Balkonkraftwerk rechnet sich

Vor genau elf Monaten haben wir ein Balkonkraftwerk auf’s Dach gelegt und das hat sich binnen kürzester Zeit gerechnet. Die Vorgeschichte dazu: Vor ein paar Jahren haben wir uns eine “große” PV-Anlage mit Batteriespeicher und Wallbox anbieten lassen, zu einer Zeit, als die Ampel sowas gefördert hat. Bedingung war: Man muss alle drei Komponenten gemeinsam anschaffen.

Die Angebote und vor allem die schlampige Installation haben uns nicht überzeugt. Optimistische Berechnungen versprachen einen Break-Even nach 12-15 Jahren. Es hat einfach nichts gepasst. Aber ich wollte was lernen und so haben wir letztes Jahr ein Balkonkraftwerk gekauft.

Mal wenig, mal viel Sonnenschein, ein bisschen was geht immer

Lektion 1: Wir haben bis 10 Uhr soviel Schatten auf dem Dach, dass die Anlage selbst im Hochsommer erst danach nennenswert Strom liefert. Das war in den Angeboten nicht ausreichend berücksichtigt.

Lektion 2: Die Produktion variiert sehr stark, je nach Wetter und Jahreszeit. Wir hätten nie und nimmer unsere Wärmepumpe damit betreiben können. Ich rechne einfach mal von zwei auf 16 Panele hoch. Der vorgesehene Akku wäre auch für das Laden des E-Autos viel zu klein gewesen.

Lektion 3: Das Balkonkraftwerk ist ökonomisch ein Kracher. Wir haben bereits (rechnerisch) den Break-Even erreicht. Rechnerisch unter der falschen Annahme, dass wir allen produzierten Strom auch selbst verbraucht hätten. Das gelingt im Winter problemlos, im Sommer aber hat man an manchen Tagen “zuviel” Strom.

So geht die Rechnung:

Die ersten beiden Posten hat die Stadt Darmstadt mit 50% bezuschusst. Dazu addiert kamen Versandkosten und ein Wellschlauch, den wir nicht angegeben haben. Bezahlt haben wir nach der Förderung soviel wie wir für den produzierten Strom im Einkauf hätten zahlen müssen.

Das Jahr ist noch nicht voll. Voraussichtlich werden wir im ganzen Jahr mehr als 1000 kWh produzieren. Die müssen wir auch tagsüber verbrauchen, denn für die Einspeisung bekommen wir nichts. Das kommt bei einer so kleinen Anlage ganz gut hin, weil wir tagsüber zu Hause sind. Grundlast, Kochen, Waschmaschine, Computer, Monitore etc. verbrauchen das (überwiegend), was wir erzeugen. Wer tagsüber im Büro ist und wie wir keinen Akku hat, der muss anders rechnen. Den zwölften Monat rechne ich einfach mal gegen die Einspeisung, dann sind wir binnen einem Jahr aus der Umlage.

Gerechnet hatte ich übrigens mit zwei Jahren, weil mir die Subvention zu wackelig erschien. Ab jetzt spart die Anlage aber weiterhin jedes Jahr rund 1000 kWh Strombezug ein. Wieviel das wert ist, hängt am Strompreis.

Ausblick: Ein Akku war vor einem Jahr noch vergleichsweise teuer. Wir könnten heute einen doppelt so großen Akku für das gleiche Geld kaufen, aber wir bräuchten in jedem Fall zwei PV-Module mehr. Damit könnten wir an guten Tagen den gesamten Stromverbrauch rund um die Uhr abdecken, aber eben nicht von Oktober bis Februar. Im Winter wäre er nutzlos.

So ein Balkonkraftwerk empfehle ich jedermann, der eine PV-Anlage plant. Learning by doing. Jeder Standort ist anders, jedes Nutzungsprofil ist anders. Und wenn man dann doch noch in eine “große” Anlage einsteigt, dann montiert man sich das BKW auf die Gartenhütte.

