Kekz :: Ein Kinderkopfhörer

by Volker Weber

keksblue.jpg

Letzte Woche schrieb mir Anna:

Kekz bringt im kommendem Frühjahr einen kabellosen Kinderkopfhörer auf den Markt, der unterwegs kindgerechte Unterhaltung ohne Ablenkung ermöglicht. Also ohne Handy oder Tablet, ohne Bildschirm und ohne externe Audioquelle. Ich kann mir eine Zukunft ohne Prinzessin Lillifee in Dauerschleife im Auto zwar kaum mehr vorstellen, dennoch freut sich irgendetwas in mir darauf, mein Handy und Auto-Entertainment endlich wieder zurückzuergattern ;)

Ich hatte eine Menge Fragen und nach einigem Hin und Her habe ich verstanden:

Das ist also ein ähnliches Prinzip wie bei einem Gameboy und den Cartridges. Mit dem wesentlichen Unterschied, dass die Kekze nicht den Inhalt tragen sondern nur die Freigabe.

Bei einem solchen geschlossenen System hatte ich zunächst ziemliche Bedenken. Aber es gibt eine interessante Sicht, die ich ohne Kinder nicht erkannt habe. Also noch mal nachgefragt:

Ok, als Mama einer Dreijährigen würde ich das anders formulieren: Eine Möglichkeit für meine Tochter, unterwegs ihre Hörbücher und Musik selbstbestimmt zu steuern und unabhängig von meinem Handy zu hören. Optimal für uns.

Der Content ist auf dem Kopfhörer vorinstalliert und bleibt auf dem Gerät. Damit kann der Kopfhörer mit den entsprechenden Chips auch ohne Anbindung an die Cloud uneingeschränkt genutzt werden.

Wenn die Kinder irgendwann mal aus dem Alter rausgewachsen sind, geht der Kopfhörer an jüngere Geschwister oder Freunde bzw. kann verkauft werden – wie alle unsere Spielzeuge. Bei uns macht beispielsweise im engsten Familienumfeld alles die Runde – von Spielsachen über Anziehsachen bis hin zu Rädern etc. Vom ersten bis zum letzten Kind liegt die Nutzungsdauer bei über 7 Jahren. Und selbst dann wandern die Sachen nicht in den Müll, sondern werden außerhalb unserer Familie weitergegeben.

Am Ende geht es darum, dass Keinkinder ein haptisches Erlebnis brauchen, damit sie selbstständig handeln können. Die kommen zwar auch schnell mit einem iPad klar, aber dann werden sie von der visuellen Ablenkung gefangen.

Was mir aufstößt ist die Notwendigkeit, Inhalte erneut in einem anderen Format kaufen zu müssen.

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Comments

Erinnert mich an Tonies. Quasi „to go“.

Cornelia Sander, 2020-11-17

Das war auch meine erste Assoziation. Die Toniebox für unterwegs.

Wir haben eine Toniebox und ein weiterer Vorteil ist das die Figuren (Contentspeicher, Musik, Hörbücher) im Rahmen von 5-15 Euro liegen. Perfekt als kleines Mitbringsel. Da bekommt man keine Sachen die man eigentlich direkt wegwerfen kann oder immer nur Süßigkeiten für die Kinder. (First World Problems)

Max Bauer, 2020-11-17

Wir verwenden dazu einen Discman pro Kind (4, 7) mit Kinderkopfhörer (Lautstärke gedrosselt). Und ich kopiere regelmäßig CDs, um sie wieder abspielbar zu machen, da sie schnell zerkratzen. Die gute alte Kassette war sicher robuster.

Auch ich möchte Inhalte nicht in einem weiteren Format kaufen, daher gibt's hier auch keinen Tonie.

Gibt ohnehin schon Netflix, Spotify, Amazon Prime und Apple Music im Haus, aber iPads gebe ich nur selten heraus und wenn, dann mit geführtem Zugriff, also gelockt auf eine einzige App (wie z.B. die Kika-App). Die Spotify Kids-App sieht für diesen Zwecke der Kinderunterhaltung brauchbar aus, aber dafür zahle ich keinen Aufpreis. Mir würde es reichen, in der Spotify-App einen gesperrten Kids-Bereich manuell zu befüllen, quasi als getrennte Mediathek mit von mir ausgewählten Hörspielen.

Karsten Lehmann, 2020-11-17

Ich halte einen Kopfhörer auch für viel fragiler als die dick gepolsterte Toniebox. Die Gefahr das Abspielgerär neu kaufen zu müssen ist IMHO viel größer und das Kostenrisiko auch...

Die Frage ist auch, ob sich Tonie nicht die Idee der Freigabe-Token hat schützen lassen, um genau solche Nachahmer auszubremsen.
Ich sehe das auch eher als Toniebox 2.0...
Ich befürchte, dass man da im Frühjahr dreistellige Euronen investiert und im Sommer ne wertlose Kekzdose liegen hat.

