der Bose Music App kann man diese Favoriten aus elf möglichen Stufen auswählen. Voreingestellt sind die Level 0 (transparent), 5 (mittel) und 10 (maximal). Der rechte obere Knopf schaltet ein und aus. Hält man ihn länger, geht das Headset in den Pairing Mode. Der untere Button schaltet den Assistenten des Smartphones durch, bei mir Siri. In der App kann man auch Google Assistant oder Alexa konfigurieren.

Ein Touchfeld auf der vorderen Hälfte der rechten Ohrmuschel steuert alle anderen Funktionen. Nach vorne wischen (nächster Track), nach hinten (letzter Track), hoch und runter für lauter und leiser. Doppelt tippen für Play/Pause, einmal tippen, um einen Anruf anzunehmen oder aufzulegen, tippen und halten um einen Anruf abzulehnen. Klingelt es gerade nicht, dann sagt das Headset die Batterieladung in Stunden an, wenn man den Finger kurz auflegt. 20 Stunden schafft das NC 700, wenn es voll geladen ist.

So ein Touchfeld kann zu vielen Fehlbedienungen führen. Ich musste mich erst daran gewöhnen, das Headset anders zu greifen, damit ich beim Auf- und Absetzen keine Funktionen auslöse. Weil das Touchfeld aber vorne und nur auf einer Seite liegt, ging das sehr schnell.

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Für mich besonders interessant sind diese vier nach vorne gerichteten Mikrofone. Aus den Laufzeiten des Schalls kann das Headset genau bestimmen, was vom Mund und was aus der Umgebung kommt. Damit man nicht Links und Rechts vertauscht und nach hinten horcht, steht in den Muscheln deutlich L und R. Plantronics macht das exakt genauso mit dem Voyager 8200. Das NC 700 hat außerdem die Innenseiten der Muscheln so gestaltet, dass die vorderen Seiten näher am Kopf und damit näher am Gehörgang anliegen.

Geladen wird das Headset über einen USB-C Eingang unter der rechten Muschel. Sobald man das Kabel einsteckt, schaltet sich die Bluetooth-Verbindung ab. Man kann deshalb nicht laden und gleichzeitig hören. Über eine Verbindung zum PC lässt sich die Firmware updaten. Unter der rechten Muschel ist ein 2.5 mm große Buchse für das etwa einen Meter lange Audiokabel, das am anderen Ende einen 3.5 mm Stecker hat. Wie beim USB-C Kabel wird die Bluetooth-Verbindung unterbrochen, wenn man das Kabel einsteckt. Ist das Headset ausgeschaltet, kann man über diese Verbindung weiter Musik hören, dann jedoch ohne Geräuschunterdrückung. Das Audiokabel findet zusammen mit USB-Ladekabel eine Platz in einem kleinen Fach der stabilen Transporttasche. Das Fach hat eine magnetisch zuhaltende Klappe, die ein Herausfallen der Kabel verhindet.

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Ich bin wirklich schwer beeindruckt von der Design- und Fertigungsqualität. Ich kann keine Schwächen bei diesem Headset entdecken. Die Bedienung ist logisch und gibt keine Rätsel auf. Es ist nicht mit Buttons überfrachtet und doch muss man alles nur kurz antippen. Das Einzige, was ich vermisse, sind Sensoren, die das Headset auf Mute schalten oder die Medienwiedergabe stoppen, wenn man es absetzt. Ein bisschen ungewöhnlich fand ich die App, mit der man das NC 700 konfiguriert. Man muss zunächst eine Bose-ID anlegen und Nutzungsbedingungen akzeptieren, was ich bei einem Headset für übergriffig halte. Der Umgang dieser Datenerfassung ist heftig, wie man unter Punkt 2 der Datenschutzvereinbarung lesen kann.

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Hat man erst einmal alle nötigen Einstellungen vorgenommen, dann benötigt man die App, um die Bluetooth-Verbindungen zu verwalten. So kann man einzelne Paarungen aus dem Headset löschen oder Geräte verbinden und trennen. Firmware Updates kommen ebenfalls über diese App ins Headset und das dauert unfassbar lange. 40 Minuten habe ich beim zweiten Versuch gebraucht, um die Firmware erfolgreich einzuspielen. Der erste Versuch war einfach gescheitert.

Und was ist jetzt mit dem Klang? Das ist höchst subjektiv. Ich persönlich empfinde ihn als sehr angenehm und neutral. Richtig beeindruckt bin ich von der Telefonqualität. Das NC 700 schlägt alle meine anderen Headsets ohne Mikrofonarm, auch unter richtig widrigen Umständen unterdrückt es Nebengeräusche zuverlässig, ohne meine Stimme zu sehr zu verzerren. Ich bin deshalb froh, es für meinen Vergleichstest mit heranziehen zu können.

Bei der Geräuschunterdrückung ist das Bose-Headset wie erwartet meinen anderen Headsets überlegen. Tiefe Frequenzen sind "weg", nur die hohen Frequenzen von Kinderstimmen kommen noch durch. Diese totale Abschirmung lässt sich durch ein andere Einstellung abmildern. Die vor eingestellten Favoriten 0, 5 und 10 sind gut geeignet. Bei 0 scheint man kein Headset zu tragen, bei 5 ist man noch ansprechbar, bei 10 ist man allein. Drückt man die Taste hinter dem linken Ohr länger, dann schaltet das Headset bis zum nächsten langen Drücken auf 0, auch wenn man andere Favoriten hat. Genau genommen sind das dann vier Favoriten, aber die benötige ich nicht.

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Comments

> schlägt alle meine anderen Headsets ohne Mikrofonarm

Und die mit Arm?