Wer zur Miete in einem Haus wohnt, wo er nur von einer Seite und nicht den ganzen Tag Sonne hat, der braucht länger als ein bis zwei Jahre, bis sich das rechnet. Ohne Balkon ist es auch ziemlich schwierig, die doch sehr großen Panele unterzubringen. Wie groß? Rund 1,7 Quadratmeter pro Modul und möglichst keinen Schatten.

18 thoughts on “Balkonkraftwerk rechnet sich”

  1. Als nächstes Projekt empfehle ich, den Speicher mal selbst zu bauen. Und sei es nur für die Waschmaschine. Prismatische Zellen kosten inzwischen 60 EUR für > 300Ah @ 3.3V.
    Selbst wenn das Amortisieren der Multiplus-Wechselrichter vermutlich deutlich länger dauert. 🙂

      1. Das ist ein guter Entschluss!

        Deine Beschreibung finde ich sehr gut – auch und gerade was die vollkommen unterschiedlichen Ausgangsvoraussetzungen anbetrifft und dort ausdrücklich das man das bei dem Preis auch einfach gut spielerich ermitteln kann.
        ich habe 2 Platten auf der Terrasse “liegen” und da ist nennenswert Sonne nur von 10:30-17 Uhr. Haus steht leider falsch 😎
        Ein 2KW Akku ist dort schon hilfreich, an sonnenreichen Tagen wird meine Grundlast (Singlehaushalt, Werktags tagsüber in der Regel niemand zu Hause) , ca 110W, so fast den ganzen Tag gedeckt.
        Wenn der Akku (selten) 96% überschreitet sorgt als einzige Automatation Homeassistant dafür das anstatt 110W 250w ins Hausnetz fliessen bis der Akkustand unter 90% ist. Weitere Erfassungen mit einem digitalen Zähler braucht es in dem Szenario nicht, habe ich zwar zum Visualisieren (2 Wege Stromzähler auslesen) aber das ist Spielerei, faktisch wird der selbst erzeugte Strom zu 100% selbst verbraucht – und der Akku dazu aber gebraucht.

  2. Wenn du einen Smartmeter im WLAN-Empfangsbereich installieren kannst, gibt es mittlerweile auch einige Akkus, die man nachträglich im Haus irgendwo hinstellen kann, ohne dass man sie mit den Solarmodulen verbinden muss (Anker Solarbank Mac AC, Zendure Solarflow 2400 AC). Da wird dann Solarüberschuss gespeichert und ggf. nachts wieder abgegeben. Einziger Haken: Die Einspeisung ist ohne Solarmodule dann natürlich legal auf 800 Watt begrenzt.

    1. Ja, das ist wahr. Habe ich aber aus verschiedenen Gründen nicht gemacht. Der Wichtigste: Ich habe nicht viel Überschuss. Da komme ich auf keinen grünen Zweig.

      1. Klar, das lohnt sich vielleicht erst ab drei oder vier Modulen (die du dann offiziell nur per Wieland-Dose einspeisen darfst). Aber du wirst vermutlich auch mit zwei Modulen schon häufig nur 300 bis 400 von den 800 Watt verbrauchen, da kommen dann z.B. bei 6 Stunden mit je 400 W Überschuss schon 2.400 Watt Überschuss zusammen, genug für einen kleinen Speicher und den Standbybetrieb nachts. Außerdem scheint die Sonne 10 Minuten mal sehr stark, dann 5 Minuten weniger etc. – Speicher glättet Erzeugungsschwankungen. Bis sich ein 1000-Euro-Speicher lohnt, wird es dann aber sicher einige Jahre dauern.

  3. Wärmepumpe plus Solar ergibt nur Sinn, wenn sie auch kühlen kann. So wurde mir das jedenfalls erklärt und es ist ja auch logisch. Dann, wenn die WP Energie braucht zum wärmen, ist idR wenig Sonne da.
    Die modernen WPs können wohl auch kühlen. Da würde das schon mehr sinn ergeben, kann ich mir vorstellen

    Wir haben auch seit etwa zwei Jahren ein Balkonkraftwerk und sind sehr zufrieden. Wir sind noch nicht beim Break even, da wir einen recht großen Speicher haben. Aber das dauert nicht mehr all zu lange.

