Neues aus der UX-Hölle der TK

Die Techniker Krankenkasse hat es geschafft, ihre App noch einmal schwieriger zu machen. Man kann nun nämlich keine Screenshots mehr machen.

Wozu Screenshots? Das war eine willkommene Krücke, um ein Medikament in der Apotheke abzuholen. Die TK hat sich das nämlich so vorgestellt: Der Versicherte geht in die Apotheke und zeigt dort das Rezept vor. Der Apotheker scannt den QR Code und händigt die Medikamente aus. Dort gab es bisher drei Hürden:

  1. Man muss sich zunächst erfolgreich in der App anmelden. Dazu hatte ich schon geschrieben.
  2. Dann sucht man im Service-Menü den Eintrag für das E-Rezept. Auf der Frontseite der App ist dafür kein Platz.
  3. Bevor man das E-Rezept anzeigen kann, wechselt die TK App in die gesonderte TK Ident App, wo man sich erneut anmelden muss.

Die beiden Anmeldungen lassen sich nach erfolgreicher Freischaltung per FaceID öffnen. So weit so gut. Der Pferdefuß ist die Freischaltung, denn dafür benötigt man Service-Pins, die nicht einmal dauerhaft gültig sind. Ich habe davon erzählt.

Dummerweise erlischt die Freischaltung in der TK Ident App alle sechs Monate. Man steht also ggfls. in der Apotheke, will sein Rezept vorzeigen und nach diversen Taps und zwei FaceIDs wird man dann zur Freischaltung aufgefordert, für die man Gesundheitskarte oder Perso nebst der passenden PINs bereithalten muss.

Wenn ich die Gesundheitskarte dabei hätte, dann würde ich die direkt in der Apotheke einlesen lassen, n’est-ce pas?

Also checkt man sein Rezept besser, bevor man dran ist und macht geschwind einen Screenshot vom QR Code, damit man nicht den ganzen Laden aufhält. Aus die Maus, geht nicht mehr.

Es sei denn, man hat zwei Handys und fotografiert das eine mit dem anderen.

17 thoughts on “Neues aus der UX-Hölle der TK”

  1. Ich habe es aufgegeben den QR Code zu nutzen. Stattdessen gebe ich einfach weiterhin meine TK-Karte in der Apotheke ab. Funktioniert ja weiterhin problemlos.

    1. Genauso mache ich es auch. Die TK-Apps habe ich alle gelöscht.

  2. Wie ist das bei anderen Krankenkassen? Nutzen sie die gleiche Infrastruktur?
    Sind andere Systeme ebenfalls nicht kundenfreundlich, weil die Vorgaben so strikt sind?

    1. Ich habe die AOK App “Mein Leben”. Da stehen die aktuellen Rezepte hinter einem Reiter, die abgelaufenen hinter einem anderen. Aber auch hier der Blödsinn: Ich logge mich ein (Biometrie plus PIN) und irgendwann schaltet sich “AOK Ident” ein und will alles beides nochmal haben. Bis jetzt weiß ich nicht, was AOK Ident triggert.

      Auf Nachfrage wurde mir erklärt, dass AOK Ident der Sicherheitsanker ist, wenn meine Karte verloren geht oder abgelaufen ist. Aber warum sie startet und dann alles andere blockiert, das konnte mir niemand erklären.

      1. Vorgaben zum Look & Feel machen wir nicht. Dürfen wir (bisher) nicht. Das nennt sich Marktmodell.

        1. Lock & Fear trifft es eher. Ich habe jedesmal Angst vor der TK App, wenn ich sie benutzen muss, weil es regelmäßig damit endet, dass ich einen Brief mit dem Freischaltcode anfordern muss.
          Vielleicht bin ich (noch) zu selten krank um die nötige Routine im Umgang mit der App zu entwickeln.

  3. Ich arbeite ja in dem Bereich und habe technischen Sachverstand, sag ich mal ganz allgemein. Und ich nutze keine einzige App.

  4. …Sicherheitsanker, falls
    * die Karte verloren geht => die Karte funktioniert alleine wunderbar
    * die Karte abgelaufen ist => das kann die App nicht online prüfen?

