Was haben wir mit AI erreicht?

Sehr viel.

Es ist viel einfacher, Fotos und Videos zu fälschen. Wir können Sozialgerichte mit einer Flut von Eingaben blockieren. Seminar- und Diplomarbeiten schreiben sich von selbst, Powerpoint produziert fertige Meeting Slides aus fünf Bullet Points und fasst die Ergebnisse der Besprechung wieder in fünf Bullet Points zusammen. Sachkenntnis lässt sich ganz einfach simulieren, bis zu dem Zeitpunkt, an dem man sie tatsächlich brauchen würde. Wir können IT-Systeme leichter attackieren und Roboter können Menschen viel effektiver töten.

Aber es ist nicht alles schlecht. Heute schrieb ein befreundeter Anwalt:

Ich habe heute zum dritten Mail einen Prozess gewonnen, einfach nur, weil sich die Gegenseite trotz drängender Hinweise des Gerichts von ChatGPT hat vertreten lassen. Mein Arbeitsaufwand war mehr oder weniger bei Null bei vollen Gebühren.

Eben kommt ein Schreiben einer Kollegin. Sie möchte sich in einem anderen Verfahren dringend vergleichen, weil ihr heute – einen Tag vor Termin – aufgefallen ist, dass ihre KI Anwendung im letzten Schriftsatz die Parteirollen (Antragstellerin/Antragsgegnerin) vertauscht und sie damit unwirksame Anträge gestellt und komplett falsch vorgetragen hat.

Manchmal gewinnt man und manchmal verlieren die anderen.

10 thoughts on “Was haben wir mit AI erreicht?”

  1. AI ist eine Technologie, die zu unfassbarem Missbrauch verwendet und als Waffe genutzt wird.

    Die Frage ist doch eine andere: Die Technologie ist da, und sie wird nicht verschwinden, nur weil ein paar Tekkies und mit viel Glück der/die eine oder andere Entscheider:in, die durchschauen, wozu sie missbräuchlich eingesetzt wird, das doof finden.

    Privat kann man sich entscheiden, AI einfach nicht zu nutzen und andere, die es tun, sozial zu ächten und zu bestrafen. Gibt ein wohliges Gefühl, verändert aber nicht die Welt.

    Aber was tun als Unternehmen oder gar als Staat oder Gruppe von Staaten wie die EU?

  2. Hallo zusammen,
    für mich ist das etwas zu schwarz-weiß dargestellt.
    Ich sehe durchaus auch viele Vorteile.
    Ich kann beispielsweise meine selbst geschriebenen E-Mails – in nicht ganz so gutem Deutsch 😉 – anschließend auf grammatikalische Fehler prüfen und verständlicher formulieren lassen. Das hilft mir ungemein.
    Auch bei meinem aktuellen Migrationsprojekt hilft mir KI sehr dabei, Skripte und kleine Programme zu schreiben, die ich mit meinen mittlerweile etwas eingerosteten Entwicklungskenntnissen sonst niemals und schon gar nicht in dieser Geschwindigkeit hätte erstellen können.
    Mein Sohn entwickelt beispielsweise eine KI-basierte App, die aus einem Gespräch mit einem Kunden über die Gestaltung eines neuen Gartens sofort Eckdaten zu Materialbedarf, Umsetzungszeit und Kosten ermittelt. Dadurch wird die Erstellung eines Angebots für meinen Sohn erheblich vereinfacht.
    Ich könnte noch viele weitere Beispiele nennen.
    Wie immer gilt: Ein Küchenmesser an sich ist kein Problem. Es ist die Hand, die das Messer als tödliche Waffe einsetzt, die das Problem darstellt.
    – von ein KI-Dienstleister grammatikalisch korrigiert –

    1. Es ist kein entweder oder: Ein Werkzeug kann so problematisch sein, dass man nickt nur den gefährlichen Einsatz reguliert, sondern bereits den Besitz.

      Und neben dem problematischen Einsatz kann auch bereits die Herstellung eines Werkzeug problematisch sein.

