Diabetes :: Einmal hin und zurück

by Volker Weber

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Ich war vor zwei Jahren ziemlich krank. Und im Juni dann eine niederschmetternde Diagnose: In einem kleinen Blutbild zeigten sich drei schlimme Werte. Nüchtern 221 mg/dl Glucose, mittlerer Blutzucker-Spiegel 230 und HbA1c 9,5 %. Das ist weit jenseits normaler Werte (65-130, 55-120 und <6). Diagnose: Diabetes Typ 2. Sowas frisst man sich an. Und so schlecht die Nachricht auch war, ich wusste jetzt wenigstens von meiner Krankheit. Endlich. Denn die Folgen von unbehandeltem Diabetes sind schrecklich.

Der menschliche Stoffwechsel ist kompliziert und ich bin kein Arzt. Aber ich kann einigermaßen erklären, was hier passiert. Glucose ist der Treibstoff des Körpers. Steigt der Pegel, dann erzeugt die Bauchspeicheldrüse Insulin, mit dessen Hilfe die Glucose aus dem Blut in die Zellen übergeht. Diabetes Typ 1 heißt, die Produktion von Insulin funktioniert nicht. Das ist in der Regel angeboren. Die allermeisten Diabetes-Kranken aber haben Typ 2: Jede Menge Insulin da, aber die Zellen weigern sich, darauf zu reagieren, weil sie dauernd damit bombardiert wurden.

Was kann man machen? Medizin geben. Mit Hilfe von 2x 850mg Metformin ging mein Nüchternwert auf 160 mg/dl runter; das war nicht genug. Mit zusätzlichen 100 mg Sitagliptin war ich im Normbereich, dazu noch mal 5 mg Ramipril gegen den erhöhten Blutdruck. Der wird vom gleichen Stoffwechsel gesteuert. Für den Arzt war damit alles in Butter. Problem gelöst.

Zur Sicherheit bin ich noch mal zu einem Spezialisten gegangen, der mir bestätigte, dass das eine Standardmedikation ist. Seine Ernährungsberaterin machte mich aber auf einen Fehler aufmerksam. Ich aß gerne zwischendurch einen Apfel und sie hielt das nicht für schlau: Äpfel enthalten viel Fructose, das treibt den Zucker und damit den Insulin-Haushalt hoch. Sie meinte, ich solle dem Körper zwischen den Mahlzeiten Gelegenheit geben, sich vom Essen zu erholen. Das war ein wichtiger Hinweis, den ich zunächst aber nicht so ernst nahm. Ich durfte ja "ganz normal" weiter essen.

Eins hatte ich richtig gemacht: Mehr Bewegung und Gewicht abnehmen. Der HbA1c-Wert ging runter bis auf 5,7 -- ich konnte das Metformin auf 2x 500 reduzieren. Aber dann ein Rückschlag: HbA1c 6,3. Das ist nicht wirklich viel, aber doch schlechter. Was hatte ich falsch gemacht? Viel zu viel Süßes gegessen und wieder zugenommen. Und das ist eben nicht "ganz normal".

HbA1c ist übrigens ein Langzeitwert. Er zeigt nicht an, wieviel Glucose jetzt im Blut ist, sondern wie hoch der Spiegel im Mittel der letzten acht bis zwölf Wochen war. Den Glucose-Wert kann man mit einem Blutstropfen und einem kleinen Messgerät messen, für den HbA1c-Wert muss eine Blutprobe ins Labor. Das mache ich aktuell alle drei Monate.

Es wurde Zeit, das Thema offensiver anzugehen. Keine Süßigkeiten, keine Schokolade, kein Kuchen, keine Kekse. HbA1c 5,4. Sitagliptin abgesetzt. Kaum noch Kohlenhydrate gegessen: keine Nudeln, kein Reis, kaum Kartoffeln, wenig Brot. HbA1c 5,2. Ramipril abgesetzt, weil mir wegen zu niedrigen Blutdrucks manchmal schwindelig wurde. HbA1c 5,1. Und mit Metformin auch das letzte Medikament losgeworden.

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Der ziemlich dicke Diabetes ist in Remission, weil er nicht mehr gefüttert wird. Ich nehme nicht mehr zu viel Kohlenhydrate auf. Und ich befolge den Rat der Ernährungsberaterin: Gib dem Körper eine Pause. Die dauert bei mir von abends 19 Uhr bis morgens 11 Uhr, normalerweise sogar von 18 bis 12 Uhr. Das Frühstück lasse ich weg, weil ich morgens nicht so hungrig bin. Perfekt klappt das noch nicht, weil ich immer mal gerne in den Kühlschrank gucke, wenn mir langweilig ist.

Tage- bis wochenlanges Fasten hat mir immer sehr geholfen, meine Nahrungsaufnahme wieder zu rationalisieren. Bewusster essen! Aber die Abstände sind zu groß. Ich muss das jeden Tag machen.

Neue Angewohnheit: Jeden Tag 16 Stunden, besser 18 Stunden nichts essen.
Alte Angewohnheit abgelegt: Keine Medikamente mehr.