Benjamin Bock, 2020-04-29

Das heißt, bei einer Abwägung Voyager 8200 vs. Bose würdest Du klar das Bose wählen?

Dieser Haushalt möchte noch ein weiteres sehr gutes Headset kaufen und ich war quasi kurz vor dem Click zu einem weiteren 8200.
Zur Einordnung: Das 8200 empfinde ich als deutlich besser als das Voyager Focus: besserer Klang, besserer Ton auf der Gegenseite beim Telefonieren und es trägt sich auch komfortabler über längere Zeit.

Andreas Braukmann, 2020-04-29

Danke, Volker, klingt vielversprechend. Würdest Du sagen, dass das 700 eine klare Verbesserung gegenüber dem QC35 ist oder schenken die beiden sich nicht sonderlich viel?

Wenn Du sagst: "Ist das Headset ausgeschaltet, kann man über diese Verbindung (= 3.5 mm Audiokabel) weiter Musik hören, dann jedoch ohne Geräuschunterdrückung", heißt das, dass man ANC auch nutzen kann, wenn man über Kabel hört, man muss dazu nur die Kopfhörer eingeschaltet lassen? So ist es zumindest beim QC35, und alles andere wäre ja auch seltsam. Danke.

Jochen Kattoll, 2020-04-29

Jochen, ist ein E-Gitarre oder eine Akustikgitarre besser? :-) Es ist einfach anders. Das QC35 ist optimiert zum Reisen. Kleine zusammen zu falten, Knöpfe und Schalter, die man niemals unbeabsichtigt bedient. Man kann drei unterschiedliche ANC-Level einstellen, wobei der oberste den typischen Bose-Sound erzeugt. Das NC700 ist anders. Viel eleganter, nicht zusammenklappbar, und anders als das QC35 taugt es zum Telefonieren, egal wo. Wenn ich eins von beiden kaufen müsste, würde ich das NC700 nehmen. Wenn ich schon ein QC35 hätte, würde ich das behalten, bis es auseinanderfällt. Den Einschalter und die Ohrpolster kann man tauschen. Das kann noch viele Jahre dauern, bis Du das nicht mehr benutzen kannst.

Andreas, ich bin noch nicht fertig. 8200 UC hat ein Dongle, der dich vom PC/Mac-Bluetooth entkoppelt. Das allein macht es schon besser. Aber als Headset am iPhone würde ich immer das Bose nehmen. Es kommt aber noch eine Alternative, die ich noch nicht habe: Jabra Evolve2 85. Das könnte sehr gut sein, weil es auch einen Mikrofonarm hat. Und der ist von großem Vorteil.

Volker Weber, 2020-04-29

Danke Dir fürs Ausprobieren, damit wir das nicht machen müssen ;-)
Wird es Deine Ergebnisse bei Heise zu lesen geben?

Das Jabra liest sich interessant; insbesondere finde ich spannend, dass der Mikrofonarm optional ist. Der (Listen-)Preis ist allerdings auch "interessant". - Es müsste schon extrem viel besser als der Voyager 8200 sein, damit es sich lohnt.

Ja, der BT600 Stöpsel ist am stationären Rechner ein sehr deutliches Argument.

Andreas Braukmann, 2020-04-30

Schöner Artikel.

Vielleicht könntest Du noch in Deinem Artikel einen Hinweis auf den BOSE-Thread geben, wo BOSE den Problemen mit dem NC nachgegangen ist: https://community.bose.com/t5/Around-On-Ear-Headphones/Bose-QC-35-Firmware-4-5-2-Noise-Cancellation-Investigation/td-p/285738#anoverview

(Die Meldungen bei Reddit und bei denen im Supportforum sind episch.)

Ich habe seit langer Zeit einen QC35. Must-have für den Büroalltag. Nach meinem subjektiven Eindruck hat sich das NC mit dem letzten Firmwareupdate deutlich verschlechtert und hoffe immer noch auf ein Downgrade auf Version 3.ⅹ.

Nichtsdestotrotz macht Dein Artikel wirklich Lust, das Geld in den BOSE NC 700 zu investieren, wenn sich damit besser telefonieren lässt.

Thomas Wölk, 2020-04-30

Mein QC35 hat einer der Hunde vor Kurzem gefressen, und ich bin dann prompt auf das 700 umgestiegen. Ich kann Deinen Eindruck nur bestätigen.

René Winkelmeyer, 2020-04-30

You had me at "Man muss zunächst eine Bose-ID anlegen und eine Nutzungsbedingungen akzeptieren, was ich bei einem Headset für übergriffig halte."
Bis zu dem Satz war ich überzeugt und glücklich endlich meinen neuen Headset gefunden zu haben.
Ach manno ....

Trotzdem 'Danke' für den sehr aufschlußreichen Artikel, lieber vowe.
Genau deswegen lese ich Dein Blog, damit ich solche Erfahrungen nicht erst nach dem Kauf machen muss.

Jochen Schardt, 2020-04-30

Hallo Volker, eine Frage von einem Kopfhörer-Dummy. Wo platzieren sich in diesem Kontext die "Marshall Monitor A.N.C."?
Oder sind sie neben E-Gitarre und Akustikgitarre die 12-Strings ;)
Vielen Dank :)

Fabio Peruzzi, 2020-04-30

Danke, Volker, werde mein QC35 definitiv behalten, bis es auseinanderfällt. Aber gut zu wissen, was man sich als nächstes wünschen kann.

Jochen Kattoll, 2020-04-30

Jochen & Volker: das liest sich bei Bose unter Punkt 2 aber doch so, daß es einen Opt-out gibt?

Alex Martin, 2020-04-30

mute während eines Telefonats: großer Knopf an der rechten seite einmal drücken ;)

Marcel Ernst, 2020-04-30

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