Copilot+ PCs: Ich habe einen Gewinner

Ich habe einige Wochen länger als geplant gebraucht, um mich für einen der drei Laptops mit Windows-on-ARM zu entscheiden. Gewonnen haben alle. Sie sind schneller, leiser und ausdauernder als alle anderen PCs, die ich habe. Microsoft und seine Partner haben mehrere Anläufe gebraucht, um eine Konkurrenz zur X86-Architektur zu etablieren. Surface Pro X gefiel mir zwar sehr, aber der Rechner war am Ende einfach zu lahm. Ähliches galt für verschiedene Lenovo-Versuche, die ich nicht mal vorgestellt habe.

Das hat sich jetzt mit den aktuellen Snapdragon-Prozessoren geändert, und das bereits ohne die versprochene KI. Holy Moly, was sind diese Rechner snappy.

Lenovo Yoga Slim 7X und Microsoft Surface Laptop 7 13.8
  • Der Surface Laptop 7 war der erste Copilot+ PC, der hier ankam. Ich war auf Anhieb verliebt. Das ist der schönste Laptop, den ich je gesehen habe. Deutlich schöner als ein MacBook Air und das will was heißen. Sauberer kann man einen Rechner nicht gestalten. Nichts stört das Auge, keine Aufkleber, kein “Notch”, keine Produktbezeichnungen. Er hat das beste Touchpad der drei – ja, auf Apple Niveau. Es bewegt sich nicht, wenn man draufdrückt, sondern simuliert das Feedback über einen Motor. Man kennt das von iPhones mit TouchID. Positiv: Er hat nicht nur zwei USB-C Anschlüsse, sondern auch 3,5mm-Audio und einen USB-A Port. Dazu den Surface Connector, der magnetisch gehalten wird. Die Lautsprecher im Surface Laptop 7 hatten den besten Klang, das Display mit 120 Hz die höchste Bildwiederholrate. Ich würde vielleicht statt des 13.8″ Modells gleich das mit 15″ nehmen, das nur unwesentlich teurer ist. Farben sind Geschmacksache. Das helle Blau gefiel mir auf Anhieb, aber auf Dauer hätte ich wohl lieber Platin oder Schwarz.
  • Der Lenovo ThinkPad T14s Gen6 (14″ Snapdragon) ist gegen Surface geradezu ein trockenes Brötchen. FullHD-Auflösung mit 60 Hz, kein Touchscreen, dafür aber den roten Nippel, ohne den die ThinkPad-Fans nicht arbeiten wollen, und ein mattes Display! Diese Bescheidenheit bei Auflösung und Bildwiederholrate ermöglicht eine exorbitante Batterielaufzeit. Wir reden hier von “mehr als ein Tag”. Der Rechner hat auch die meisten Ports: 2x USB-A, 2x USB-C, HDMI und 3,5mm Audio. Das ist das Arbeitstier.
  • Der Lenovo Yoga Slim 7X ist dagegen das Sexy Beast. 14.5″ OLED Display mit knalligen Farben, 3K Auflösung und immerhin 90 Hz Wiederholrate. Dafür hat das Kleid keine Taschen: Nur 3x USB-C. Für Audio, USB-A und HDMI legt Lenovo gleich noch ein Dongle mit in den Karton.
Lenovo Yoga Slim 7X und Lenovo ThinkPad T14s Gen6

Und wer hat nun gewonnen? Der Yoga. Das hätte ich nicht für möglich gehalten. Aber am Ende war es die Kombination von Bildschirm und Tastatur, die das Rennen gemacht hat. Der Surface Laptop ist bereits verpackt und geht zurück an Microsoft, der ThinkPad wird an anderer Stelle für die Arbeit genutzt.

Trotzdem hat der Yoga meinen heißgeliebten ThinkPad Z13 nicht komplett verdrängt. Das hat zwei Ursachen: Erstens hat der Yoga (wie der Surface Laptop) zwar einen Touchscreen, aber keinen Digitizer für einen Digital Pen. Zweitens habe ich einige Peripherie, vor allem aus dem Audio-Bereich, für die es noch keine Treiber für Snapdragon gibt. Der superkompakte Z13 hat deshalb nun einen festen Platz auf meinem Schreibtisch und der Yoga ist der Reisende, vor allem wegen seiner Ausdauer.

Lenovo ThinkPad Z13 und Lenovo Yoga Slim 7X

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Microsoft hat ein Kommunikationsproblem

Vor ein paar Wochen hat Microsoft die neuen Copilot+ Laptops vorgestellt und die sind absolut fantastisch. Schnell, leise, phänomenale Akku-Laufzeiten. Aber es gibt eine große Diskrepanz zwischen dieser tollen Hardware und dem Marketing-Versprechen eines KI-Laptops, der genügend Leistung hat, um KI-Modelle lokal zu rechnen, ohne Daten in die Cloud zu übermitteln.