Jens Heermann, 2020-11-17

Ein bayerischer Radiosender veranstaltet momentan eine Startup-Challenge, bei der ein Startup 300.000 Euro gewinnen kann.
Kekz war da auch dabei, hat aber gestern gegen „Knetä“ verloren, eine Spielknete aus 100% natürlichen Inhaltsstoffen.

Manfred Wiktorin, 2020-11-17

Die ganzen Systeme setzen auf proprietäre Datenträger, die zumeist ohnehin nur eine ID als Payload haben.

Ich habe zwei kleine Töchter und bin damit von solchen Systemen direkt betroffen. Verstehe natürlich den Nutzen, bleibt aber das etwas schräg anmutende Businessmodell.

Entsprechend der Tooniebox ist es übrigens auch diverse Selbstbauprojekte, die dann z.B. über bedruckbare RFID Karten, oder sonstigen Tokens Inhalte aus der lokalen Mediathek oder von Streamingdiensten abruft. Entsprechendes habe ich noch nicht als Produkt gesehen, wird vermutlich für die Zielgruppe (Erziehende) auch zu kompliziert in der Bedienung bleiben... vermutlich.

Dominique Roller, 2020-11-18

Nur zum richtigen Verständnis: Tonies enthalten zwar auch einen Freigabetoken, aber nicht für Inhalt der bereits auf dem Gerät ist.

Bei Tonies wird der Inhalt mit dem Token aus dem Netz geladen (und dann auf dem Gerät gespeichert). So dass es zwar vorübergehend eine Netzverbindung braucht, aber auch Inhalte abspielen kann, die beim Verkauf des Geräts noch nicht vorhanden waren.

Auf https://tonies.de/tonies/ heißt zu Tonies: „Steht er zum ersten Mal auf der Toniebox, wird sein Inhalt aus der Cloud geladen. Danach kann er von überall abgespielt werden – auch ohne WLAN.“

Marko Schulz, 2020-11-18

Spontane Frage: Kann man NFC-Kommunikation eigentlich belauschen?

Martin Kautz, 2020-11-18

Kreativ Tonies + MP3. Kein "neues Format" und unendliche Vielfalt (Musik, Audio Books) oder einfach einmal eine Geschichte aus der Ferne selber vorlesen.

Philipp Lammers, 2020-11-18

Auch wir sind ein Tonies-Haushalt, mit allen schon genannten Vorteilen.
Was noch nicht genannt wurde - und das war für mich mit DAS Argument in diese Welt zu gehen - sind die Kreativ-Tonies, die beliebig bespielt werden können. Da wir eine nicht zu verachtende Sammlung an Hörspielen für alle Altersklassen haben, wird das exzessiv genutzt. Und danach kommt dann eben die Alexa, sobald die Sprachbedienung funktioniert, bei uns war das ab 3 Jahren der Fall.

Die Kopfhörer sind für mich nicht attraktiv (bzw. für meine Kinder nicht). Copycat, nur halb durchdacht.

@Martin - ja, das kann man, nicht direkt mit Bordmitteln wie etwa eine App über Mobiltelefon genutzt werden, aber ich habe gehört....dass Versuche mit passender (minmaler) NFC-HW...NFC-Tokens geliefert haben sollen, die dann wiederum als Content für Blanko-NFC-Chips genutzt werden könnten. Reine technische Spielerei eines Freundes.

Ich gebe gerne das Geld für die Tonies aus und die Großeltern tun das ebenfalls - tolle Idee, tolles Team, tolles Produkt.

Matthias Lorz, 2020-11-18

Wir kamen altersbedingt leider zu spät für die Tonies, wären aber ansonsten durchaus auf den Tonie-Zug aufgesprungen.

Nach der "Tigerbox" wäre "Kekz" nun die zweite Variante dieses erfolgreichen Startups, wenn auch so gestaltet, dass nur noch die Kinder in den Genuss der Inhalte kommen.

Letzteres ist im Auto tatsächlich ein Vorteil für alle anderen Mitreisenden - allerdings halte ich die "Isolation" der Kinder beim ständigen Gebrauch der Kopfhörer auch außerhalb des Autos für eher bedenklich.

Für lange Autofahrten nutzen wir ein iPad als Quelle und den Bluetooth-Kopfhörer Philips SHB3175BK für die Übertragung. Das klappt ganz hervorragend.

Tobias Krins, 2020-11-18

Die Kekz versuchen, durch "keine Strahlen" zu punkten. Das wird bei bestimmten Käufern funktionieren.

Volker Weber, 2020-11-18

Feine Alternative, beliebige SD-card selbst bespielen, haptik super, jetzt auch mit bluetooth modul für Kopfhörer.

