Zehn Wochen mit dem Magic Keyboard für das iPad Pro

by Volker Weber

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Ich habe das Magic Keyboard für das 2020er iPad Pro 12.9 der vierten Generation nun ein paar Wochen intensiv benutzt und bin etwas schlauer als im April.

Nicht beantworten kann ich die wichtigste Frage: Ist es fast 400 Euro wert? Das hängt vor allem davon ab, wie weh einem der Verlust von 400 Euro tut. Wer sich das Geld vom Mund absparen muss, sollte es keinesfalls kaufen. Aber wer das am halben Tag in Rechnung stellt, nur her damit. Es ist nämlich richtig gut.

Ebenfalls nicht beantworten kann ich die Frage, wie haltbar das Keyboard als Schutzhülle ist. Dazu reichen 10 Wochen einfach nicht aus. Mein Smart Keyboard Folio sah nach dieser Zeit schon schlimm aus, das Magic Keyboard dagegen nicht. Aber ich behandle es anders. Das Smart Keyboard habe ich ab und zu mit einem Fettlöser gereinigt, wie ich das mit Screens und Laptops generell mache. An das Magic Keyboard bin ich bisher nur mit einem trockenen Tuch gegangen.

Das Smart Keyboard Folio hat die berüchtigten Butterfly Switches, allerdings unter einer schützenden Mebran. Da kann man soviel drauf krümmeln wie man will. Nichts kommt an die empfindlichen Schalter. Ich habe auf diesem Keyboard gerne und viel geschrieben. Das Magic Keyboard dagegen ist wie ein (neues) MacBook Keyboard aufgebaut: Beleuchtete Tasten mit größerem Hub, die im Case verschwinden und deshalb Krümel aufnehmen können. Das sollte den Scissor Switches nichts ausmachen, aber trotzdem sollte man das berücksichtigen und lieber keine Kekse knabbern. Sollte ich sowieso nicht. :-)

Das Schreibgefühl ist für mich ziemlich perfekt und muss sich nur einem ThinkPad-Keyboard geschlagen geben. Das Trackpad ist viel kleiner als bei einem Macbook, funktioniert jedoch auch mit Drei-Finger-Gesten wunderbar. Die Integration des "Mauszeigers" in iPadOS ist gut gelungen, nur bei den Apps hapert es noch. In den Apple-Programmen wie Pages ist sie vorbildlich, ebenso in iA Writer, nicht aber in Word. Da muss Microsoft noch nachlegen.

Das Nebeneinander mehrerer Apps benutze ich in der Praxis so gut wie gar nicht. Das ist bei iPadOS mit den Wischgesten einfach schlecht gelöst. Dafür nutze ich jedoch dauernd das Cmd-Tab zum Umschalten zwischen Programmen. Wenn ich das iPad wie einen Laptop nutze, muss ich kaum noch auf den Bildschirm greifen.

Parallel zum iPad Pro benutze ich aktuell entweder ein Surface Pro X oder ein ThinkPad Yoga. Und ich wechsle immer zu diesen Geräten, wenn es um Dateien geht. Bei iPadOS bekomme ich nach Jahren immer noch einen Knoten in den Kopf, wenn ich einen Mailanhang lösen, in OneDrive verschieben und dort organisieren will. Wenn ich das auf dem iPad machen will, ist PDF Expert von Readdle ist für mich immer noch das Tool der Wahl. Mit dem entscheidenden Nachteil, dass ich Synchronisationen mit OneDrive immer erst abwarten muss, weil das im Hintergrund unter iPadOS nicht funktioniert.

Das ist vielleicht mein größter Wunsch an Apple: Spendiert dem iPad einen Finder und ein Dateisystem, in das man Cloud Storage mounten kann. Es ist ja nicht so, als ob Apple den Code dafür nicht schon längst hätte. Hier muss sich das iPad einfach weiter vom iPhone entfernen, wenn das iPad ein "Computer" oder auch nur "Pro" werden will.