Und was esse ich jetzt? Im Wesentlichen das, was ein Vegetarier isst. Dabei bin ich eher ein Flexitarier, das heißt, ich esse auch mal Fisch oder Fleisch, aber eben sehr selten und sehr wenig. Was mir unheimlich hilft, ist der MicroGourmet von Tupperware, der Gemüse in der Mikrowelle mit Dampf gart. Das kann man auch in jedem Topf mit Hilfe eines solchen Einsatzes machen, aber die Mikrowelle macht das bei mir schneller und mit weniger Energieeinsatz. Vor allem muss ich nicht drauf acht geben. Power-Tipp: Das Wasser nicht wegschütten, sondern in der nächsten Suppe weiterverarbeiten. Heute habe ich etwa Kohlrabi und Möhren im Wert von 230 kCal verarbeitet, an denen ich zweimal esse. Morgen nehme ich das Gemüsewasser und verarbeite es in einer Suppe mit Brokkoli und Sellerie.

Tupperware hat mittlerweile eine neue Kombination aus Dampfgarer, Reis- und Nudelkocher, die nur wenig mehr kostet. Da Reis und Nudeln bei mir wegen der Kohlenhydrate aber sowieso gestrichen sind, vermisse ich die jetzt nicht so sehr.

Zu der Theorie, die ich in die Praxis umgesetzt habe, gibt es eine ganze Reihe von Büchern, die ich aber erst nachträglich gelesen habe, weil die Scheffin mich auf einen Artikel hinwies: "Du, der schlägt das vor, was Du machst."

Und jetzt muss ich nur noch dran bleiben. Und Euch rate ich: Geht gar nicht erst dahin, sondern passt auf, was Ihr jeden Tag so in Euch reinstopft. Weniger, aber besser! #dontbreakthechain

Comments

Glückwunsch Volker, da bist Du auf einem guten und richtigen Weg!! Ich komme ursprünglich aus dem medizinischen Bereich und kann Dir auch sagen, dass als Arzt in der Ausbildung das Thema "Ernährung" - zumindest zu meiner Zeit - sehr stiefmütterlich (wenn überhaupt) behandelt wurde (und vermutlich immer noch wird). Und Stoffwechsel ist ein wirklich komplexes Thema.

Was Du beschreibst ist das wirklich gute intermittierende Fasten kombiniert mit einer kohlenhydrat-armen/reduzierten Ernährung. Und das funktioniert und setzte sich langsam in der der medizinischen Erkenntnis als Mittel der Wahl durch (übrigens sind auch die Krankenversicherungen mittlerweile sehr auf das Thema gekommen und frequntieren häufig Kongresse die mit ketogener Ernährung/Fasten und Diabetes in Zusammenhang stehen.

Ich mache das jetzt seit ziemlich genau einem Jahr - in einem 16/8 Rhythmus (also 16 Stunden Ernährungspause; Mahlzeiten in einem max. 8 Stunden Fenster) - dazu in der Woche einmal einen kompletten Fastentag 24-36 Stunden (wenn möglich manchmal 2 Tage). Ich nehme meistens den Montag - der ist irgendwie einfach...; dazu seit Zero Alkohol, so weit wie geht ketogene Ernährung - und damit ist meine Insulinresistenz History (und nix Medikamente usw.) Wenn möglich versuche ich auch nur einmal am Tag zu Essen... - das geht oft auch ganz gut.

Ist ein erschöpfendes Thema - aber interessant und in den Zeiten unserer Wohlstandskrankheiten und generell falscher Ernährung leider wichtig...

Ich empfehle immer die Literatur von Dr. Jason Fung und Dr. Eric Berg..
Und wer übrigens denkt das sei sehr entbehrungsreich und nicht lecker, dem empfehle ich immer mal die Rezepte von Eric Berg anzuschauen.... (ich sage nur Keto-Pizza...)

:-)

Markus Heyl, 2019-06-05

Mal wieder eine beeindruckende Geschichte. Es freut mich sehr für Dich, dass Du das geschafft hast und sehr für uns, dass Du die Geschichte, Zusammenhänge und Hintergründe auf die Dir eigene Art so schön aufgeschrieben hast!

Thomas Lang, 2019-06-05

Auch dafür fetten Respekt! Ich freue mich sehr für Dich! Würde solche Erkenntnis gerne bei meinem Diabetes-2 erkrankten Vater (75) sehen, dessen Lieblingsgetränk leider normale Cola ist... seufz.

Ingo Seifert, 2019-06-05

Glückwunsch Volker. Du hast meinen Respekt für deine Willensstärke und dein Durchhaltevermögen.

Andreas Eufinger, 2019-06-05

Das freut mich unmässig. Nachdem ich selber im fortgeschrittenen Alter bin und mit einer Jugendsünde zu kämpfen habe, kann ich die Zufriedenheit nur zu gut nachempfinden!!! Gratulation!!!

Stefan Heinz, 2019-06-05

Macht Mut.

Thomas Wölk, 2019-06-24

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