    Wer bei Solar auf die Wirtschaftlichkeit schaut, kann bei Balkonkraftwerken ungehemmt zugreifen. Je weniger Speicher, desto schneller amortisiert sich das Ganze.

    Bei einer richtigen Solaranlage muss man andere Gründe haben. So wie ich mir das durchgerechnet habe, lohnt sich das oft nicht.

    1. Wärmepumpe ergibt sowieso Sinn. Die Kühlung muss man differenziert betrachten.

      Wir können die Fußbodenheizung ein paar Grad kühlen, ohne zu komprimieren, weil wir eine Erdsonde hat, die eine kältere Soleflüssigkeit bereitstellt. Diesen Stromverbrauch deckt bereits das Balkonkraftwerk ab. Das erzeugt aber keine eiskalten Räume*, weil man sich sonst durch Kondensation Wasser in den Boden schafft. Wir liegen immer deutlich über dem Taupunkt.

      Bei einer Luft-Luft-Wärmepumpe (vulgo Klimaanlage) braucht man viel mehr Strom und da kann man eine große Solaranlage gut auszunutzen.

      *) Wir lagen in dieser Hitzewelle immer 10-12 Grad unter der Tageshöchsttemperatur: <28 innen, >40 außen. In vergleichbaren Häusern ging das hoch bis auf 32.

    2. Leider ist Kühlung mit Wärmepumpe so eine Sache, ich hab da auch drauf spekuliert, mache es aber nun auf Anraten meiner Heizungsbude nicht.

      Wir haben 2024 bis April 2026 ein freistehendes 1-Familienhaus energiesanieren lassen (Fassaden- und Geschossdeckendämmung, Dach neu, Fussbodenheizung, Elektrik komplett neu; dann 8kWp Solaranlage, 11kWh Speicher mit 15kWp Hauskraftwerk, 10kW Luft-Wärmepumpe).

      Beim Kühlen mit Wärmepumpe und Flächenwärmetauscher im Boden oder Wand hast Du zwei Probleme: Erreichen des Taupunkts und damit Kondenz und damit die Gefahr von Schimmelbildung im Estrich bzw Estrich und Bodenbelag (hier Fliesen) und zweitens raten zumindest Bosch und Baugleiche auf ihren Lehrgängen offen davon ab, die Kühlfunktion dem Endkunden anzubieten bzw aktiv zu bewerben, obwohl die das technisch können und auch im lokalen Menu z.B. meiner WP sichtbar ist. Gründe dafür: Sehr viel mehr Zyklen als im Wärmebetrieb, Wechsel zwischen Kühlen und Heizen (Warmwasser braucht man ja trotzdem), andere, nicht optimale Betriebsbedingungen, sehr viel höherer Verschleiss und früherer Ausfall – das sagen mir Leute, die damit Geld verdienen.

      Allgemein:
      Ich hab den Akku inzwischen auf 22kWh aufgebohrt, weil wir gelernt haben, dass wenn die Sonne scheint, die PV in idealer Lage und ohne Abschattung die Batterie in so kurzer Zeit füllt, dass auch die doppelte Kapazität kein Problem ist und ich dann gerade mit der WP länger keinen Strom beziehen muss, wenn es länger ernsthaft bedeckt ist. Das ist sehr sicher nicht amortisierend wie Volker das rechnet, aber ich hatte das Geld und rechne eher in ab jetzt laufende Kosten stark reduzieren.

      Durch das vorhandene E-Auto bekomme ich Überschuss der PV zumindest zu einem Teil besser verwertet als für 8ct einzuspeisen, aber so viel fahr ich dann auch nicht. Leider ist das Auto alt und kann nicht V2L/V2G und damit als erweiterter Speicher dienen.

      Ich bin gespannt auf den ersten Winter mit Wärmepumpe. Seit April (PV Inbetriebnahme) sind wir autark, theoretisch müsste ich aufs Jahr bezogen etwa 4 mal so viel Einspeisen wie Strom beziehen, um da neutral zu bleiben (Einspeisepreis 8ct, Bezug 30ct).