Die fehlende Funktionstastenreihe habe ich bisher nicht sehr vermisst, zumal ich immer mehr Shortcuts lerne. Die vielleicht wichtigsten: Cmd-Home für den Home-Bildschirm und Cmd-Leerzeichen für die Suche. Das gilt auch für das Smart Keyboard Folio, aber dort habe ich sie nicht gelernt, weil ich dauernd zum Bildschirm greifen musste und dann entsprechend die Wischgesten benutzt habe. Seit ich ein Trackpad habe, mache ich das im Laptop-Betrieb nicht mehr.

Für meinen Betrieb gibt es keinen Unterschied zwischen dem 2018er iPad Pro und dem 2020er Modell. Der Prozessor hat einen Kern mehr, was man nicht spürt, und die Verbesserungen bei den Kameras machen sich für mich nicht bemerkbar, so lange ich keine AR-Anwendungen nutze. Wo ich dagegen sehr sicher bin, ist die Größe. Ich will unbendingt das 12.9 Zoll große Modell haben, weil der Bildschirm die für mich perfekte Laptop-Größe hat und weil dann auch die Tastatur groß genug ist. Die kleinere Tastatur des 11 Zoll großen iPad Pro bremst mich zu sehr aus. Wer das kleine Modell bevorzugt und sein iPad sowieso nur in die Hand nimmt, kann sich sehr viel Geld sparen und das normale iPad nehmen. Da diese Geräte sehr langlebig sind, würde ich übrigens zu der größeren Speicherausstattung raten.

Auch mit dem normalen iPad kann man so arbeiten wie ich mit dem iPad Pro. Logitech bietet dazu ein passendes Keyboard Folio mit Trackpad an. Auch für das iPad Pro kommt Logitech jetzt mit diesem Angebot raus, zunächst für das kleine Modell. Wenn man genau hinschaut, sieht man, dass dieses Folio auch die beim Magic Keyboard fehlenden Funktionstasten hat. Da die Übertragung per Bluetooth funktioniert, kann man das Keyboard sogar vom iPad absetzen.

Das Magic Keyboard hat für mich ein paar große Vorteile gegenüber allen anderen Folios. Das iPad lässt sich senkrecht oder sogar negativ anstellen, so dass man bei Videokonferenzen die Perpektive "von unten" vermeiden kann. Und nicht zuletzt taugt das Magic Keyboard ohne Einschränkunen auch für den Betrieb auf dem Schoß. Kann ich jetzt bitte noch die Frontkamera auf der rechten Längsseite haben, damit ich in Videokonferenzen geradeaus und nicht zur Seite schaue?

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Comments

"Das Smart Keyboard habe ich ab und zu mit einem Fettlöser gereinigt, wie ich das mit Screens und Laptops generell mache." Da bin ich an Erfahrungen interessiert. Was funktioniert und ist gefahrlos für die vermutlich beschichteten Screens der diversen Apple-Gerätschaften?

Jan Poenighaus, 2020-07-27

Die Bildschirme mache ich seit Jahren mit Fensterklar sauber.

Volker Weber, 2020-07-27

Ich nehme für Monitore Leitungswasser und einen Spritzer Klarspüler vom Geschirrspüler. Funktioniert genauso gut wie Glas-/Fensterreiniger und ist freundlicher zum Geldbeutel und (bei richtiger Dosierung) zur Umwelt. Geht auch für Brillen - und natürlich Fensterscheiben ;)

Stefan Rubner, 2020-07-27

ich wünschte mir Apple würde den USB-C Anschluß des Magic Keyboard nicht nur zum Laden (was auch schon klasse ist) sondern als vollwertigen USB-C Anschluß anbieten.

Es ist optisch blöd an der Seite das Kabel hängen zu haben, um ein Zubehör zu benutzen. Und ich traue hier den im Vergleich zum Lightning wackligen USB-C Steckverbindungen nicht auf Dauer.

Detlev Poettgen, 2020-07-28

Der Anschluß am Keyboard wird auf die drei Pogo-Pins auf der Rückseite des iPad Pro geleitet. Die taugen nicht zur schnellen Datenübertragung.

Volker Weber, 2020-07-28

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