Mirko Ross für heise developer:
Die Sprengkraft der Entscheidung in Washington liegt darin, dass er die strukturelle Abhängigkeit von Europa offenbart. Der Vorfall führt Unternehmen und Organisationen vor Augen, wie riskant Abhängigkeit von KI-Frontiermodellen aus Übersee und Asien ist. Wer seine Cybersicherheit und seine internen Prozesse auf einen einzelnen Anbieter stützt, macht sich erpressbar und manövriert sich in ein Lieferkettenrisiko. Wenn eine ausländische Regierung per Dekret über Nacht den Zugriff auf geschäftskritische KI entziehen kann, bedroht die technologische Abhängigkeit direkt die wirtschaftliche Stabilität.
Digitale Souveränität lässt sich nicht durch eine andere Office-Suite erreichen. AI-generierte Schaufester-Reden eines Digitalministers sind auch nicht zielführend.

Es ist eine alte Weisheit das man nicht alle Eier in einen Korb legen soll. Resilienz und auch nur das Bewusstsein für mögliche Ausfälle, aus welchem Grund auch immer, sind hierzulande kaum ausgeprägt. Strom kommt aus der Steckdose, Wasser aus dem Wasserhahn und Daten aus der Leitung, was soll schon passieren. Ist ja auch viel bequemer und vor allem günstiger als etwas selbst zu machen und seien es nur wenigstens Gedanken wie man damit umgehen könnte. Das betrifft nicht nur Politiker und Entscheider, sondern auch die Bevölkerung.
Wie soll also in einem solchen Klima jemand bei digitalen Themen auch nur die einfachste Vorkehrung treffen. Bei Firmen steht der Kostendruck dahinter. Mehr Backup, Resilienz und Ausweichszenarien im Krisenfall haben eben keinen Business Case – solange bis die Katastrophe oder auch nur ein Ausfall eintritt. Die entsprechenden Diskussionen habe ich in den letzten 20 Jahren an verschiedenen Stellen oft genug geführt.