Fangen wir mal mit der Copilot-Taste an, die Microsoft für diese neue Hardware-Gattung vorgeschrieben hat. Sie ruft keine lokale Anwendung auf, sondern eine PWA (Progressive Web App). Ohne Internet-Verbindung macht sie schlicht gar nichts.

Microsoft hat kommuniziert, dass alle Prompts zunächst in der Cloud geprüft werden, dass die Verarbeitung aber lokal erfolgt. Dafür braucht es offensichtlich aber keine NPU, jedenfalls schläft dieser Teil des Prozessors. Die gleiche PWA läuft nämlich auch auf “normalen” PCs ohne NPU.

Man kann die NPU aber tatsächlich beschäftigen, indem man die Bildverbesserungen der internen Webcam rechnen lässt. Das beschäftigt CPU und GPU praktisch gar nicht, weil die NPU die Hauptlast trägt. Das trägt übrigens auch zu der enorm guten Akku-Laufzeit bei, weil diese Effekte bei einem normalen PC ziemlich viel Strom verbrauchen.

Was ich mir von Microsoft wünsche:

  • Erklärt klipp und klar, was ein Copilot+ PC in Sachen Privacy bringt. Welche KI-Funktionen laufen komplett lokal und brauchen keine Cloud-Ressourcen?
  • Wenn diese KI-Funktionen auf lokalen Daten laufen und keine Cloud-Ressourcen benötigen, muss man dann immer noch Copilot professionell lizensieren?
  • Was hat Microsoft auf der Roadmap? Es kann ja wohl nicht bei solchen Quatsch-Funktionen wie Co-Create in Microsoft Paint (!) bleiben. Apple hat eine Menge Versprechungen gemacht, die in Europa vielleicht irgendwann nächstes Jahr eingelöst werden. Ich könnte mir vorstellen, dass man Microsoft Editor so aufbohrt, dass er mit Hilfe eines lokalen Sprachmodells noch viel mehr leistet.

Ich höre …

Die Enshittification von Windows

Enshittification is a pattern where online services and products experience a decline in quality over time. It is observed as platforms transition through several stages: initially offering high-quality services to attract users, then shifting to favor business customers to increase profitability, and finally focusing on maximizing profits for shareholders at the expense of both users and business customers.

Wikipedia

Ich habe mittlerweile eine ganze Reihe von Apps und Services, die ich sofort nach der Windows-Installation lösche. Die wichtigsten sind MSN News und Weather, dazu alles mit Xbox im Namen, von Herstellern vorinstallierte Crapware wie Virusscanner etc.

Microsoft verseucht zunehmend alles mit Werbung, sei es für eigene Produkte und Dienste oder auch Angebote von unabhängigen Entwicklern. Das ehemals schlanke und schnelle Edge wird ebenfalls verseucht.

Ein sehr hilfreiches Werkzeug für diese Müllentsorgung ist übrigens WinToys, weil das auch Dinge löscht, denen Microsoft die Uninstall-Funktion genommen hat.

Ich hoffe, dass Nadella irgendwann erkennt, was einige Teile des Unternehmens da anrichten.

Copilot+PCs: Qualcomm liefert, Microsoft nicht

Seit letzter Woche nutze ich einen Surface Laptop 7 mit ARM-Architektur und ich bin hellauf begeistert von der Hardware. Schnell, leistungsfähig, ausdauernd.

Die Diskrepanz zwischen den versprochenen KI-Funktionen und dem, was Microsoft hier abliefert, ist enorm. Microsoft hat ja nun eine Copilot-Taste auf der Tastatur platziert, rechts von der AltGr-Taste. Drückt man da drauf, dann lädt Windows 11 24H2 die Copilot-App aus dem Microsoft Store, die auf jedem PC installierbar ist. Das ist eine schlichte PWA von copilot.microsoft.com, ohne jede Integration in Windows. Offline funktioniert sie gar nicht und lokal wird auch nichts verarbeitet.

Auch der Image Creator in Paint (!) läuft auf jedem PC und ist ebenfalls eine Online-Anwendung. Die Windows Studio Effects kann auch mein ThinkPad mit AMD-Prozessor rendern, allerdings nicht in der gleichen Qualität. Bleibt der Image Cocreator, bei dem man in Paint (!) kritzeln kann und die Software hilft dann beim Malen. Das hat alles die Qualität von Demo-Ware. Ernsthaft nutzen will man das noch nicht. Live Captions mit Simultanübersetzung, was mir bisher besonders gefallen hat, braucht übrigens auch keinen neuen Copilot+PC.