    Digitalisierung ist echt hart. Welcher Betrug (?) wird denn verhindert? Warum macht die App nicht das, was sonst die Karte macht? Haben die Terminals kein NFC?

  5. Dieser automatische Logout ist leider ein grundsätzliches Problem des E-Rezeptes. Ich vermute da ist die TK mal nicht schuld.
    Die offizielle E-Rezepte-App macht dies exakt genauso. Ich habe dort alle eGKs der Familie hinterlegt um bei Bedarf mal für jemanden aus der Familie ein Rezept abholen zu können.
    Müsste mich nur alle 6 Monate mit 4 eGKs neu einloggen. Und natürlich gibt die App keine Vorwarnung, dass ein Auffrischung des Logins bald notwendig wird.

    Hab ich als Feedback schon vor langer Zeit zurückgemeldet.

    Inzwischen wird halt auch nur noch die Karte selbst genutzt, da der Weg via App einfach nur unzuverlässig und nutzlos ist.

    1. Periodisches Ausloggen ohne Vorankündigung macht die E-Rezept-App der Gematik auch, so dass es sich dabei wohl tatsächlich um eine Vorgabe handelt. Man braucht dann z.B. den Personalausweis mit Chip und PIN zur erneuten Anmeldung.

      Ansonsten ist diese App gut: Es gibt Profile, um für andere Familienmitglieder Rezepte einlösen zu können, keine Einbindung in Kassen-App-Welten, und sie ballert einen nicht mit Werbung voll. Deshalb klappt sie aber nicht gut mit allen Apotheken, die darin gelistet sind, wenn die lieber auf ihre eigenen Apps setzen. Ist das geklärt, läuft vor allem die Verlängerung von Dauermedikation im Vergleich zu vor dem E-Rezept wirklich super: Rezept beim Hausarzt per Telefon oder Mail verlängern lassen, per App an die Apotheke schicken und der Bote bringt die Sachen.

      https://apps.apple.com/de/app/das-e-rezept/id1511792179

  6. Man kann Krankenkassen wechseln. Man muss das nicht ertragen.

  7. Seit einem Jahr bin ich auch regelmäßig an Medikamente gebunden. Seit Tag 1 nutze ich die App meiner Apotheke, ja – mit SMS und dann Einlesen der Gesundheitskarte – aber das zuhause im Sessel. Die Apotheke liefert kostenlos zur Türe. Leider muß ich dann Bar bezahlen… die Welt ist nicht perfekt. Ach ja, die App zeigt mir dann später problemlos meinen aktuellen Warenkorb. Wer also mein iPhone stiehlt und FaceID überwindet, der… ach nee, dann habe ich ganz andere Probleme!

  8. Ich habe in der TK-Ident-App heute den Hinweis erhalten, dass ich einer Anpassung des Sicherheitsniveaus zustimmen kann – danach ist nur noch einmal jährlich eine erneute Authentifizierung notwendig. Abgesehen davon, dass auch dort in regelmässigen Abstände eine neue Authentifizierung mit Gesundheitskarte und PIN notwendig ist, finde ich ebenfalls die offizielle E-Rezept sehr gelungen. Profile für alle Familienmitglieder, und die Möglichkeit, Rezepte vorab an eine Apotheke zu schicken, um sicher zu sein, dass Medikamente dann bei Abholung vorrätig sind, sind sehr hilfreiche Funktionen. Hier stelle ich allerdings fest, dass die Anbindung der Apotheke unterschiedlich gut ist, nicht bei allen bekommt man beispielsweise eine Rückmeldung, wenn das Präparat abholbereit ist.

  9. Um mal wieder die isländische Sicht darzulegen: Hier schickt der Arzt oder Tierarzt am Ende der Behandlung das Rezept digital an eine App, auf die alle Apotheken des Landes zentral Zugriff haben. Ich gehe also in die Apotheke meiner Wahl, weise mich dort aus (Nationale ID-Nr. + Führerschein genügt) und erhalte das Medikament, das der Apotheker in der App auf meinen Namen reserviert sieht. Simpel. Wo ist der Haken, das auch in Deutschland umzusetzen? Ich sehe keinen.

  10. > Es sei denn, man hat zwei Handys und fotografiert das eine mit dem anderen.

    Vielleicht kannst du’s auf nen Kopierer…

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