      Ich finde es gut, mit kleinen Anlagen zu experimentieren, wie Volker schreibt, ist das einfach ein Nobrainer – für das Geld (ohne Akku) gehen andere zwei mal essen, das kann man einfach machen.

      Aleks

      1. Im April in Betrieb zu nehmen ist der optimale Zeitpunkt. Im Sommer erzeugen wir im Schnitt 9x so viel Strom wie im Winter. Dagegen braucht die Wärmepumpe im Januar 25x so viel Strom wie im Sommer (nur Warmwasser).

        1. Ja, aber bei uns war das Zufall beziehungsweise dem generellen Bauablauf geschuldet, früher ging es nicht.

          Aktuell verbraucht die WP 1,5 kWh am Tag (das ist eben nur Warmwasser), da diese erst Mitte Mai in Betrieb gegangen ist, hab ich noch keine ernsthaften Zahlen zum Heizen, zu Beginn waren es 4kWh am Tag.

          25fach scheint mir sehr hoch gegriffen, die Verbrauchsberechnung vom Heizungsbauer geht von 9000 kWh im Jahr aus, davon 1500 je im Dezember, Januar, Februar und 200kWh im Juni. Da waren es real 97 kWh.

          Ich bin sehr gespannt, wie sich das an der Realität abnutzt.

          Zur Verklarung, ich hab oben nur verkürzt Luft-Wärmepumpe geschrieben – es ist eine Luft-Wasser-WP (eigentlich klar durch die Fussbodenheizung), keine Luft-Luft-Anlage, wie z.B. Kris sehr ausführlich hier beschrieben hat: https://blog.koehntopp.info/2026/06/23/zusammenfassung-fossilfrei/

          Damit ist Klimatisieren einfach, weil es einfach mehrere Split-Anlagen sind.
          Ich stelle mir auf Dauer den kalten oder warmen Luftzug nervig vor (kenne Luft-Heizungen von Booten), aber das ist ein klarer Vorteil von Luft-Luft-Anlagen.

          Schalten Sie wieder ein, wenn ich in einem Jahr ein Jahr zurück blicken kann 😀

          (sorry für den Lapsus mit dem Namen, das Cookie hat das gespeichert, aber ich habs jetzt wirklich gelesen)

          1. Ja, 1,36 habe ich aktuell pro Tag. Aber in einem kalten Monat können das auch 40 am Tag sein. WP und PV sind jedenfalls antizyklisch. Und nein, 9 MWh haben wir noch nie im Jahr für die WP gebraucht, eher 4 MWh.

  4. In Baden-Württemberg gilt:
    “Die Photovoltaikpflicht gilt für Bauherrinnen und Bauherren beim Neubau eines Wohn- oder Nichtwohngebäudes und bei der grundlegenden Dachsanierung eines Bestandsgebäudes.”

    Ich habe gerade mein Dach grundlegend saniert…

    = 24 Panele und 10kW Speicher. Den meisten Strom macht die Nordseite, das Dach ist aber relativ flach. Heute morgen um 9:00 ist der Speicher schon wieder voll. Meinen E-smart lade ich entspannt vom Dach, Waschmaschine, Trockner und Spülmaschine laufen tagsüber. Lediglich für die Wärmepumpe fehlen mir noch belastbare Zahlen nach der Dachsanierung. Man spricht von 5 kW Wärmepumpe.

    1. Gute Regelung. Mal sollte vor allem Fabrikhallen und Parkplätze mit Solar überdachen. Die Industrie jammert über hohe Energiepreise, nutzt aber nicht das Potential zu Einsparungen.

      Satteldächer haben den Vorteil der größeren Fläche. Ich kriege nur die Häfte der Panele auf mein Staffelgeschoss.

      1. Normale Haushalte dürften schon mit 8 Modulen von Mittel April bis Mitte Oktober kaum noch Strom verbrauchen – eAuto wäre vielleicht sogar auch zu Teilen drin, wenn man täglich wenig fährt und tagsüber mehrere Stunden langsam mit 2,4 kW laden kann.

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