Was bleibt, außer den tollen neuen Laptops? Vor allem Kaisers neue Kleider. Image Cocreator ist Demoware, die anderen Funktionen unterscheiden sich allenfalls graduell von dem, was bisher möglich ist. Mir fehlt spürbarer Nutzen, der sich nachweislich auch offline ohne Verbindung zur Microsoft-Cloud manifestiert. “Copilot, mach mir diesen Text hübsch” oder “Copilot, was ist in den letzten 14 Tagen meiner Abwesenheit in meiner Mailbox aufgelaufen?”.

Ich vermute, dass Microsoft solche nützlichen Funktionen längst plant. Aber geliefert hat Microsoft nichts davon. Und wenn wir das dann tatsächlich lokal auf einem Copilot+PC ausführen können, müssen wir dann immer noch monatlich für Serverleistungen zahlen, die wir gar nicht in Anspruch nehmen?

Copilot+PC: Surface Laptop

Ich habe mit mir gewettet, wer wohl zuerst einen Copilot+PC hier a den Start bringt und auf Lenovo gesetzt. Tatsächlich aber war es Microsoft, die mir einen Surface Laptop 13.8 geliefert haben. Ich werde das Gerät ein paar Wochen im ganz normalen Einsatz benutzen und davon erzählen. Was mich interessiert: Was ist anders an einem solchen WoA-Gerät (Windows on ARM). Ich habe bereits seit 2019 Erfahrungen mit Surface Pro X, das eher kompromissbehaftet war.

Ich werde mich nicht lange mit Benchmarks beschäftigen, das können andere besser als ich. Aber “out of the box” fühlt sich der Laptop rasend flink an, verglichen mit meinem ThinkPad Z13, der mit AMD Ryzen auch nicht gerade lahm ist. Ein schneller Check mit Jetstream2 bestätigt den Eindruck. Mit dem vorinstallierten Edge kommen Werte zwischen 238k (Battery Saver) und 312k (Performance) raus. Der Z13 schafft 190k (Battery Saver) bis 267k (Performance). Der Surface Laptop gibt dabei keinen Laut von sich, während der Z13 im Performance Mode ein paar Mal faucht.

Kurz vor Fertigstellung zog Microsoft das Recall-Feature zurück, sodass man von AI noch nicht viel spürt. Die Windows Studio Effects jedenfalls überzeugen auf Anhieb. So braucht man weder eine zusätzliche Webcam noch ein Headset.

Eine Copilot-App ist ebenfalls vorinstalliert und die gab sich erst einmal pampig. Wir werden uns noch anfreunden. 🙂

Eins kann ich jedoch mit Sicherheit sagen: Das ist der hübscheste Laptop, den ich bisher gesehen habe. Insbesondere das Hellblau hat es mir angetan. Ganz cleanes Design ohne jede Deko, ohne Aufkleber, Typbezeichnungen etc. Perfekte Tastatur und riesiges Trackpad, keine Aussparungen für Kameras, abgerundete Display-Ecken. Nach drei Stunden fleißigem Testen steht der Akku auf 75%. Das ist wohl der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

Fragt mich was. 🙂

Microsoft hat die Wette mit Recall verloren

Recall wird Opt-In. Das war schon immer die beste Möglichkeit, einen schnellen Rollout zu verhindern. Ich bin sicher, weitsichtige Unternehmen planen bereits eine Gruppenrichtlinie, die bestimmt, dass das so bleibt.

Das ist der Punkt, an dem Microsoft weiter machen sollte. Edge wurde vom schnellen sicheren Browser zu einem klebrigen und aufdringlichen Nachbarn. Alle diese Settings müssen aus ein. Und Dutzende mehr.

Und dann kommt Edge alle paar Wochen daher und fragt “Willst du zu deiner Sicherheit nicht doch lieber die Standard-Empfehlungen laden?”

Und ist euch schon mal aufgefallen, dass man zwar den ganzen Clickbait-Dreck auf der “Neuen Seite” abschalten kann, aber nicht den Bing-Searchprompt?

Windows 11 Widgets aufgeräumt

Ich kann es gar nicht glauben: Microsoft hat endlich den MSN-Müll aus den Widgets entfernt. Also nicht so richtig, man sieht sie kurz aufblitzen – d.h. sie werden immer noch geladen – aber man kann sie nun ausblenden.

Rechts oben auf das Zahnrad und dann “Show or hide feeds” und da ist der Schalter.