Lukas Praml, 2020-11-19

Here we go: https://www.hoerbert.com/kaufen/hoerbert/

Lukas Praml, 2020-11-19

My main concern about this has to be, that children should not be encouraged in the use of headphones at all, even those that claim to be 'volume-limited'.

As a recording engineer I have spent countless hours listening on headphones, and was always *very* careful about volume, about taking rests, about the quality of the equipment I used. I had hardly used 'phones until my mid-twenties. I was quite proud of how good my ears were from 25-50, after which point I found a dramatic deterioration, until my acuity is now below average for my years.

It is the very fact of wearing headphones and pumping sound into the ears from close range, that seems to be problematic at any age - it's a practice that really should not be applied to the developing ears and brains of young children.

Nick Daisley, 2020-11-19

Very interesting thought, Nick. The discussion always seems to revolve around electromagnetic waves, which are mislabeled as rays, and not about the sound itself. But does it really matter whether you are being subjected to 85 dB from a close range instead of surrounding noise? Kindergardens are noisy places*. How are headphones worse?

*) I am simulating this noise to measure how well ANC works to isolate when WfH.

Volker Weber, 2020-11-19

Your point about kindergarten noise is very fair! I don't know the answer to that, except to say that those noise levels are probably not continuous in the way that music often is, for minutes (or hours) at a time.

I did a bit of web/library research on the matter about five years ago on behalf of friends with small children, and at that point there was surprisingly little research that was specific to children, even in the medical literature. My advice to them ended up being mostly on the basis of personal experience.

I do particularly miss the more distant birdsong.....

Nick Daisley, 2020-11-19

Interessant!

Nachdem wir auch erst die Tonies im Blick hatten, ist aber das Thema Nachhaltigkeit ein wenig problematisch.

Aus diesem Grund sind wir für unsere Tochter auf den Hörbert gekommen.
https://www.hoerbert.com/

Vorteile bei Hörbert:
-Handelsübliche Speicherkarten nutzbar (statt figuren oder Disks)
-Die Tasten lassen sich über Playlisten belegen/konfigurieren.
-Das Gahäuse ist aus Holz und die Elektronik kann in andere Gehäuse gebaut werden (es gibt die Elekronik separat für DIY/Bastler)
-Vorkonfigurierte Speichkarten kann man via Hörbert beziehen
-Ist ein super Bluetooth Speaker für das Smartphone wenn man das Bluetooth Modul einbaut (geht auch nachträglich), der Visaton Breitbänder ist ordentlich!
- Normale AA Akkus werden verwendet

Nachteil Hörbert:
Hörbert ist recht teuer in der Anschaffung und benötigt zusatzmodule für Abschaltautomatik und Bluetooth
(dafür aber keine Folgekosten durch 'Tonies Figuren' oder 'Kekze' bzw. proprietäre Speicherkarten!)

Hörbert im Vergleich zum Kekz
Der Kekz Kopfhörer ist ein Mix aus Tonies und Hörbert.
Vermutlich gut für Autofahrten oder Reisen geeignet.

Hörbert bleibt trotzdem 'unser' Favorit, dank Bluetooth kann er mit bis zu zwei Kopfhörern gekoppelt werden und ist darüber hinaus auch noch Bluetooth Speaker für Papa und Mama, wenn die Kleine schläft.

Michael Petz, 2020-11-19

Gehöre auch zum Tonie-Club. Für unseren Großen kam die Anschaffung zu spät. Er ist bereits voll in Spotify eingestiegen. Die Spotify Kinder App langweilt ihn. Er findet bereits alles, was er braucht auf der regulären App. CDs haben sich als denkbar schlechtes Medium für Kinder herausgestellt. Aber da bin ich sicher der zigtausendste, der das schreibt. Ich bin jedes Mal angenervt von den kaputten Hüllen, die überall rumfliegen. Für unseren Kleinen ist die Toniebox perfekt. Nachhaltigkeitsbedenken kann ich verstehen, hatte ich auch. Allerdings sind die Figuren ähnlich robust wie Schleichtiere. Und mit Sachen wie den „Unter meinem Bett“ Kompilationen, kann man den Konsum auch in eine für Erwachsenenohren angenehme Richtung steuern. Mich würde es freuen, wenn bei der Box noch Mal nachgelegt wird in Zukunft in Bezug auf nachhaltige Materialien/Reparierbarkeit. Und das bringt mich zu den Kopfhörern. Wenn schon meine alle 1.5 bis 2 Jahre kaputt gehen - die hier häufig besprochene Marke Marshall bisher die schlechteste Wahl - wie wird das erst bei Kekz sein? Finde die Idee an sich nett, aber glaube nicht, dass sie lange überlebt.

Helmut Adam, 2020-11-23

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