      1. Das ist genau was ich meine: es geht um die Hand, nicht um das Ding.

        1. Ich weiß dass Du das meinst.

          Aber ist Dir klar das andere das anders sehen und hältst Du es für eine legitime Sichtweise? Wenn manche meinen: Manchmal geht es nicht nur um die Hand, sondern auch um das Ding?

          Ich bin mir noch unschlüssig, ob ich dem zustimme. Aber ich verstehe, dass manche hyperscaled GenAi derzeit inherent problematisch finden.

  3. Also ich muss mich hier mal als IT- und Audio-Opa zu Wort melden. Endlich tut sich mal was in der Technologie und alle schimpfen. Die letzten 40 Jahre IT waren doch nur kosmetische Korrekturen. Meine erste Mail datiert 1991 und noch immer schreiben wir Mails. Die Frage “Wo hab ich´s gespeichert” begleitet die Menschheit seit Anbeginn der IT.
    Digitalisierung, wann fangen wir mal damit richtig an? Alles nur schneller, größer, mobil…

    Volker, kannst Du Dich noch an Zeiten erinnern, als es um Übersetzungsservices drehte. Damals war Dein Tenor dass wenn die Deutschen das nicht so sehr nutzen, die deutsche Sprache in diesen Services eben nicht so qualifiziert umgesetzt wird.

    Ich habe schon vor 15 Jahren meinen (damaligen) Mitarbeitern erklärt, sie werden später nicht mehr programmieren wie bisher, sondern die besseren Fragen stellen. Und je mehr ich in das Thema KI einsteige, je mehr stelle ich fest, wie viel Fachwissen notwendig ist, um KI sinnvoll einzusetzen. Der Programmierer ist tot, es lebe der Software Architekt. Welcher Amateur kann aus den 50 Versionen eines Musikstückes, die von KI generiert wurden, die “beste” Version für sich nutzen? Ich als Opa kann plötzlich mein ganzes Wissen packen und mit Hilfe von Claude verrückte Ideen umsetzten und mir für´s Studio ein eigenes Hall-Plugin in C++ schreiben, das auch noch funktioniert.

    Ganz meine Welt – plötzlich sind meine Gedanken (Ideen) frei…

  4. Ich erlebe im Beruf große Begeisterung für AI. Leute, die keinen geraden Satz schreiben können, klingen mit einem Mal in der Mail formal und|oder gar eloquent.
    Mittelmäßige Programmierer (like myself) staunen über den quantitativen Output und erzeugen plötzlich große Codemengen, die sogar die parallel von der KI ausgeschwitzten Tests grün färben. Inwieweit dieser Code wartbar und frei von technischen Schulden ist, sieht kein Mensch mehr – es ist einfach zu viel.
    Läuft also wie mit jedem Werkzeug: Der Wahrscheinlichkeitspapagei ist ein großer Enabler für die wenigen kompetente Nutzer und ein großer Amplifier für die weit verbreitete Mittelmäßigkeit.

    1. Es wiederholt sich das, was schon Microsoft Access geschafft hat. Ganz viele Anwendungen zu generieren für Menschen, die nicht wirklich wissen, was sie da tun.
      AI beeindruckt dort, wo man sich nicht auskennt. Laien schreiben brillante juristische Texte, die dann bei Gericht krachend an die Wand fahren. Jobsuchende schreiben Hunderte von Bewerbungen, die dann alle auf die gleichen Recruiter treffen, die keinen Clue mehr haben, wer tauglich aussieht oder auch tauglich ist. Und völlig untalentierte Menschen produzieren Muzak, die dann Spotify und Co fluten.
      Ich sehe da ein Pendel, das mächtig zurückschwingt, wenn erst mal die Rechnung präsentiert wird. Bis dahin sind dann die weg, die sich wirklich auskennen.

  5. Es gibt talentierte und fähige Leute die damit großartiges erzeugen. KI ist ein Beschleuniger, es kann sowohl Dummheit als auch Intelligenz beschleunigen. Während die Einen sich über beschleunigte Dummheit amüsieren oder echauffieren, staune ich über beschleunigte Intelligenz …

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